Spekulationen um die "FTD": Wird die Wirtschaftszeitung dünner?

Dienstag, 28. August 2012
Bei G+J macht man sich Gedanken über die "FTD"
Bei G+J macht man sich Gedanken über die "FTD"

Die Gerüchteküche um die "Financial Times Deutschland" brodelt weiter. Nachdem "FTD"-Chefredakteur Steffen Klusmann bereits vor Wochen im HORIZONT-Interview laut über neue Erscheinungsrhythmen sowie eine Tablet-Offensive nachdachte ("Ich schließe nichts mehr aus"), soll jetzt angeblich eine Verschlankung der "FTD" beschlossene Sache sein. Das will der Onlinedienst Newsroom.de erfahren haben.
Die "FTD" hat im 1. Halbjahr 0,4 Prozent ihrer Werbeerlöse verloren
Die "FTD" hat im 1. Halbjahr 0,4 Prozent ihrer Werbeerlöse verloren
Dem Bericht zufolge steht die "Financial Times Deutschland" vor der "größten Veränderung seit ihrer Gründung" im Februar 2000. Die wochentäglich erscheinende Zeitung aus dem Hause Gruner+Jahr Wirtschaftsmedien werde künftig statt mit vier nur noch mit zwei Büchern erscheinen, berichtet Newsroom.de. Grund sei die geplante Reduzierung des Heftumfangs von derzeit 24 bis 28 Seiten (von montags bis donnerstags) auf nur noch 20 bis 24 Seiten. Aufgewertet werden soll dem Bericht zufolge die Freitagsausgabe. Mit 40 statt 34 Seiten solle die Wochenendausgabe etwas dicker werden.

Bruttowerbeumsatz ausgewählter Wirtschaftsmagazine in Deutschland

#CHB+65896#
Bei Gruner + Jahr will man sich zu dem Thema nicht äußern. „Zu Spekulationen nehmen wir keine Stellung", erklärt Christian Merl, Leiter Externe Kommunikation, gegenüber HORIZONT.NET. Allerdings schließt er Veränderungen auch nicht gänzlich aus. "Über Gestalt und Auftritt der Zeitung und der Marke FTD nachzudenken und Veränderungen zu erwägen, gehört zu professioneller Arbeit immer dazu", so Merl weiter. Wie HORIZONT.NET aus gut unterrichteter Quelle erfahren hat, wurde das Konzept mit abgespeckten Wochentagsausgaben und der dickeren Freitagsausgabe bereits dem Vorstand präsentiert. Vorstandschef Bernd Buchholz soll es aber Stand heute noch nicht abgesegnet haben.

Dass sich Gruner+Jahr Wirtschaftsmedien über die Zukunft der "FTD" Gedanken macht, ist alles andere als eine Überraschung. Der Titel, den G+J gemeinsam mit der Pearson-Gruppe gegründet hatte und 2008 komplett übernahm, hat bislang noch keinen Profit abgeworfen. Und das Anzeigengeschäft läuft derzeit auch nicht gerade rund. Im 1. Halbjahr 2012 sind die Anzeigenerlöse der "FTD" laut Nielsen um 0,4 Prozent auf rund 18,5 Millionen Euro zurückgegangen (siehe Chart).

"FTD"-Chefredakteur Steffen Klusmann
"FTD"-Chefredakteur Steffen Klusmann
Mittelfristig könnte sich die "FTD" sogar noch deutlich stärker verändern. Chefredakteur Klusmann kündigte bereits vor Wochen an, dass sich die Rolle der gedruckten Zeitung weiter verändern wird. "Für die FTD heißt das, dass sie noch magaziniger wird, als sie jetzt schon ist. Hintergrund, Analyse, Meinung und thesengetriebene Geschichten - das haben wir vom Start weg gepflegt und werden es künftig noch mehr betonen", so Klusmann damals. Auch einen wöchentlichen Erscheinungsrhythmus wollte er für die Zukunft nicht ausschließen. mas
Meist gelesen
stats