Sky wächst und will 2011 rund 300.000 Abonnenten gewinnen

Freitag, 12. August 2011
CEO Sullivan kommt bei der Sanierung voran
CEO Sullivan kommt bei der Sanierung voran

Die Sanierung des defizitären Pay-TV-Betreibers Sky Deutschland kommt voran. Erstmals seit seinem Amtsantritt vergangenes Jahr gibt CEO Brian Sullivan wieder einen Ausblick für das Abowachstum. Für das Gesamtjahr 2011 erwartet er ein Nettoplus bei den Abonnentenzahlen von 300.000. Zum 31. Dezember 2010 zählte Sky 2,653 Millionen zahlende Kunden. Mit dem prognostizierten Zuwachs in diesem Jahr würde Sky dem Break-Even deutlich näher kommen. Zuletzt galt die Marke von rund 3 Millionen Abonnenten als notwendig, um nach 20 Jahren Firmengeschichte endlich in die schwarzen Zahlen zu kommen. Für 2011 erwartet Sky allerdings weiter einen operativen Verlust. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll zwischen minus 145 Millionen bis minus 175 Millionen Euro liegen. 2010 betrug der operative Verlust noch 268,6 Millionen Euro. Im 2. Quartal lag der Verlust bei 23,4 Millionen Euro. 

"Ebitda-Break-Even ist am Horizont sichtbar", sagte Sullivan vor Journalisten, wollte jedoch keine konkreten Angaben dazu machen, ob das Ziel 2012 erreichbar sein kann. Analystin Sonia Rabussier von Sal. Oppenheim rechnet damit, dass die schwarzen Zahlen nicht vor 2013 in Sicht kommen. Wie sich das Ergebnis entwickelt, dürfte auch davon abhängen, wie die Verhandlungen zu den Bundesliga-Rechte verlaufen und wie Mehrheitseigner Rupert Murdoch, der den Sender bereits mit mehreren Kapitalerhöhungen unterstützt hat, weiter agiert.

Zum 30. Juni weist Sky 2,759 Millionen Kunden aus. Das sind 33.000 mehr als im Vorjahresquartal. Insgesamt zählt Sky im 1. Halbjahr netto 106.000 neue Abos. Das Geschäft, das in den vergangenen Jahren in Deutschland unberechenbar verlief, ist jedoch zyklisch. In den Wintermonaten mit wenig Sonnenstunden am Tag steigt die TV-Nutzungsdauer und damit auch das Interesse an Pay-TV. In warmen Sommermonaten geht es zurück. Entscheidend ist der Verlauf des 4. Quartals, in das auch das wichtige Weihnachtsgeschäft fällt.

Der Umsatz ist im 2. Quartal um 17 Prozent auf 276,7 Millionen Euro gestiegen. Dabei wirken sich nicht nur die gestiegenen Abozahlen aus, sondern auch der ebenfalls stetig steigende Pro-Kopf-Umsatz der Abonnenten (ARPU). Dieser lag nun bei 30,69 Euro.

Die Kündigungsquote ist weiter zurückgegangen und liegt nun bei 9,4 Prozent im 2. Quartal. Die rollierende Zwölf-Monats-Kündigungsquote beträgt noch 12,4 Prozent. Sullivan ist zuversichtlich, diese bis Jahresende auf unter 12 Prozent drücken zu können. Das sind laut Unternehmen in beiden Fällen die niedrigsten Werte seit fast sechs Jahren.

"Diese soliden Ergebnisse bestärken mein Vertrauen in die Fähigkeit, ein erfolgreiches Pay-TV-Geschäft aufzubauen", sagt Sullivan. Der gebürtige Amerikaner, der BSkyB in Großbritannien groß gemacht hat, das ebenso wie Sky zu Rupert Murdochs derzeit wegen des Abhörskandals bei "News of the World" umstrittener News Corp gehört, war anfangs überrascht über die große Skepsis, die deutsche Analysten und Beobachter Pay-TV entgegenbringen. Bislang ist Bezahlfernsehen in Deutschland ein Verlustgeschäft. Die starke Free-TV-Konkurrenz galt stets als Grund dafür, dass die Zahlungsbereitschaft der Deutschen für Fernsehen zu gering ist, um mit Bezahlfernsehen erfolgreich zu sein. Ein Argument, das Sullivan angesichts der Free-TV-Konkurrenz in Großbritannien, aber der dortigen Erfolge nicht gelten lassen will.

Sullivans Strategie ist eine der vielen kleinen Schritte. Er versucht den Abonnenten permanent neue Angebote zu offerieren, die das Pay- vom Free-TV differenzieren. So hat der das HD-Portfolio schnell aufgebaut. Mit Sky Sport HD Extra, Nat Geo Wild HD und Fox HD wächst das Angebot auf über 30 hochauflösende Sender und es soll noch weiter steigen. Sky Anytime wird noch diesen Monat ein kostenloser On-Demand-Service für Sky+-Kunden, mit dem sie ihre Programme sehen können, wann immer sie wollen. Neue Inhalte werden automatisch über Nacht auf die Sky+-Receiver der Kunden geladen.

Zudem startet in Kürze ein neuer elektronischer Programmführer Sky Guide. "Damit bieten wir unseren Kunden weitere Gründe, sich für da Angebot von Sky zu entscheiden", sagt Sullivan. Auch der Service Sky Go wird erweitert. Er ermöglicht es, das Angebot auf allen verfügbaren Kanälen zu sehen - demnächst auch auf dem iPad. pap
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