Springer-Chef Döpfner: "Wie Selbstmord aus Angst vorm Sterben"

Montag, 19. September 2011
Springer-Chef Mathias Döpfner setzt auf Apps
Springer-Chef Mathias Döpfner setzt auf Apps

Starke Worte beim Zeitungskongress des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in Berlin: „Wegen Supergiganten wie Google zu resignieren, wäre wie Selbstmord aus Angst vorm Sterben", sagte Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, bei seiner Eröffnungsrede. Jeder regionale Verlag könne in seiner Region erfolgreich sein, solange er auf Innovationsfähigkeit setze und neue Geschäftsfelder erschließe. Deshalb sei es notwendig, digital auf Paid Content zu setzen: „Wir haben mitversäumt, dass Suchmaschinen kostenpflichtige Angebote werden", so Döpfner. Mobil gebe es durch Apps jetzt eine andere Situation: „Apps bieten von Profis ausgesuchte, gewichtete Inhalte, die Anfang und Ende haben, einen Preis und eine Marke." Das Geschäftsmodell in der digitalen Welt müsse von den Verlagen proaktiv gestaltet werden, betonte Döpfner.

Telekom-Vorstandsvorsitzender René Obermann betonte zudem die Bedeutung von digitalen Vertriebsmöglichkeiten wie dem hauseigenen Kiosk Page Place. Auch Döpfner wollte „jeden Verleger dazu auffordern, ein solches Geschäftsmodell im mobilen Internet zu nutzen." Axel Springer bietet mit dem iKiosk ein ähnliches Geschäftsmodell an.

Richard Rebmann
Richard Rebmann
Die Vorratsdatenspeicherung, deren Bedeutung Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) auf dem Kongress betonte, hält auch der  Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) für wichtig: „Wir müssen eine vernünftige Entwicklung finden, die auch eine Lösung für den Informantenschutz findet", so Scholz. Telekom-Chef Obermann sprach sich zudem für eine qualitative Differenzierung bei der Übertragung von Datenpaketen im Internet aus. „Die grundsätzliche Möglichkeit der Differenzierung sollte bestehen", so Obermann. Für die Beibehaltung der Netzneutralität spricht sich dagegen Richard Rebmann, Geschäftsführer der Südwestdeutschen Medienholding aus.

Rebmann fordert zudem eine Neuregelung der Pressefusionsklausel im Kartellrecht. „Die Digitalisierung muss sich in den nationalen Gesetzen widerspiegeln", so Rebmann. Das Pressefusionsrecht sei in einer völlig anderen Situation entstanden, so Rebmann, und verhindere heute nicht nur den Kauf von benachbarten Zeitungen, sondern auch die Kooperation, beispielsweise bei Rubrikenmärkten, sowie die Teilnahme von Zeitungsverlagen am regionalen Rundfunk. „Der Gesetzgeber kann viel dafür tun, dass sich die Verlage künftig in neue Geschäftsfelder bewegen dürfen", so Rebmann.

Laut Pressefusionsrecht ist es nicht erlaubt, dass Verlage, die gemeinsam einen Umsatz von über 25 Millionen Euro erreichen, miteinander fusionieren, kooperieren oder sich übernehmen. In anderen Branchen greift das Kartellamt erst bei der 20-fachen Summe ein. sw
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