Springer-Aktionäre kritisieren Rekorddividende

Donnerstag, 24. April 2008
Springer-Chef Mathias Döpfner musste Kritik von Aktionären einstecken
Springer-Chef Mathias Döpfner musste Kritik von Aktionären einstecken

Die Entscheidung Axel Springers, den Aktionären in diesem Jahr mit 4 Euro pro Aktie eine Rekorddividende auszuschütten, stößt bei einigen Anteilseignern auf Widerstand. Obwohl die Aktionäre von der Zahlung profitieren, kritisierten Vertreter die Höhe angesichts des Verlustes, den Springer in Folge der Pin-Insolvenz für 2007 verbuchen musste. Auch das Management stand auf der heutigen Hauptversammlung in Berlin unter Beschuss. Das Desaster beim Briefdienstleister Pin, das den Verlag 2007 mehrere hundert Millionen Euro gekostet hat, sei so jedoch nicht abzusehen gewesen, findet Malte Diesselhorst, Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Wir alle haben das Investment eher positiv gewertet und Chancen gesehen", sagte Diesselhorst vor mehr als 200 Aktionären. "Der Wettbewerb wurde durch eine politische Entscheidung ausgebremst. Der Vorstand hat keinen Fehler gemacht, der so gravierend ist, dass man ihm das Vertrauen abspricht."

Harsche Kritik kassierten Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner und der Vorstand jedoch von anderen Aktionären ein. Sie mussten sich unter anderem ungenaue Prüfung der Pin-Bücher und überhöhte Kaufpreiszahlungen vorwerfen lassen.

Döpfner hatte das Investment in den Dienstleister gerechtfertigt, der nach der Entscheidung der Politik, die Zusteller der Postbranche mit einem Mindestsalär von 9,80 Euro beziehungsweise 9 Euro die Stunde zu entlohnen, in die Insolvenz geschlittert war. Der Kaufpreis für knapp 50 Prozent der Pin-Anteile hatte bei circa einer halben Milliarde Euro gelegen.

Der Vorstandsvorsitzende wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe den seit 2006 diskutierten Mindestlohn zum Anlaß genommen, die ohne hin nicht profitable Pin loszuwerden. "Selbstverständlich waren zahlreiche der akquirierten Tochtergesellschaften noch nicht profitabel, die Pin war ein Startup, die Prioritäten waren klar: Erst wachsen, dann integrieren, dann profitieren."

Döpfner will sich nach dem Rückzug aus dem Briefgeschäft wieder auf das Kerngeschäft konzentrieren und 2008 Umsatz und Ertrag steigern. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei rund 2,58 Milliarden Euro, das Ebita bei circa 422 Millionen Euro - 12,5 Prozent mehr als 2006. Der Jahresfehlbetrag lag bei satten 288 Millionen Euro.

Angesichts des Verlustes ist die Zahlung einer Rekordrendite von 4 Euro bei den Aktionären strittig. "Die Perspektiven für 2008 sind so, dass das Unternehmen die Delle übersteht und sich positiv entwickelt", so DSW-Mann Diesselhorst. Eine Rendite in dieser Höhe sei mit Blick auf die Zukunft daher gerechtfertigt. Lars Labryga, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK), und diverse Kleinaktionäre lehnen die Höhe dagegen ab.

Wichtigste Anteilseignerin und damit Profiteurin der hohen Dividende ist Verlegerwitwe Friede Springer, die direkt 5,2 Prozent des Unternehmens hält. Der Großteil der Anteile liegt mit 51,5 Prozent bei der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik, die ebenfalls von Friede Springer kontrolliert wird. Damit hält sie die knapp Mehrheit der stimmberechtigten Aktien.
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