Schlammschlacht im WBZ-Verband

Freitag, 09. Februar 2007
Der WBZ-Vorsitzende Hans Schneider erhebt Vorwürfe
Der WBZ-Vorsitzende Hans Schneider erhebt Vorwürfe

Der Austritt von vier Unternehmen des werbenden Buch- und Zeitschriftenhandels (WBZ) aus dem Verband entwickelt sich zur Schlammschlacht. In einer Erklärung, die auch HORIZONT vorliegt, wirft der WBZ-Verbandsvorsitzende Hans Schneider offenbar einem der vier Dissidenten vor, in unsaubere Geschäfte verwickelt zu sein: "Jemand, der öffentliche Strategiedebatten einfordert" und für sich in Anspruch nehme, "sich um eine seriöse Vertriebsarbeit" zu bemühen, müsse sich fragen lassen, "warum er für unter falschen Voraussetzungen erlangte Werbekostenzuschüsse in siebenstelliger Größenordnung in Regress genommen wird", schreibt Schneider. Auf HORIZONT-Nachfrage wollte der Verband diese Passage nicht kommentieren, ebenso wenig die Frage, ob eines - und wenn ja welches - seiner abtrünnigen Mitglieder damit gemeint ist. Am Montag dieser Woche hatten vier WBZ-Unternehmen ihren Austritt erklärt: Presse-Union Medien, Neckarsulm (Geschäftsführerin: Petra Appels); Academia-Press, Heidelberg (Geschäftsführer: Hans-Werner Lindgens); Studenten-Presse, Heidelberg (Geschäftsführerin: Nicola Lindgens) und Abo Direkt, Osnabrück (Geschäftsführer: Gisbert Komlossy).

Zudem verwahrt sich der Verband gegen Vorwürfe seiner abtrünnigen Mitglieder, im Zusammenhang mit der Affäre um vermutliche Abo-Betrügereien im Bauer Verlag untätig gewesen zu sein: Die Affäre schade nicht dem WBZ, "sondern nur denjenigen, die darin verwickelt sind", so der Verband. Eine "öffentliche Darstellung" sei deswegen nicht opportun gewesen, "weil damit die weiteren Ermittlungen gefährdet" worden wären. Man habe bereits 2002 "nachdrücklich" vor einzelnen Protagonisten gewarnt. WBZ-Verbandschef Schneider weiter: "Seit Mitte 2006 war unsere Geschäftsstelle in die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen involviert, wir waren also längst im Bilde, als andere noch mit wenig später geschassten Verlagsprotagonisten auch das Rahmenprogramm der von der Boulevardpresse genüsslich ausgeschlachteten Incentive-Sause auf Sylt genossen." rp
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