"Saarbrücker Zeitung": Zwischen Inszenierung und Zukunftssicherung

Mittwoch, 05. September 2012
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Die Düsseldorfer Mediengruppe Rheinische Post möchte entlang der Landesgrenze wachsen. Nach bisher unbestätigten Informationen des Fachblattes "Journalist" will der Verlag nach dem Rückzug des Holtzbrinck-Verlags offenbar die "Saarbrücker Zeitung" kaufen. Ein Vorvertrag mit dem Mehrheitseigner, der Gesellschaft für stattsbürgerliche Bildung Saar (GSB), sei bereits geschlossen. Erst im August hatte die politiknahe GSB ihren Anteil an der "Saarbrücker Zeitung" von 26 auf 46,9 Prozent aufgestockt. Bis Mitte 2014 sollen die Holtzbrinck-Anteile von 52,33 Prozent vollständig an die Gesellschaft übertragen werden. Bereits Ende Mai hatte Rudolf Warnking, Vorsitzender des GSB-Gesellschafter Union Stiftung angekündigt, sich perspektivisch auf die Suche nach einem Investor aus dem Verlagswesen zu machen, "der im Konsens mit den bisherigen Gesellschaftern die Zukunft der Saarbrücker Zeitung sicherstellen wird".

Der könnte nun gefunden sein. Bei erfolgreichem Vertragsabschluss mit der Düsseldorfer Mediengruppe soll dem "Journalist" zufolge Saarbrücken sowohl der Sitz des Konzerns als auch der Vollredaktion bleiben. Ver- und Zukäufe seien künftig außerdem nicht mehr mit einer einfachen, sondern nur noch mit einer Drei-Viertel-Mehrheit möglich. Die GSB behalte ihren Minderheitsanteil von 26 Prozent, die Mitarbeiterbeteiligungsgesellschaft hält 15 Prozent.

Unklar bleibt, wieso sich Holtzbrinck-Gesellschafter Stefan von Holtzbrinck beim Verkauf der "Saarbrücker Zeitung" im Mai für den Umweg über die GSB entschieden hatte. Für einen  Branchenbeobachter war der Deal vielmehr von Anfang an inszeniert. Ein lukrativer Kauf ist der Verlag aus dem Saarland allemal. Mit "Trierischem Volksfreund", "Pfälzer Merkur" und "Lausitzer Rundschau" ist die Gruppe zum einen am äußersten Rand Deutschlands gut aufgestellt und erwirtschaftete nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 330 Millionen Euro. Ebenfalls integriert ist der Übersetzungsdienst Euroscript, der alleine 100 Millionen Euro umsetzen soll. kl
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