Sparprogramm: Springer plant angeblich massiven Stellenabbau bei "Bild"

Montag, 13. Mai 2013
Axel Springer spielt derzeit offenbar diverse Sparszenarien für die "Bild" durch
Axel Springer spielt derzeit offenbar diverse Sparszenarien für die "Bild" durch


Springer plant offenbar große Einschnitte bei seinem Zeitungs-Flaggschiff "Bild". Wie der "Spiegel" unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Springer-Leute berichtet, würden aktuell Sparszenarien im Umfang von 20 Millionen Euro diskutiert. In diesem Zuge könnten bei der "Bild"-Gruppe 170 bis 200 Stellen wegfallen. Ein "Bild"-Sprecher wies die vom "Spiegel" genannten Zahlen als "nicht korrekt und ohnehin viel zu hoch" zurück. Dass bei Axel Springer den digitalen Geschäftsfeldern die Zukunft gehört, ist kein Geheimnis: Inzwischen erwirtschaftet der Medienkonzern im Digitalen einen größeren Teil seines Gesamtumsatzes als in Print. Beim Online-Auftritt der Tageszeitung "Die Welt" hat Springer bereits eine Bezahlschranke eingerichtet, bei "Bild.de" steht dies kurz bevor. Der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner hatte erst anlässlich der jüngsten Quartalszahlen sein Vorhaben untermauert, die Weiterentwicklung Springers "zum führenden digitalen Medienunternehmen" voranzutreiben.

Die Strategie ist auch eine Reaktion auf den seit Jahren anhaltenden Rückgang von Auflagen und Werbeerlösen im Zeitungs-Segment. Die "Bild" gilt dennoch als Springers Flaggschiff und Cashcow. Obwohl auch die Boulevardzeitung nicht vom Auflagenrückgang verschont blieb, erwirtschaftete sie zuletzt noch hervorragende Renditen - der "Spiegel" berichtet von 30 Prozent. Dennoch scheint auch bei der "Bild" nun der Spar- und Kürzungszwang Einzug zu halten. 20 Millionen Euro wolle Springer bei der Zeitung einsparen, 170 bis 200 Stellen könnten dabei wegfallen, wie der "Spiegel" berichtet. Diskutiert würden derzeit eine Zusammenführung der "B.Z." mit "Bild Berlin-Brandenburg". Der Lokalteil der Berliner "Bild" würde dann zusammen mit der "B.Z." erstellt werden.

Auch konkrete Maßnahmen, wie man sich von Mitarbeitern trennen könne, würden laut "Spiegel" bereits durchgespielt. Eine diskutierte Variante sei offenbar, "Bild"-, "Bild.de"- und "B.Z."-Redakteure in eine gemeinsame Gesellschaft zu überführen - etwa in die Bild Digital GmbH, deren Beschäftigte ohne Tarifbindung arbeiten. Für etwaige "Strukturanpassungen" habe der Medienkonzern dieses Jahr 50 Millionen Euro zurückgestellt.

Ein "Bild"-Sprecher wies die vom "Spiegel" genannten Zahlen als "nicht korrekt und ohnehin viel zu hoch" zurück. Einen eventuellen Stellenabbau ausschließen konnte er nicht: Ob und in welchem Umfang Stellen abgebaut und in welchen Bereichen aufgebaut würden, werde derzeit in verschiedenen Szenarien diskutiert. Entgegen dem "Spiegel"-Bericht, demzufolge bereits drei Vorstandsmitglieder in die Diskussionen über Sparziele eingebunden gewesen seien, stellte der Sprecher klar: "Das Vorstandsgremium hat sich hiermit noch nicht befasst. Entscheidungen gibt es hierzu keine."

Update:

Der Deutsche Journalisten Verband (DJV) hat eventuelle Sparpläne bei Springer scharf kritisiert: "Ich fordere die Verantwortlichen bei Springer auf, die Sparpläne dahin zu befördern, wohin sie gehören: in den Papierkorb", sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Die Sparpläne seien ein fatales Signal an die Journalisten anderer Springer-Titel. Statt "die Brechstange anzusetzen", sollte das Management im konstruktiven Dialog mit den Mitarbeitern gemeinsam an der kontinuierlichen Weiterentwicklung der journalistischen Angebote arbeiten, so Konken. "Journalismus muss Vorrang vor hemmungsloser Gewinnmaximierung haben." ire
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