Sparkurs und Paid Content beim "Spiegel"

Donnerstag, 29. November 2012
Ove Saffe im HORIZONT-Interview (Foto: Olaf Ballnus)
Ove Saffe im HORIZONT-Interview (Foto: Olaf Ballnus)

Es weht ein scharfer Wind durch den Blätterwald, und man spürt ihn auch in Hamburg an der Ericusspitze. Dort residiert der „Spiegel", den manche Wettbewerber in einer Mischung aus Neid und Bewunderung als letzte stabile Bastion des klassischen Journalismus ansehen. Doch wie gesagt: Auch der „Spiegel" leidet unter dem digitalen Wandel. Im Interview mit HORIZONT skizziert Geschäftsführer Ove Saffe seinen Kurs: Paid Content und Sparen.
-
-
Der Spiegel-Gruppe werden in diesem Jahr im Vergleich zu 2011 rund 20 Millionen Euro in der Kasse fehlen, der Umsatz sinkt um knapp 6 Prozent auf 307 Millionen Euro (Prognose). Grund sind einbrechende Anzeigenerlöse beim „Spiegel", seinen Ablegern und beim „Manager Magazin", netto wohl jeweils über 10 Prozent. In den vergangenen Jahren haben Vertriebsumsätze diese Entwicklung meist aufgefangen - doch auch die steigen nicht mehr. Im nächsten Jahr rechnet man sogar mit sinkenden Vertriebseinnahmen. „Insgesamt werden die Erlöszuwächse bei Online, Digital und Mobile die Rückgänge im Print-Geschäft weiterhin nicht kompensieren können", resümiert Saffe im HORIZONT-Interview.

Deshalb bereitet er das Haus aufs Sparen vor, auch beim Personal. Selbst wenn es in der Gruppe neben der neuerlichen Streichung von 40 Stellen in der Fernsehproduktionssparte Spiegel TV ansonsten keine Kündigungen geben dürfte, geht Saffe davon aus, dass man Ende 2013 weniger Personal beschäftigen werde als derzeit mit über 1200 Mitarbeitern (davon rund 1100 in Hamburg).

Exklusiv für Printabonnenten

Exklusiv für Printabonnenten
Mehr zur Lage beim „Spiegel" sowie das Interview mit Ove Saffe lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 48/2012, die am Donnerstag, 29. November erscheint.

HORIZONT abonnieren
HORIZONT E-Paper abonnieren
HORIZONT for iPad beziehen


Strategisch spannender als Sparen sind die Gedanken, die man sich zum Verhältnis von Print, Apps und Online macht. Bisher gilt das Credo: Spiegel-Online-Inhalte sind gratis, um Reichweiten und Werbeerlöse nicht zu gefährden; nur „Spiegel"-Inhalte kosten etwas, auf Papier und digital. Diese Aufteilung wird so bald nicht mehr gelten: „Spiegel" und Spiegel Online rücken zusammen, sowohl bei der Redaktionsarbeit als auch beim Geschäftsmodell. „Besonders werthaltige Inhalte von Spiegel Online könnten kostenpflichtig werden", sagt Saffe mit Blick auf die schwierige Monetarisierung digitaler Reichweiten im Werbemarkt. rp

Meist gelesen
stats