Sebastian Turner gibt den Anti-Wulff

Donnerstag, 08. März 2012
Kandidat für die OB-Kandidatur in Stuttgart: Sebastian Turner
Kandidat für die OB-Kandidatur in Stuttgart: Sebastian Turner

Ex-Werber Sebastian Turner kokettiert gerne mit seiner vermeintlichen Unscheinbarkeit. Das tut er auch jetzt wieder, wo er sich als unabhängiger Kandidat für die CDU um das Amt des Oberbürgermeisters in Stuttgart bewerben will. In einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" gibt er sich bodenständig und als "Anti-Wullff". Auf die Frage, ob er keine Sorge habe, dass sein Leben von Journalisten durchforstet wird, sagt Turner: "Machen Sie mir dann aber bitte keine Vorwürfe, wenn Sie sich etwas langweilen. Sie finden zuletzt Weihnachtstage im Haus der Schwiegereltern - nicht in Südfrankreich, sondern im Nordschwarzwald." Auch bei anderen Punkten zeigt sich Turner gewohnt schlagfertig. Auf die Frage, ob es einen Wettbewerb zwischen ihm und seinem ehemaligen Partner Thomas Heilmann (seit kurzem Justizsenator in Berlin) um Ämter in der Politik gebe, antwortet der 45-Jährige: "Ja, der neue Senat von Berlin und die Stuttgarter OB-Sucher haben sich da ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert."

Für die Führung einer Großstadt hält sich Turner nicht zuletzt wegen seiner Erfahrung als Unternehmer geeignet. "Eine Stadt ist ein großes Dienstleistungsunternehmen mit Monopolstellung. Monopolunternehmen sind einfacher zu führen als Unternehmen im Wettbewerb", sagt der Ex-Chef der Werbeagenturgruppe Scholz & Friends. Außerdem habe ein Unternehmerblick noch weitere Vorteile: "Wenn man mit dem Steuergeld so umsichtig umgeht, als wäre es sein eigenes, dann freut sich auch der Rechnungshof."

Vor der volkstümlichen Seite, die man als Oberbürgermeister hier und da zeigen muss, scheut sich der als Intellektueller geltendende Turner offenbar nicht: "Was meinen Sie, was ein Unternehmer mit vielen Hundert Mitarbeitern bei einer Weihnachtsfeier macht? Da lesen Sie nicht Hölderlin vor, wenn die Hütte in Stimmung kommen soll."

Als eine der wichtigsten Aufgaben für den kommenden Oberbürgermeister in Stuttgart gilt, die Stadt nach dem Gezänk um Stuttgart 21 zu befrieden. Hier hat Turner, der als PR-Berater für das Bahnhofsprojekt tätig war, eine klare Meinung: "Die Gegner sind nicht zu versöhnen, indem wir uns alle an den Händen fassen und erbauliche Lieder singen. Das geht am besten über eine gemeinsame Aufgabe."

Die Entscheidung, wer für die CDU als Kandidat für die OB-Wahlen antritt, fällt am 17. März durch eine Mitgliederbefragung. Gegenkandidat von Turner ist der frühere Arbeits- und Sozialminister von Baden-Württemberg Andreas Renner. mam   
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