Sogar bei den Medientagen: Edmund Stoiber hat das letzte Wort

Freitag, 26. Oktober 2012
Edmund Stoiber sprach auf dem Contentgipfel bei den Medientagen
Edmund Stoiber sprach auf dem Contentgipfel bei den Medientagen

Was macht eine Podiumsdiskussion an einem Freitagnachmittag zu einem Publikumsmagneten? In Bayern – Edmund Stoiber, auch wenn er seit mittlerweile fünf Jahren das a.D. hinter dem Titel des Ministerpräsidenten trägt. Der Saal war voll, das Medienaufgebot groß, als es zum Abschluss der Münchner Medientage im Contentgipfel um die Verantwortung und die Glaubwürdigkeit der Medien ging. Und das Publikum bekam, was es vielleicht gar nicht erwartet hatte. Natürlich, viele Zuhörer haben sicher die eine oder andere News erwartet, zur ZDF-Affäre des CSU-Sprechers Michael Strepp etwa. Doch Stoiber, der bekanntlich Erfahrung darin mitbringt, missverstanden zu werden, äußert sich diplomatisch: „Selbst wenn ich schon lange kein Ministerpräsident mehr bin, ist das jetzt eine Situation, in der man seine Worte sehr sehr genau wählen muss.“ Er wählt sie, in dem er dem Intendanten des ZDF, Thomas Bellut, Recht gibt in dessen Meinung, es müsse ein Blackout des Parteisprechers gewesen sein.

Noch zurückhaltender bleibt ZDF-Chefredakteur Peter Frey. Die öffentliche Diskussion um den Versuch Strepps, einen TV-Bericht über die SPD zu verhindern, sei eine „Lehrstunde über die Empörungsdemokratie“. Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen, hatte letztere in seinem einleitenden Vortrag als neue Form der Mediendemokratie in der digitalen Welt bezeichnet. Laut Frey habe das ZDF die Geschichte des CSU-Pressemanns nicht hochgekocht, man habe Strepp lediglich darum gebeten, klarzustellen, warum er in der „Heute“-Redaktion angerufen habe. Dann habe die Geschichte ihren Lauf genommen.

Die Einigkeit in der Nichtsaussage war jedoch schnell vorbei, als durch eine Nachfrage von Moderator Volker Lilienthal, Inhaber der Rudolf-Augstein,Stiftungsprofessur für Praxis des Qualitätsjournalismus an der Universität Hamburg, plötzlich über den früheren ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender gesprochen wurde. Freys Vorgänger musste im Jahr 2009 offiziell wegen der schwachen Quoten der Nachrichtensendungen seinen Posten räumen. Stoiber und sein hessischer Parteikollege Roland Koch hatten sich danach allerdings den Vorwurf einer parteipolitischen Machtdemonstration gefallen lassen müssen.

Und der kommt, genau wie die Emotionen, noch immer an die Oberfläche. „Dass Sie immer wieder mit dieser Geschichte daher kommen, finde ich unmöglich. Dagegen wehre ich mich. Es hat zu keiner Zeit eine politische Einflussnahme gegeben“, sagte Stoiber. Alles, was bei der damaligen Entscheidung gezählt habe, war die fachliche Qualifikation des Nachfolgers, also der von Frey. Der wiederum erinnerte den damaligen Landeschef, dass die Kriterien für qualitatives Arbeiten erst nach Brenders erster Vertragsverlängerung neu festgesetzt worden waren. Bevor Moderator Lilienthal letztlich wieder zu Wort kam und den Streit durch Themenwechsel beenden konnte, das letzte Wort, von Stoiber: „Ich weiß gar nicht, was Sie haben? Ich habe Sie doch sogar gewählt!“ kl
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