Schrumpfkur: "Focus" legt Mitarbeitern Abfindungsangebot vor

Mittwoch, 09. Juni 2010
Helmut Markwort muss bei "Focus" auf seine alten Tage noch Personal abbauen
Helmut Markwort muss bei "Focus" auf seine alten Tage noch Personal abbauen

Der "Focus" schnürt den Gürtel enger. Das Fakten-Magazin aus dem Münchner Burda Verlag will seine Mannschaft erheblich verkleinern und hat seinen Mitarbeitern heute ein Abfindungsangebot unterbreitet. Das von den Geschäftsführern Helmut Markwort und Frank-Michael Müller verfasste Schreiben, das HORIZONT.NET vorliegt, richtet sich an 280 von insgesamt 320 Mitarbeitern des Focus Magazin Verlags.
Ausgenommen ist lediglich die Belegschaft von "Focus Money" und "Focus Schule". Das Angebot setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. So erhalten abwanderungswillige Mitarbeiter eine Abfindung, die neben einem Sockelbetrag in Höhe von 15.000 Euro einen Zusatzbetrag vorsieht, der anhand der Formel "Monatsgehalt x 0,75 x Betriebszugehörigkeit" errechnet wird. Für Mitarbeiter unter 40 Jahren reduziert sich der Sockelbetrag um die Hälfte.

Um möglichst viele Mitarbeiter zum Abschied zu bewegen, hat sich "Focus" weitere Anreize einfallen lassen. So erhöht sich der Abfindungsbetrag für "Schnellentschlossene" um einen sogenannten "Entscheiderbonus". Wer sich seinen Weggang mit dem Zusatzbetrag in Höhe von 3,5 Monatsgehältern versüßen lassen will, muss die Aufhebungsvereinbarung bis zum 30. Juni 2010 unterschreiben. Zusätzlich wird der Abschied noch mit einem Freistellungsangebot schmackhaft gemacht. Mitarbeiter, die das bis Ende Juli befristete Angebot annehmen, müssen im Zeitraum ihrer individuellen Kündigungsfrist nicht zur Arbeit erscheinen. Auf Wunsch des Mitarbeiters kann das Arbeitsverhältnis auch früher beendet werden. Die noch ausstehende Bruttovergütung wird zusätzlich zur Abfindung ausgezahlt.

Ziel der Maßnahme ist es, die Zahl der Mitarbeiter in Redaktion und Verlag deutlich zu reduzieren, schreiben Markwort und Müller. Grund seien die "allgemeine Medienkrise" und die "damit verbundenen starken Anzeigenrückgänge", die dem "Focus" schwer zu schaffen machen. Bereits Anfang der Woche gab es Spekulationen, denen zufolge sich die Focus-Gruppe von 30 bis 40 Mitarbeitern - unter ihnen 20 Redakteure - trennen will. Das Magazin hatte erst Ende Januar einen Relaunch durchgezogen mit dem Ziel, Auflage und Werbeerlöse zu stabilisieren. mas
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