Sponsorenkollektiv rettet Lead-Awards-Party

Freitag, 27. März 2009
Die Finanzierung der Lead Awards steht
Die Finanzierung der Lead Awards steht

Die Lead Academy, Veranstalter des renommierten Zeitschriftenpreises „Lead Awards", kann den Rückzug ihres langjährigen Hauptsponsors Spiegel-Verlag durch rund 20 neue Unterstützer teilweise kompensieren: Markenartikler (Beiersdorf), Verlage und Vermarkter (darunter Bauer, Condé Nast, Gruner + Jahr, Jalag, Ströer,  "SZ Magazin", "Zeit"), Agenturen (Serviceplan, KNSK) sowie fünf ungenannte Privatpersonen. Dies gab der Lead-Academy-Vorsitzende Markus Peichl am heutigen Freitag vor der Presse bekannt. Diese "beispiellose Hilfsbereitschaft" zeige sich in Geld- und Sachleistungen sowie in aktiver Mitarbeit, so Peichl. Die Spontanhilfen gelten für das diesjährige Event. Details - etwa zur Frage, inwieweit die Sachleistungen der Verlage in Anzeigenseiten bestehen, über die die Lead Academy verfügen kann - wollte Peichl nicht nennen. Nur soviel: Die Finanzierung der Preisverleihung am 1. April in Hamburg sei gesichert. Wegen der "eingeschränkten Mittel" würden Umfang, Catering und technische Ausstattung des Events zwar etwas "heruntergefahren", so Peichl. Aber: "Wir werden die Preisträger genauso würdigen wie in den Jahren zuvor." Durch den Rückzug des "Spiegel" fehlten der Lead Academy zunächst geschätzt 200.000 bis 250.000 Euro in der Veranstaltungskasse. Verblieben sind die Top-Sponsoren Hugo Boss, Otto Group und die städtische Initiative "Hamburg und Design".

Als Lehre aus dem Fall will Peichl die "Lead Awards" in Zukunft "unabhängiger von der Finanzierung durch Sponsorengelder" machen: "Dieses Modell hat keinen Krisenbestand." Einreichungsgebühren schloss er zwar aus. Andere Möglichkeiten seien aber höhere Teilnahmegebühren fürs Symposium, die Einführung von Eintrittsgeldern für die Verleihungsparty sowie Erlöse aus dem Jahrbruch. Aber auch ein erneutes Sponsorenkonsortium sei denkbar. Peichl ließ offen, welchen Weg er gehen will - darum wolle er sich erst nach dem diesjährigen Event kümmern.

Peichl äußerte sich zudem ausführlich zum Streit mit dem "Spiegel" über die Frage, inwieweit die Kündigung des Sponsorenvertrages durch den Verlag wirksam ist. Der "Spiegel" hat in der vergangenen Woche erneut erklärt, man habe den Vertrag im Frühjahr 2008 "außerordentlich gekündigt", weil die Lead Academy für 2008 "vertragswidrig und zudem entgegen einer ausdrücklichen Absprache einen weiteren Sponsor aus dem Medienbereich" (Google) geworben hatte. Seinen damaligen Kontrakt mit Google bezeichnet Peichl heute als "Fehler". Und er bestätigt den Erhalt einer solchen Kündigung im März 2008 - hält diese aber für nicht wirksam, weil zuvor keine Abmahnung erfolgt sei. Daher habe die Lead Academy der Kündigung widersprochen. Damit widerspricht Peichl wiederum dem "Spiegel", der in der vergangenen Woche erklärt hatte, die Lead Academy habe "die Kündigung im Frühjahr letzten Jahres ausdrücklich akzeptiert, was auch in einem gemeinsamen Statement formuliert wurde".

Auch über die Interpretation der Zeit danach herrscht offene Uneinigkeit. Der „Spiegel" erklärte in der vergangenen Woche erneut: Ungeachtet der Kündigung habe man weiter „Gespräche mit der Lead Academy über alternative Beteiligungskonzepte geführt, diese haben aber zu keinem Ergebnis geführt. Sie wurden deshalb im September 2008 endgültig beendet". Peichl ergänzt nun: Der „Spiegel" habe die Zusammenarbeit Anfang Oktober 2008 schriftlich aufgekündigt - „aufgrund der schwierigen Marktsituation". Hier gab Peichl vor der versammelten Presse an, aus dem entsprechenden Brief des „Spiegel" zu zitieren. Außerdem habe es - entgegen den Angaben des „Spiegel" - in den vergangenen drei März-Wochen weitere Treffen, Gespräche und Briefwechsel mit Managern des Verlags gegeben, zuletzt am 20. März 2009. Hier nannte Peichl konkrete Daten, Akteure und Briefzitate. Der „Spiegel" wiederum hatte am 20. März erklärt: „Es stimmt nicht, dass wir noch jetzt in Gesprächen über die Beteiligung an den Lead Awards 2009 seien, wie in den letzten Tagen öffentlich behauptet wurde."

Peichl sagte, die Lead Academy prüfe wegen ihrer bestehenden Geldforderung „mögliche rechtliche Schritte" gegen den Verlag. Diese hatte zuvor umgekehrt auch der „Spiegel" der Lead Academy angedroht - wegen der angeblich unzulässigen Benutzung seines Logos in den Werbematerialien des diesjährigen Events. In der vergangenen Woche hat der Verlag jedoch hinterhergeschickt, man habe „grundsätzlich kein Interesse, die bevorstehenden Lead Awards durch eine gerichtliche Auseinandersetzung zu belasten".

Auch die versammelte (Fach-) Presse bekam ihr Fett weg: Peichl beklagte sich mehrfach über „teilweise unfaire Berichterstattung" und meinte damit offenkundig jene Veröffentlichungen, die über den Streit überhaupt berichtet und dabei nicht nur ihn, sondern auch die andere Seite - den Spiegel-Verlag - angehört haben. rp
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