Springer-Vorstand Wiele: "Apps als Revanche des Profi-Journalismus"

Freitag, 19. November 2010
Wiele sieht Claims noch nicht abgesteckt
Wiele sieht Claims noch nicht abgesteckt

Hoffnungen auf dem Tablet: Mit eindringlichen Worten ruft Andreas Wiele, Zeitschriftenvorstand bei Axel Springer, die Verlagswelt dazu auf, die "Transformation der Geschäftsmodelle in die digitale Welt stärker voranzutreiben". Hier seien Tablet-Rechner wie Apples iPad und alle ähnlichen Geräte, die in den kommenden Monaten folgen werden, die "historische Chance", die "Geburtsfehler des Internet" zu korrigieren."Die Claims sind noch nicht abgesteckt, und wir sollten sie für uns erobern", sagte Wiele bei den VDZ-Zeitschriftentagen in Berlin.  Neben den viel zitierten kostenlos verbreiteten Inhalten zählt Wiele zwei weitere Punkte zu den Web-Fehlern: zum einen die Kern-Eigenschaft des Internet, dass die Inhalte schier grenzenlos sind und meist nur durch Suchprogramme wie Google - die dann weitgehend die Vermarktung übernehmen - gefunden werden. Anders bei journalistischen Applikationen: "Die Redaktion übernimmt die Themenauswahl, die Apps sind eigene Produkte mit einem Anfang und einem Ende." Und externe Suchmaschinen bleiben außen vor.

Außerdem, Punkt zwei, böten Apps die Chance, das vom VDZ-Präsidenten Hubert Burda so genannte "Cost-per-Click-Drama" zu kurieren - und damit die Reichweite besser zu monetarisieren, ähnlich wie in Print. Denn laut Wiele verweilen die User in den redaktionellen Apps viel länger als auf den entsprechenden Sites im flüchtigen Internet. Dazu brauche es eine geräteunabhängige Währung, die verkaufte Apps mit verkauften Heften gleichstelle. Wiele sprach jetzt indes von einer Auflagenwährung; Springer-CEO Mathias Döpfner hatte jüngst mit seiner Forderung nach einer "Crossmedia-Reichweite" in Teilen der Fachwelt für Verwunderung gesorgt.

Wenn Verlage diese Punkte beachten, dann könnten Paid-Content-Apps "die Revanche des Profi-Journalismus über den Web-Journalismus" sein, glaubt Wiele. Daneben bleibe Print stark: "Print ist nicht back - Print war nie weg." rp
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