Schulz-Isenbeck zur "FTD"-Kritik: "Das sehen wir nicht als Schelte"

Donnerstag, 04. November 2010
Tobias Schulz-Isenbeck
Tobias Schulz-Isenbeck

Tobias Schulz-Isenbeck, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Handelsblatt (VHB), verteidigt die Kritik seines Unternehmens an dem Gruner+Jahr-Rivalen "Financial Times Deutschland" (FTD). "Diese Einschätzungen sehen wir nicht als Schelte an, sondern der Verleger [Anmerkung der Redaktion: Dieter von Holtzbrinck] hat sich auf Nachfragen und vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen zu einem Wettbewerber geäußert", antwortet der Manager schriftlich auf Anfrage von HORIZONT. Allerdings geht er bei seiner Stellungnahme nicht auf die Äußerungen des „Handelsblatt"-Chefredakteurs Gabor Steingart ein. Dieser hat bei der Präsentation der Verlagsgruppe gesagt: "Es ist kein Segen, wenn unrentable Objekte mitgeschleppt werden." Dass der Titel noch auf dem Markt sei, resultiere aus einer "konzerninternen Planwirtschaft", schließlich werde der Titel seit dem ersten Tag subventioniert. Außerdem lässt Schulz-Isenbeck die offenbar falsche Aussage von Dieter von Holtzbrinck zum angeblichen Auslaufen der "FTD"-Lizenz außen vor, was Gruner + Jahr bereits dementiert hat. bn

"Diese Einschätzungen sehen wir nicht als Schelte"

Bei der Präsentation am vergangenen Mittwoch wurde deutliche Kritik am Rivalen "FTD" geübt. Warum hat das "Handelsblatt" eine solche Konkurrenten-Schelte nötig?
Schulz-Isenbeck: Dieter von Holtzbrinck hat auf Nachfrage zwei wesentliche Punkte zur Financial Times Deutschland angesprochen: Erstens die Tatsache, dass die Financial Times Deutschland aus seiner Sicht aus eigener Kraft wirtschaftlich nicht lebensfähig ist und zweitens die persönliche Einschätzung, dass das vom Verlag der Financial Times Deutschland verfolgte Modell einer Zusammenlegung mehrerer Redaktionen nicht erfolgversprechend ist. Diese Einschätzungen sehen wir nicht als „Schelte" an, sondern der Verleger hat sich auf Nachfragen und vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen zu einem Wettbewerber geäußert.

Sie haben gesagt, dass die Verlagsgruppe Handelsblatt in diesem Jahr einen stabilen Umsatz von rund 180 Millionen Euro erreichen wird. Wie sieht die Bilanz speziell für das "Handelsblatt" aus? Wie kommt dieser stabile Umsatz angesichts deutlicher Auflagenrückgänge beim "Handelsblatt" und einem erst langsam anziehenden Werbegeschäft zustande?
Wir weisen grundsätzlich keine Umsatzzahlen für die einzelnen Titel separat aus, deshalb können wir an dieser Stelle nur für die gesamte Verlagsgruppe sprechen. Wir haben in die Weiterentwicklung unserer Objekte investiert und konnten dadurch beispielsweise höhere Vertriebspreise durchsetzen, was zur Stabilisierung unserer Erlöse beigetragen hat. Das Werbegeschäft zieht aus unserer Sicht deutlich an, wovon wir als Qualitätsführer profitieren. Gleichzeitig ist es uns gelungen, ein neues Preismodell für Anzeigen erfolgreich durchzusetzen. Die externe Vermarktung von Mandantentiteln entwickelt sich ebenfalls positiv und stärkt das Geschäft des Vermarkters IQ Media Marketing.

Wie viele Stellen wurden 2010 und 2009 insgesamt im Verlag abgebaut und in welchen Bereichen? Sind weitere Stellenstreichungen geplant?
Die in der Öffentlichkeit besprochene Zahl von etwa 200 Stellen, die wir im Rahmen des durch die Banken- und Finanzkrise 2008 erforderlich gewordene Restrukturierungsprogramms abgebaut haben, ist annähernd zutreffend. Wir haben darauf geachtet, dass dieses Programm die journalistische und redaktionelle Substanz nicht beeinträchtigt. Ingesamt sind wir mit diesem Programm flexibler, schneller und wettbewerbsfähiger geworden. Wir müssen uns ständig weiterentwickeln und deshalb auch in Zukunft die Verlagsgruppe nach den Erfordernissen ausrichten. Aus unserer Agenda stehen im wesentlichen vier Punkte: Erstens die weitere Schärfung unseres journalistischen Profils und innovative Vermarktung unserer Produkte; Zweitens die Weiterentwicklung und Markteinführung von Paid Content Modellen; Drittens die Förderung einer  unternehmerischen Kultur in der Verlagsgruppe mit größerem individuellen Gestaltungsspielraum und Verantwortung; Und viertens die Verstärkung im Human Ressources Bereich, um die Mitarbeiter zu finden und zu binden, die uns weiterbringen.

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Mehr zum Schlagabtausch zwischen dem "Handelsblatt" und der "FTD" lesen Sie in der aktuellen HORIZONT-Ausgabe 44/2010 vom 4. November 2010.

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Sie haben gesagt, dass der Verlag die unrentable Auflage zurückgefahren hat. Laut IVW ist jedoch im 3. Quartal 2010 die Zahl der Bordexemplare und die sonstigen Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Wie passt das zusammen?
Wir haben die Wirtschaftlichkeit unserer Vertriebsaktivitäten vor allem durch die Optimierung der Gewinnungswege für Abonnements und der Belieferung am Kiosk deutlich erhöht. 
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