"Spiegel": Mitarbeiter bestätigen Geschäftsführung ihrer Beteiligungsgesellschaft

Dienstag, 09. März 2010

Die Stimmen sind ausgezählt: Wirtschaftsressortleiter Armin Mahler, Kulturredakteurin Marianne Wellershoff, Vertriebschef Thomas Hass, Controller Rainer Buss und der Dokumentar Jan Kerbusk bilden nach Informationen von HORIZONT.NET in den kommenden drei Jahren die Geschäftsführung der Mitarbeiter KG beim "Spiegel". Diese ist mit 50,5 Prozent der Hauptgesellschafter des Hamburger Verlags, sie entscheidet also - neben Gruner + Jahr (25,5 Prozent) - maßgeblich über die Verlagsstrategie, den Etat sowie die Posten des Chefredakteurs und des Geschäftsführers. Bis auf Kerbusk waren alle anderen vier bereits in der vergangenen Amtsperiode KG-Geschäftsführer, Mahler wurde sogar zum dritten Mal gewählt. Kerbusk folgt seiner Abteilungskollegin Cordelia Freiwald, die nicht mehr zur Wahl angetreten war. In Redaktion und Verlag, die jeweils zwei Geschäftsführerposten stellen, gab es je einen erfolglosen Gegenkandidaten; in der Dokumentation, die einen KG-Chef schickt, gar drei weitere. Nun müssen die fünf KG-Chefs aus ihrer Mitte noch einen Sprecher (bisher: Mahler) nebst Stellvertreter bestimmen.

Die diesjährige Wahl verlief dem Vernehmen nach deutlich ruhiger als die Abstimmung 2007 - vor allem deshalb, weil diesmal damit kaum innenpolitische Implikationen verbunden waren. Die KG-Wahl 2007 dagegen galt zugleich als Votum über die Schicksale des damaligen "Spiegel"-Geschäftsführers Mario Frank und des damaligen Chefredakteurs Stefan Aust.

Und so kam es dann auch: Erst versagte die alte KG-Geschäftsführung, die nun fast wieder die neue ist, Ende 2007 dem langjährigen Chefredakteur Aust die erwartete Verlängerung seines Vertrages und installierte - nach teils tapsiger Nachfolgersuche (Stichwort: Claus Kleber) - Anfang 2008 die heutige Doppelspitze Mathias Müller von Blumencron und Georg Mascolo. Wenige Monate später feuerten die KG-Chefs dann auch den umstrittenen Kurzzeit-Geschäftsführer Frank und holte Ove Saffe vom „Stern" zum "Spiegel". Zuvor hatten die Fünf auch noch die Beteiligung ihres Verlages an der "FTD" eruiert.

Querelen dieser Art sind in der neuen Amtsperiode kaum zu erwarten - sondern vielleicht eher unangenehme Organisationsentscheidungen in Zeiten der Wirtschafts- und Werbekrise. Seit 1974 gehört die Hälfte des Spiegel-Verlags den Redakteuren, Dokumentaren und Verlagsangestellten. Jeder Mitarbeiter, der drei Jahre beim "Spiegel" arbeitet, kann sich als stiller Gesellschafter an der Mitarbeiter KG beteiligen. Derzeit sind es rund 760 Personen; diese wählen alle drei Jahre eine 5-köpfige ehrenamtliche Geschäftsführung. rp
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