Saban fordert Gleichbehandlung von öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern

Mittwoch, 22. Oktober 2003

Zur Eröffnung der 17. Münchner Medientage bedankte sich der neue Hauptaktionär von Pro Sieben Sat 1 Media, Haim Saban, für den "warmen Empfang und die Chance, in Deutschland zu investieren". Seine Investorengruppe verfüge über 40 Milliarden US-Dollar und sei bereit, sich noch stärker in Deutschland zu engagieren.

Saban wies auf die Probleme und Herausforderungen hin, die die Senderfamilie aus dem insolventen Kirch-Imperium bewältigen müsse. Seit der Fusion von Pro Sieben und Sat 1 im Jahr 2000 habe die Insolvenz der Muttergesellschaft, die mehrfach gescheiterte Suche nach Investoren und auch sein eigener Einstieg massive Instabilität verursacht. Das Management habe sich über Jahre immer wieder vom operativen Geschäft abwenden müssen, während die Konkurrenz immer am Ball geblieben sei. Dadurch habe Pro Sieben Sat 1 Media Zuschauer- und Werbemarktanteile eingebüßt. Saban: "Es ist ein Wunder, wie stabil das Kerngeschäft trotzdem geblieben ist".

Die Konjunktur werde sich erholen und die Senderfamile davon profitieren. Dabei will Saban auf das Management um CEO Urs Rohner und den neuernannten COO Guillaume de Posch zählen. Wettbewerber wollte Saban nicht über seine genauen Pläne für die Senderfamilie aufklären - nur so viel: "Sie alle werden unsere Präsenz in Zukunft sehen und fühlen".

Für das deutsche Rundfunksystem hatte der US-Milliardär allerdings nur heftige Kritik übrig: "Der sich selbst regulierende öffentlich-rechtliche Rundfunk werde durch Gebühren unrechtmäßig bevorzugt, Product Placement bei ARD und ZDF im Gegensatz zu den privaten Programmen nicht bestraft. Dadurch entstünde ungleicher Wettbewerb und eine gefährliche Doppelmoral. "Get rid of that double standard", appellierte Saban an die Politik.

Ministerpräsident Edmund Stoiber forderte Saban auf, trotz globaler Sicht den lokalen und regionalen Bezug der Programme nicht aus den Augen zu verlieren. Für Stimmung sorgte Saban, der mit seiner gesamten Familie anreiste, mit der Präsentation seiner Geburtstagsgeschenke. Das Highlight: Das Computerspiel "German for Dummies" von seiner Mutter. he
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