Sparprogramme fangen an: WAZ muss Stellen abbauen

Donnerstag, 20. September 2012
Braun sucht nach Sparpotenzial
Braun sucht nach Sparpotenzial

Die herben Umsatzrückgänge bei den Zeitungen fordern den ersten Tribut. Die WAZ plant für die kommenden zwei Jahre Kostensenkungen um 20 Prozent. Da die meisten Verlage bereits infolge der Lehman-Krise 2008/09 Millionen-Beträge aus den Konzernen gekehrt haben, dürfte es nun an die Substanz gehen. "Damit wird der Abbau von Qualitätsjournalismus vorangetrieben. Wer so agiert, der muss sich nicht wundern, wenn die Zeitung keine Akzeptanz mehr findet", kommentiert der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken die Pläne. Das Sparprogramm trifft alle Bereiche des Konzerns, auch die Zeitungssparte mit der "WAZ", "NRZ", "Westfälische Rundschau" und "Westfalenpost". Welche Bereiche genau und wie viele Stellen betroffen sein werden, ist noch unklar. Man stehe am Anfang eines unternehmerischen Prozesses, in dem Kostensenkungspotenziale identifiziert und diskutiert würden, heißt es aus Essen.

Die Geschäftsführung der WAZ Mediengruppe hatte intern ein Schreiben an eine kleien Gruppe von Führungskräften verschickt, dass dazu aufforderte, nach Potenzialen zur Kostensenkung zu suchen. Die Informationen seien nicht zur Veröffentlichung bestimmt gewesen, teilt der Konzern mit.

Erst Anfang August hatte die WAZ angekündigt, den Lokaljournalismus stärken zu wollen, in dem Stellen aus dem überregionalen Teil auf die Lokalredaktionen verschoben werden. Auch diese Maßnahme dürfte vom Sparprogramm nicht ausgenommen sein, auch wenn Geschäftsführer Manfred Braun beteuert hatte, dass es sich nicht um eine kostensenkende Maßnahme handelt. Er räumte jedoch auch deutliche Umsatzrückgänge ein.

Die Zeitungen leiden darunter, dass vor allem der Handel - vorne weg Aldi - massiv Budgets gekürzt und in Radio, TV und Below-the-line-Aktivitäten wie Prospekte und Hauswurfsendungen verschoben hat. Das Rubrikengeschäft schwächelt im Zuge der konjunkturellen Eintrübung. Zudem sinken die Auflagen weiter, so dass neben den Anzeigen- auch die Vertriebserlöse ins Wanken geraten. HORIZONT hat in den vergangenen Wochen mehrfach und umfassend in der Print-Ausgabe über diese Entwicklungen berichtet.

Erschwerend kommt bei der "WAZ" ein Eigentümerwechsel hinzu. Petra Grotkamp hatte die Familie im Januar ausgekauft. Der Deal soll sich auf eine halbe Milliarde Euro belaufen und laut Grotkamps Anwalt Andreas Urban auch von UniCredit Bank, Bayerischer Landesbank und Deutscher Bank finanziert worden sein. Die steigende Verschuldung bei sinkenden Erlösen, dürfte den Druck zusätzlich verschärft haben.

Dabei ist es nicht das erste Sparprogramm, den Deutschlands - nach Axel Springer und Holtzbrinck - drittgrößter Zeitungskonzern durchzieht. Erst 2009 hatte das Essener Unternehmen im Rahmen der Redaktionszusammenlegung der vier Zeitungstitel rund 300 Stellen abgebaut. Das soll rund ein Drittel der Stellen gewesen sein und über 30 Millionen Ersparnis gebracht haben.

Auch bei anderen Zeitungen hinterläßt die aktuelle Konjunktur- und Strukturkrise Spuren. So hat auch der zu M. DuMont Schauberg gehörende Berliner Verlag laut Berichten ein Sparprogramm angekündigt. pap
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