„Spiegel“-Gesellschafter lassen Geschäftsführer Mario Frank fallen

Montag, 28. April 2008
Muss wohl gehen: Spiegel-Geschäftsführer Mario Frank
Muss wohl gehen: Spiegel-Geschäftsführer Mario Frank

Nun ist es wohl soweit: „Spiegel"-Geschäftsführer Mario Frank, 49, wird den Verlag möglicherweise bald verlassen. Nach HORIZONT-Informationen hat der Haupteigentümer, die Mitarbeiter KG (50,5 Prozent), Frank am Freitagnachmittag dieser Woche das Misstrauen ausgesprochen. Für eine Freistellung und Entlassung Franks müsste Mitgesellschafter Gruner + Jahr (25,5 Prozent) zustimmen. Daran interessierte „Spiegel"-Kreise wollen wissen und streuen, dass G+J sich dem Votum der KG nicht entgegenstellen wolle. Das Wort der Augstein-Erben (24 Prozent) ist faktisch ohne Belang. Als möglicher Frank-Nachfolger wird sein bisheriger Stellvertreter, Verlagsleiter Matthias Schmolz, 44, gehandelt. Eine „Spiegel"-Sprecherin wollte die Informationen nicht kommentieren, von G+J war keine Stellungnahme zu erhalten.

Dass Frank, erst im Januar 2007 beim „Spiegel" angetreten, seinen 5-Jahres-Vertrag möglicherweise nicht würde erfüllen dürfen, hält sich in „Spiegel"-Kreisen seit Monaten als hartnäckiges Gerücht. Dass seine mögliche Demission ausgerechnet jetzt erfolgen könnte, überrascht jedoch: Erst am Mittwoch dieser Woche war eine reguläre Gesellschafterversammlung offensichtlich unspektakulär über die Bühne gegangen, auf der Frank entlastet - oder besser: sein Geschäftsabschluss, der als Grundlage für die Gewinnausschüttung dient, verabschiedet - wurde. Vielmehr hatten viele stille „Spiegel"-Teilhaber bereits im November vergangenen Jahres, im Zuge der vorherigen Gesellschafterversammlung, mit Franks Entlassung gerechnet. Denn bereits zu dieser Zeit waren dem Vernehmen nach drei der fünf Mitarbeiter-KG-Geschäftsführer gegen Frank; dieses Verhältnis galt jedoch als zu knapp, um die notwendige Zustimmung von G+J zu erhalten. Außerdem wollte man dringlicher den damaligen Chefredakteur Stefan Aust loswerden. Doch zuletzt scheint sich das Verhältnis contra Frank auf 4:1 erhöht zu haben. Die Hintergründe sind noch unklar.

Schon vor seinem Antritt stand Frank „Spiegel"-intern bei einem Teil der Mitarbeiter und stillen Gesellschafter schwer unter Beschuss. Als Vorab-Makel galt, dass er sein bisheriges Berufsleben bei G+J („Sächsische Zeitung") verbracht hatte - viele der traditionell auf Autonomie bedachten „Spiegel"-Mitarbeiter sahen in Frank einen mit der Okkupation beauftragten Gesandten des ungeliebten Veto-Gesellschafters G+J. Zudem wurden ihm fehlende Kenntnisse des Zeitschriften- und TV-Geschäfts, ein ruppiger Führungsstil, einsame Aktionen und - vor allem - mangelnde Sensibilität für die Hauskultur des „Spiegel" vorgeworfen, etwa bei neuen Geschäftsideen, Betriebsvereinbarungen und Konferenzgepflogenheiten. Für Frank kam erschwerend hinzu, dass in der zum April 2007 neugewählten KG-Spitze nur noch zwei Personen aus dem alten Gremium sitzen, das Franks Vorgänger Karl Dietrich Seikel vorzeitig und überraschend aus dem Amt gedrängt und durch Frank ersetzt hatte. Im Sommer 2007 hatte Frank die drei KG-Neulinge im HORIZONT-Interview mit der Aussage brüskiert, dass sie sich in laufende Projekte erst einarbeiten müssten. „Das hat bei der Strategieumsetzung ein bisschen das Tempo herausgenommen", so Frank damals. Eine schwere Niederlage erlitt er im Herbst 2007, als die Mitarbeiter KG sein Vorhaben abschmetterte, bei der „FTD" einzusteigen. Im Januar dieses Jahres hatte Frank noch einen Neuanfang versucht, sich in einer Rede vor der Belegschaft als „Mann der Mitarbeiter KG" bezeichnet und die „einzigartige Unternehmensidentität" des „Spiegel" gelobt.
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