Social Media-Kampagne: Frieren für den guten Zweck

Dienstag, 18. Dezember 2012
Die Resonanz der Kampagne ist schon nach einer Woche reisig.
Die Resonanz der Kampagne ist schon nach einer Woche reisig.

Für die einen bedeutet Winter Glühwein, Weihnachtsmusik und Kerzen im wonnig warmen Zuhause. Für die anderen ist der Winter ein Kampf ums Überleben. Bei zweistelligen Minusgraden, die auch hierzulande in den letzten Jahren erreicht wurden, stehen Obdachlose jeden Tag am Rande des Erfrierens. Mit einem viralen Werbefilm und einer aufsehenerregenden Fotoaktion macht die Internetwerbekampagne "Was heißt frieren?" auf das Schicksal dieser Menschen aufmerksam. Mit einer spontanen Idee ging alles los: wärhend im winterlichen Berlin Schneetreiben und Minusgrade herrschten, kam den Berliner Werbern Daniel Koller, Armin Hertel und Henning Schulze die Idee, auf ihren Facebook-Profilfotos für den Kältebus der Berliner Stadtmission zu werben. Die Einrichtung versorgt Obdachlose in der Winterkälte mit heißen Getränken, Decken und Schlafsäcken oder bringt sie in soziale Einrichtungen. Den Bus kann man dafür per Telefon zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen. Koller und seine Kollegen rufen über Facebook zu einer Fotoaktion (Kamera/Regie: Gabriel Glaeser/Melanie Grams) auf. Rund 40 Menschen kamen dafür am Sonntag vor einer Woche an den Hackeschen Markt in Berlin und setzten sich für ein paar Minuten so dem Berliner Winter aus, wie Obdachlose es jeden Tag müssen: unzureichend oder teilweise unbekleidet, mit Schnee und Eis in Haaren und Bärten standen  sie in der Kälte. Jeder einzelne wurde dabei fotografiert, auf Brusthöhe hielten sie alle ein Papier mit der Nummer des Kältebusses in der Hand.

Die Fotos wurden später zu  Profilbildern auf Facebook und auf der Landingpage der Kampagne "Was heißt frieren?" genutzt. "Profilbilder sind virtuelle Visitenkarten, mit denen wir unser Erscheinungsbild und oftmals unseren emotionalen Zustand kommunizieren. So zieht fast jede Profiländerung die Klicks unserer virtuellen Freunde magisch an", erklären Koller und Hertel.

Die Aktion der drei Berliner fing sofort Feuer: Innerhalb einer Woche fand die Idee mehr als 600 Unterstützer auf Facebook. Der Youtube-Film, in dem Koller für einen halben Tag in die Rolle eines frierenden Obdachlosen schlüpfte, wurde schon mehr als 4.200 Mal angeschaut. Die Besucherzahlen beider Kampagnen-Plattformen steigen stetig, bei einer zweiten Fotoaktion am vergangenen Sonntag ließen sich erneut mehr als 30 Menschen für den guten Zweck fotografieren und die Aktion findet ihren Weg in verschiedene Zeitungen. Auch ADC-Mitglied Raban Ruddigkeit unterstützt das Projekt mit einer Ausstellung der Motive, die bis zum Jahresende bei Republic Print & Publishing in Berlin gezeigt werden.

Die so geschaffene Aufmerksamkeit und Plattform auf Facebook soll Basis sein für weitere geplante Maßnahmen, erklären die Initiatoren. Unter anderem soll die Kampagne auch durch klassiche Medien ziehen. Hierfür befindet sich das Team auch auf der Suche nach Medienpartnern. hor
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