Sky schreibt trotz Umbau auch 2009 hohe Verluste

Donnerstag, 25. Februar 2010
Williams kann die Abonenntenzahl nur langsam steigern
Williams kann die Abonenntenzahl nur langsam steigern

Der große Turn-Around beim Abo-Sender Sky läßt weiter auf sich warten. Trotz einer der größten Werbekampagnen im 2. Halbjahr 2009 ist die Abonnentenzahl im Vorjahresvergleich netto um gerade mal 71.000 gestiegen und liegt nun bei 2,47 Millionen. Um den tiefroten Pay-TV-Anbieter bis Jahresende in die schwarzen Zahlen zu führen hat der scheidende Vorstandsvorsitzende Mark Williams im November jedoch zwischen 2,8 und 3 Millionen Abonnenten veranschlagt. Um die fehlenden mindestens 330.000 Abonnenten doch noch zu bekommen, will der CEO das Geld aus der Kapitalerhöhung vom Januar nun in weitere Werbe- und Marketingaktivitäten stecken. "Im Fokus unserer Strategie stehen die Beschleunigung des Abonnentenwachstums und das Erreichen nachhaltiger Profitabilität", so Williams. Er sei zwar "nicht desillusioniert, aber enttäuscht", dass es länger dauert als gehofft, die neue Preis- und Paketstruktur zu etablieren, die Sky Juli 2009 eingeführt hat. "Ich glaube jedoch, dass Sky in Deutschland und Österreich eine glänzende Zukunft hat", sagt Williams vor Journalisten zum Abschied.

Am 1. April übernimmt Brian Sullivan das Ruder bei Sky, der wie Willliams schon lange für Rupert Murdochs News Corp arbeitet, die mittlerweile bei Sky das Sagen hat. Die Aufgabe Sky zu sanieren, ist und bleibt ambitioniert. Für 2009 weist der Münchner Bezahlsender, der seit seinem Bestehen nur einmal schwarze Zahlen geschrieben hat, einen Verlust von sagenhaften 676,5 Millionen Euro aus - bei einem Umsatz von gerade mal 902,1 Millionen Euro (2008: 941,1 Millionen Euro). Auch das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) hat sich deutlich verschlechtert: Es liegt bei 262,7 Millionen Euro - nach 57 Millionen Euro im Vorjahr. Vor allem hohe Programmkosten für die Bundesligarechte und den Vertireb verhageln das  Ergebnis. Auch die Abschreibungen auf den Markennamen Premiere, den Sky bis 3. Juli 2009 geführt hat, schlagen zu Buche - mit rund 250 Millionen Euro.

Ein wenig Hoffnung auf eine Erholung macht die Entwicklung im 4. Quartal 2009. Zwar fiel allein in den letzten 3 Monaten des vergangenen Jahres ein operativer Verlust von 81,6 Millionen Euro an - der Fehlbetrag ist beinahe doppelt so hoch wie im 4. Quartal 2008, als Sky 44,5 Millionen Euro Miese machte. Der tatsächliche Verlust liegt jedoch mit 114 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Auch die Nettofinanzverbindlichkeiten sind mit 162,4 Millionen Euro (Stand 31. Dezember 2009) auf einem Niveau, dass Sky Luft verschafft. 

Zudem ist der Programm ARPU - der monatliche Umsatz pro Abonnent - weiter gestiegen und zwar von 23,86 Euro im 4. Quartal 2008 auf nunmehr 27,45 Euro. Dies dürfte eine Folge des veränderten Sky-Angebots sein. Seit Juli können Interessierte spezielle Pakete wie das Zugpferd Sky Bundesliga nur noch abonnieren, wenn sie bereits das Basisangebot Sky Welt haben, das knapp 17 Euro im Monat kostet. Alle anderen Pakete können nur zusätzlich zu Sky Welt abonniert werden.

Laut Williams Ende 2008 ausgetüftelten Sanierungsplan soll Sky bis zum 4. Quartal 2010 in die schwarzen Zaheln kommen und ab 2011 durchweg profitabel sein. Der CEO hatte im Dezember jedoch bereits angekündigt, dass der Plan möglicherweise doch "zu ambitoniert" gewesen sei. Viele Experten glauben jedoch, dass Pay-TV auch mit dem veränderten Konzept in Deutschland wenig Chancen hat, weil das Angebot an Free-TV-Sendern im Vergleich zu anderen Ländern so hoch ist.  pap
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