Selbstbewusst gegen die Krise: „Stern"-Geschäftsführer Thomas Lindner erhöht die Preise

Donnerstag, 16. April 2009
"Stern"-Chef Thomas Lindner erhöht den Copypreis
"Stern"-Chef Thomas Lindner erhöht den Copypreis

Gruner + Jahrs Zeitschriften-Flaggschiff „Stern" forciert seinen Premium-Kurs. „Wir haben uns beim Stern für eine umfassende Qualitätsstrategie mitsamt redaktionellem Upgrading in Richtung gehobene Zielgruppen entschieden", sagt Thomas Lindner, seit Herbst Geschäftsführer der G+J-Verlagsgruppe Stern/Geo/Art, im Exklusivinterview mit HORIZONT. „Das sehen wir als Voraussetzung dafür, unsere Anzeigen- und Copypreise leistungsgerecht anpassen zu können", so Lindner in seinem ersten Auftritt in dieser Funktion. Den Worten lässt er erste Taten folgen: „Demnächst" wird er den Copypreis des „Stern" von 3 Euro auf 3,20 Euro erhöhen. Bereits im April zeigt das Magazin ein verändertes Layout mit „hochwertigen Akzenten" (Lindner) des neuen Art Directors Donald Schneider. Auch beim Ableger „Neon" (bisher: 3,30 Euro) denkt Lindner über höhere Copypreise nach: „Mut macht uns die Tatsache, dass die Neon-Verkäufe bisher noch nach jeder Preisanpassung im Ergebnis weiter gestiegen sind. Diesen Mechanismus möchten wir gerne noch einmal bemühen."

Exklusiv-Geschichte

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Das Exklusivinterview mit dem neuen „Stern"-Geschäftsführer lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 16/2009, die am Donnerstag dieser Woche erscheint.

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Dennoch leidet auch die „Stern"-Gruppe unter der Wirtschafts- und Werbekrise. „Wir müssen die Gesamtverfassung unserer Geschäfte ein Stück weit hinterfragen und auch unangenehme Veränderungen sehen und entsprechend handeln", sagt Lindner. Viel Arbeit wartet auch im Internet: Mit einer monatlichen Reichweite von 2 Millionen Nutzern liegt Stern.de abgeschlagen hinter fast allen Konkurrenten. „Wir sind Online noch nicht dort, wo wir hingehören", sagt Lindner. Das bisher defizitäre Portal plant etliche Veränderungen, etwa einen optischen Relaunch im Sommer. Damit soll Stern.de „die bildstärkste News-Site" werden.

Zu „Geo", „Neon", dem neuen Magazin „Nido" und anderen „Stern"-Ablegern äußert sich Lindner hier exklusiv in HORIZONT.NET. Zum Exklusivinterview.

„Auch Geo spürt die Werbezurückhaltung der Unternehmen"

Thomas Lindner
Thomas Lindner
In dieser Woche erblickt „Nido", ein Lebensgefühl-Magazin für stilbewusste junge Eltern, das Licht der Welt - zunächst als Markttest. Doch kann ein solcher in einem Jahr wie diesem überhaupt aussagekräftige Resultate liefern?

Thomas Lindner: Das erste Resultat haben wir bereits mit über 24 bezahlten Anzeigenseiten! Das zeigt den großen Vertrauensvorschuss, den unsere Marktpartner und auch G+J ins Produkt und seine Macher aus dem „Neon"-Team investieren.

Die „Süddeutsche Zeitung" hat ihr ähnliches Projekt „Wir" nach nur einem Versuch aufgegeben. Sind Sie erleichtert, weil Sie diese Marktnische nun für sich alleine haben? Oder werten Sie es als schlechtes Omen für „Nido"?

Lindner: Weder noch. Wir haben einfach das bessere Produkt. „Nido" ist kein Schnellschuss, sondern nach dreijähriger Entwicklungsarbeit entstanden. Und G+J ist ein Zeitschriftenhaus mit viel Erfahrung bei hochwertigen Magazinen.

Zum Beispiel mit „Geo". Ist die Titelgruppe immer noch Ihr Rendite-Juwel?

Lindner: Die gesamte „Geo"-Gruppe ist hoch profitabel und verfügt bei Premium-Copypreisen über eine stabile Leser-Blatt-Bindung. Das Anzeigengeschäft zeigt derzeit - wie das vieler vergleichbarer Magazine anderer Häuser - leider nicht die Verfassung, die wir uns wünschen. „Geo" gehört zu den wichtigsten Trägern für Imagewerbung. Daher spürt der Titel hier die derzeitige Zurückhaltung der Unternehmen.

Der „Spiegel" startet neue Line Extensions zu den Themen Wissen und Geschichte. Hat sich Ove Saffe da von dem ihm noch wohlbekannten Erfolg der entsprechenden „Geo"-Ableger inspirieren lassen?

Lindner: Von meinen Kollegen bei „Geo" habe ich gehört, dass sie sich in den neuen „Spiegel"-Produkten durchaus hier und da wiedererkennen. Aber natürlich wird es so gewesen sein, dass diese Pläne beim „Spiegel" längst in der Schublade steckten - Ove Saffe wusste eben genau, in welcher!

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Thomas Lindner
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Wann hat Ihr Erfolgsheft „Neon" seine Auflagen-Flughöhe erreicht? Und wann erhöhen Sie auch hier den Copypreis?

Lindner: Über einen solchen Schritt denken wir nach. Mut macht uns die Tatsache, dass die „Neon"-Verkäufe bisher noch nach jeder Preisanpassung  im Ergebnis weiter gestiegen sind. Diesen Mechanismus möchten wir gerne noch einmal bemühen. Und über Auflagen-Schallmauern denken wir nicht nach. Im 1. Quartal 2009 betrug die „Neon"-Auflage 226.381 Hefte.

Und „View"? Ist der Titel nach mehreren Relaunches jetzt am Ziel?

Lindner: Das Heft macht uns schon viel Spaß. Die Auflage steigt, begeistert sind insbesondere junge Leser. Aber der Titel hat noch mehr Potential. Ab Mai gibt es eine Kooperation mit dem Pro-Sieben-Format „Galileo Big Pictures", bei dem es um berühmte Fotos und die Geschichte dahinter geht. Das passt genau zu „View" und bringt der Marke größere Bekanntheit.

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Eine Heftkritik zur ersten „Nido"-Ausgabe lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 16/2009, die am Donnerstag dieser Woche erscheint.

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Schließlich noch das „Ebay-Magazin". Lohnt sich das Projekt jetzt, nachdem Sie es aus dem Einzelverkauf genommen haben und als Quasi-Kundenmagazin produzieren, mehr als früher?

Lindner: Das „Ebay-Magazin" ist nach wie vor kein Kundenmagazin, sondern redaktionell unabhängig. Wir haben keine Remission mehr. Damit hat es für uns an Rentabilität gewonnen. Interview: Roland Pimpl
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