Smarter Deal: Was ein Whatsapp-Kauf durch Facebook bedeuten könnte

Montag, 03. Dezember 2012
Facebook nimmt Whatsapp ins Visier
Facebook nimmt Whatsapp ins Visier

Es könnte nach dem Instagram-Kauf der zweite Mega-Deal von Facebook werden: Wie der US-Blog "Techcrunch" berichtet, hat das soziale Netzwerk Interesse an dem Kurznachrichtendienst Whatsapp. Facebook könnte damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Man würde nicht nur einen potenziellen Konkurrenten schlucken - es stünden auch neue Möglichkeiten zur mobilen Werbeauslieferung zur Verfügung. Whatsapp wird heute in über 100 Ländern genutzt, und bereits im vergangenen Oktober wurden über Whatsapp nach Unternehmensangaben etwa eine Milliarde Nachrichten am Tag verschickt. Die Anwendung ist somit - wie zuvor bereits Instagram - ein gutes Beispiel dafür, wie stark Unternehmen mit einer funktionierenden Mobile-Strategie wachsen können. Und hier kommt Facebook ins Spiel. Denn der Mobile-Bereich galt lange als die Achillesferse des sozialen Netzwerks, gleichwohl hat CEO Mark Zuckerberg das Problem erkannt und Mobile zum Key-Factor für die künftige Unternehmensperformance erkoren.

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Abgesehen von allen Chancen liegen im Mobile-Bereich allerdings auch die größten Bedrohungen für Facebook, findet Unternehmensberater und Mobile-Experte Mark Wächter: "Denn Whatsapp ist mit seiner Gruppenchat-Funktion de facto ein mobiles, soziales Netzwerk. Der Whatsapp-Flirt hört sich deswegen nach einem smarten Deal an: Man wird einen lästigen Konkurrenten los und optimiert gleichzeitig seine Mobile Strategie."

Verkompliziert wird die Sache jedoch dadurch, dass der Kurznachrichtendienst ein anderes Geschäftsmodell verfolgt als das soziale Netzwerk: Während Facebook zunehmend auf Werbung setzt, muss der User für Whatsapp bezahlen; im App-Store kostet die Anwendung 89 Cent, Besitzer eines Android-Gerätes zahlen nach einem Jahr etwa den gleichen Betrag. Und Werbung - ergo Nutzerdaten - soll auch künftig keine Rolle bei Whatsapp spielen: Man sei schlicht und einfach nicht interessiert an Nutzerdaten, schreibt Whatsapp-Co-Gründer Jan Koum im unternehmenseigenen Blog.

Mobile-Experte Mark Wächter
Mobile-Experte Mark Wächter
Für Facebook wäre der stark wachsende Nachrichtendienst jedoch die perfekte Plattform, um auch den mobilen User mit Werbung zu erreichen, glaubt Wächter: "Um im Mobile-Bereich Geld zu verdienen, würde der Kauf von Whatsapp für Facebook Sinn machen. Denn in Wachstumsmärkten – besonders in Asien – ist textbasierte Werbung über Messaging-Dienste eine Killer-Anwendung." Weniger begeistert dürften die Nutzer von einer Liaison zwischen den beiden Social-Giganten sein: "Wenn Facebook Whatsapp kauft, kommen in punkto Datenschutz zwei Einäugige zusammen. Zwangszugriffe auf komplette Adressbücher und mangelnde Sicherheit bei der Nachrichtenübermittlung bekämen in einem Facebook-Szenario noch einmal eine ganz neue Dimension", schätzt Wächter.

"Techcrunch" beruft sich in seiner Meldung auf mit der Sache vertraute Kreise. Wie weit die Gespräche zwischen Facebook und Whatsapp gediehen sind und welcher Kaufpreis verhandelt wird, ist noch nicht bekannt. ire
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