"Spiegel" entlarvt vermeintliche Kneipen-Spitzel von Sky

Montag, 06. Juni 2011
Der Pay-TV-Anbieter hat bei seinen Kontrollen vor allem Fußball-Kneipen im Blick
Der Pay-TV-Anbieter hat bei seinen Kontrollen vor allem Fußball-Kneipen im Blick


Der Pay-TV-Anbieter Sky kontrolliert mit verdeckten Ermittlern, ob Wirte von kleineren Cafés oder Kneipen am Wochenende Fußball-Spiele mit der entsprechenden Lizenz zeigen oder womöglich mit einer Smartcard, die nur für den privaten Gebrauch vorgesehen ist. Das berichtet der "Spiegel". Sky selbst reagiert gelassen und räumt entsprechende Kontrollen freimütig ein. In der aktuellen Ausgabe berichtet der "Spiegel" von einer "Abo-Jagd" mit "bisweilen ungewöhnliche Methoden": So seien vor allem am Samstagnachmittag, wenn in zahlreichen Kneipen Bundesliga-Spiele von Sky live übertragen werden, Kontrolleure unterwegs. Dabei überprüfen die Ermittler, ob die Wirte eine entsprechende Lizenz für die öffentliche Aufführung des Pay-TV-Anbieters haben. Falls nicht, bekommt der Wirt von einer Berliner Anwaltskanzlei eine strafbewehrte Unterlassungserklärung zugestellt und wird zur Zahlung von 3000 Euro aufgefordert. Wenn der Wirt stattdessen ein Abo abschließt, reduziert sich die Strafe auf 300 Euro. In Einzelfällen soll es dabei auch zu falschen Anschuldigungen gekommen sein: In Augsburg habe ein Kontrolleur eine unerlaubte Übertragung frei erfunden, in dem Gastraum gebe es überhaupt keinen Fernseher.

Sky-Sprecher Wolfram Winter bestätigt den Einsatz der Kontrolleure gegenüber dem Nachrichtenmagazin: "Wir machen das viel häufiger als früher. Unsere Beweise sind so, dass daraus durchaus valide juristische Vorgänge entstehen." Auch das Angebot, die Strafe durch den Abschluss eines Abos zu reduzieren, räumt er ein: "Wir sind ja nicht an einer gerichtlichen Auseinandersetzung interessiert, wir wollen, dass die Leute unsere Kunden werden. Und die Umwandlungsquote ist inzwischen richtig hoch."

Viel Lärm um nichts also? Dass Sky bei öffentlichen Übertragungen in Kneipen auf ein entsprechendes Abo besteht, ist nachvollziehbar, ebenso wie das Verschicken strafbewehrter Unterlassungen bei Zuwiderhandlungen. Schließlich kämpft der seit Jahren hochdefizitäre Anbieter um jeden neuen Abonnenten - und um seine Existenz. Kontrolleure zu "Spitzeln" auf "Abo-Jagd" zu stilisieren, erscheint zumindest sehr stark zugespitzt. Zumal die Methoden bereits seit längerer Zeit bekannt sind: Der "Focus" hat schon im vergangenen Jahr über den Einsatz entsprechender Kontrolleure durch Sky berichtet. dh
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