"Season" im HORIZONT-Check: Zu wenig Frühling, dafür umso mehr Shopping

Dienstag, 28. Februar 2012
Noch eine Frauenzeitschrift: "Season" von Gruner+Jahr
Noch eine Frauenzeitschrift: "Season" von Gruner+Jahr

Mit "Season" bringt Gruner + Jahr eine weitere Frauenzeitschrift in das schon recht volle Segment ein, das sich derzeit vor Neugründungen kaum retten kann. So viel Neues ist dann aber in dem 220-Seiten-starken Blatt, das an "Brigitte" erinnert, nicht zu finden. Positiv sticht jedoch das reduzierte Layout hervor - und die Möglichkeit, alle vorgestellten Artikel direkt online zu kaufen.

Die Fakten

Im Gegensatz zu vielen anderen Neuerscheinungen ist "Season" nicht als Versuchsballon mit Option zur Verlängerung angelegt, sondern erscheint von Anfang an im Zwei-Monats-Rhythmus - das nächste Heft wird ab dem 18. April am Kiosk liegen. Zielgruppe sind Frauen zwischen 29 und 49 Jahren, die "das Wichtige von dem Unwichtigen unterscheiden", so der Verlag.

Die erste Ausgabe kostet 2,00 Euro, ist 220 Seiten dick und erscheint in einer Druckauflage von 350.000 Exemplaren. Für die kommenden Ausgaben soll die Druckauflage laut Factsheet des Verlags bei 300.000 Exemplaren liegen, der Copypreis soll auf 3,50 Euro steigen. Für eine einseitige Anzeige müssen Kunden 14.900 Euro bezahlen. In der ersten Ausgabe werben unter anderem Modelabels wie Missoni und Guess, Kosmetikmarken wie Nivea und Biotherm sowie Unternehmen wie Henkel (Persil), Douglas und Alessi.

Inhalt und Layout

Season ist ein "Heft für Frauen, die Spaß am Wesentlichen haben". Es ist eine "Geheimwaffe gegen das Zuviel", "fokussiert, konkret und auf den Punkt", "unabhängig von flüchtigen Trends" mit einem "starken saisonalen Bezug in allen Themenbereichen". So zumindest beschreibt Entwicklungsredakteurin Bettina Wündrich die Zeitschrift im Factsheet des Verlags.

Mit dem Artikel zum "Osterbrunch" kommt doch noch Frühlingsstimmung auf
Mit dem Artikel zum "Osterbrunch" kommt doch noch Frühlingsstimmung auf

Das Cover erinnert mit seinen kleinteiligen Motiven, die wenig inspiriert wirken, eher an einen Katalog als an eine Frauenzeitschrift. Positiv überrascht hingegen das Layout im Inneren: Während die letzte G+J-Neugründung "Couch" beinahe schon reizüberflutend voll mit Bildern war, hat "Season" Mut zum Weißraum - eine angenehme Abwechslung für Auge und Geist.

Die Themenmischung hingegen überrascht wenig: Der erste Teil des Heftes zeigt unter dem Titel "Schön zu haben" in einer bunten Must-Have-Produktpalette die Frühlingstrends: Sonnenbrille, dekorierte Nägel, Trainingsschuhe. Unter der Oberrubrik "In Season" wird dann das übliche Frauenzeitschriften-Repertoire von Mode über Schönheit, Gesundheit und Kochen bis hin zu Wohnen, Job, Geld und Reise abgehandelt. Hier ist "Season" ganz nah dran an einem anderen Titel aus dem Hause G+J: Der guten, alten "Brigitte". Überhaupt könnte wahrscheinlich jede Geschichte aus der Neugründung auch im etablierten Magazin stehen.

Viel Farbe auf viel Weiß - so machen Accessoires Spaß
Viel Farbe auf viel Weiß - so machen Accessoires Spaß
Von der Spezialisierung auf die aktuelle Saison, die der Titel verspricht, ist im Blatt insgesamt nicht genug zu spüren, denn was bitte ist an Anlagetipps für grüne Investments, Vätern in Elternzeit oder schnellem Gemüsecurry so frühlingshaft? Und dass sich Frauenzeitschriften im März mit sommerlicher Mode und dem Kampf gegen die Winterpfunde beschäftigen, ist sicherlich kein Alleinstellungsmerkmal.

Unter dem Themenschwerpunkt "Machen Sie Ihr Leben bunter" wird das Blatt dann allerdings seinem Titel doch noch ein wenig gerecht: Bunte Business-Looks und Accessoires sowie ein Artikel zum Osterbrunch mit Rezepten und Dekotipps wie der gefalteten Hasen-Serviette sollen auf den Frühling abzielen, was auch gut gelingt.

Konkurrenzsituation

"Season" trifft auf eine harte Konkurrenz, denn der Markt für Frauenzeitschriften boomt gerade: Burdas "Cover" darf in Serie gehen, ebenso wie "Couch" (G+J). Im April startet dann "Hot" (MVG) und Klambt legt im August mit "Flair" nach. Zudem sind im vergangenen Jahr zahlreiche Spezialtitel wie "Sensa" (Panini), "Freundin Donna" (Burda), "Happinez" (Bauer Media), "Mamy's Place" (Vikant Publishing Verlag), "Mum" (Luna Media) und "Women's Health" (Rodale Motor Presse) gestartet, die sich an beispielsweise Frauen richten, die über 45 sind, Interesse an Esoterik haben oder gerade Mutter geworden sind. Außerdem liegen weiterhin etablierte Titel wie "Brigitte", "Freundin", "Glamour" und "Cosmopolitan" am Kiosk, die bereits eine treue Leserschaft haben. Um sich zu behaupten, braucht "Season" also ein klares Alleinstellungsmerkmal - und hier hapert es noch ein wenig.

Das Shoppingportal Season.de

Hier könnte die Onlinestrategie dem Printprodukt zu Hilfe kommen. Der Clou: Wer Season.de besucht, findet dort nicht etwa redaktionelle Inhalte aus oder ergänzend zum Heft, sondern stattdessen den "Shop zum Heft", der auch im Blatt kräftig angepriesen wird.  Aufgeteilt in die Ressorts Bestseller, Mode, Schönheit, Wohnen, Kochen, Gesundheit, Job & Geld und Reisen können die Leserinnen online vom Etuikleid für 825 Euro über Brunnenkresse für 79 Cent bis hin zum Goldschmiedekurs auf Mallorca alles nötige und unnötige kaufen - allerdings nicht direkt auf Season.de, sondern bei Händlern wie Amazon, Mytheresa oder Markanto, auf deren Websites verwiesen wird. Damit positioniert sich "Season" quasi als redaktioneller Katalog - ein schlauer Schachzug, da so der ein oder andere Euro für die Vermittlung neuer Kunden bei Gruner+Jahr ankommen dürfte und die Leserinnen nicht lange nach Produkten suchen müssen, die ihnen gefallen.

Was im Heft gefällt, kann online direkt gekauft werden
Was im Heft gefällt, kann online direkt gekauft werden

Fazit

Die Themenmischung ist altbekannt, aber dennoch gelungen. Das Versprechen, das "Season" mit seinem Titel gibt, kann das Magazin insgesamt leider nicht ganz einlösen: Zwar finden sich einige Frühlingsthemen, allerdings auch nicht mehr als in der Märzausgabe jeder anderen Frauenzeitschrift. Hier besteht noch Nachholbedarf. Optisch ist "Season" jedoch dank der klaren Struktur eine echte Überraschung und daher angenehm zu lesen.

Ein Pluspunkt ist  die - durchaus sinnvolle - Verknüpfung von Zeitschrift und Online-Shoppingportal, das auch den Anzeigenkunden zu gefallen scheint, die bereits in der Erstausgabe fleißig werben. Doch spätestens, wenn MVG mit "Hot", das der Verlag als "Symbiose aus einem Inspirations-Magazin und einer Online-Luxus-Shopping-Mall" anpreist, ein ähnliches Konzept auf den Markt bringt, dürfte sich die sowieso schon harte Konkurrenzsituation noch weiter verschärfen. Und dann muss sich zeigen, ob "Season" einzigartig genug ist, um sich langfristig eine treue Lesergruppe aufzubauen. sw
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