Sport-Portale verzeichen während der WM Zugriffsrekorde

Mittwoch, 26. Juni 2002

Dank des unerwarteten Einzugs der deutschen Nationalelf ins Finale der Fußball-WM im japanischen Yokohama feiert auch die hiesige Internetbranche derzeit reihenweise Erfolge. Da sich die Fußballfans nun deutlich länger als zunächst vermutet über das Abschneiden der Recken um Teamchef Rudi Völler im Web informieren, sind die Zugriffszahlen der Sport-Sites bereits eine knappe Woche vor Monatsende in nie gekannte Höhen geschnellt.

So freut sich etwa Alexander Wagner, Leiter von Kicker Online, über einen einmaligen User-ansturm. "Wir haben schon jetzt die Marke von 50 Millionen Page-Impressions über-schritten", schwärmt Wagner. Der bisherige Monatsrekord lag bei 21 Millionen Page-Impressions. Die deutsche Web-Präsenz von Sports.com meldet gar eine Versechsfachung der durchschnittlichen Zugriffe auf bislang 86 Millionen Page-Impressions. "Auch die Verweildauer der Surfer ist im WM-Monat von 23 Minuten auf rund 33 Minu-ten angestiegen", sagt Marketingleiter Thomas Mendrina.

Deutlich übertroffen wurden auch die Erwartungen bei Sport 1. Die Kirch-Tochter konnte ihr bisheriges Rekordergebnis auf 110 Millionen Page-Impressions verdoppeln. Damit kommen die Münchner schon nahe an die 130 Millionen Page-Impressions heran, die T-Online laut Unternehmenssprecher Michael Schlechtriem bislang mit seinem Sport-Portal erzielte. Nichts ausrichten können die deutschen Sport-Sites freilich gegen das Web-Portal Yahoo, das die internationale Site des Fußball-Weltverbandes Fifaworldcup.com betreibt. Zwar will Yahoo vor Turnierende keine Zahlen für den Monat Juni bekanntgeben. Doch allein am 8. Spieltag, als Argentinien gegen England spielte, verzeichnete Fifaworldcup.com laut Yahoo 106 Millionen Page-Impressions.

Durchaus sehen lassen können sich offenbar auch die erzielten Werbeerlöse. "Die Vermarktung unserer WM-Angebote ist positiv verlaufen", sagt etwa Stefanie Lüdecke, Leiterin beim Onlinevermarkter Quality Channel, der unter anderem Kicker Online, Sueddeutsche.de und Spiegel Online betreut. Zufriedenheit auch bei Sports.com: "Während die Werbekunden zu Beginn des 2. Quartals noch relativ zurückhaltend waren, haben viele Unter-nehmen kurz vor der WM und sogar während des Turniers noch nachgelegt", berichtet Mendrina. So hätten etwa Vodafone und die Deutsche Post vor wenigen Tagen erstmals gebucht, von T-Mobile sei dieser Tage ein Folgeauftrag eingegangen. Insgesamt sind die Vermarktungserlöse laut Mendrina vier- bis fünfmal höher als in einem normalen Monat.

Bei Sport 1 sind ebenfalls eine Reihe von Werbekunden sehr kurzfristig auf den WM-Zug aufgesprungen. So haben Volkswagen, Puma und Lufthansa erst kurz vor dem Eröffnungsspiel Werbegelder locker gemacht. Quam, Nordea Investmentfonds und T-Online Österreich sind nach dem WM-Start dazugekommen. "Insgesamt liegen die WM-Erlöse im niedrigen siebenstelligen Bereich", sagt Sport-1-Chef Raoul Hess. Einige Anbieter haben während der WM auch erste Experimente mit kostenpflichtigen Angeboten gemacht. So haben sich rund 9000 Sport-1-User die Teilnahme am Onlinegame WM-Manager immerhin 2 Euro kosten lassen. Für das VIP-Paket von Yahoo, das mit 22,50 Euro zu Buche schlägt, liegt die Abonnentenzahl weltweit im fünfstelligen Bereich.
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