SZ-Magazin-Macher: "Augmented Reality steht noch am Anfang"

Freitag, 20. August 2010
SZ-Magazin-Redakteur Till Krause (Foto: Ralf Zimmermann)
SZ-Magazin-Redakteur Till Krause (Foto: Ralf Zimmermann)
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SZ Till Krause Metaio München iPhone Praxistest Smartphone


Das Titelbild wird zum Film, in der Rubrik "Sagen Sie jetzt nichts" erscheinen Denkblasen, eine statische Zeichnung wächst zur 3-D-Animation: Das "Süddeutsche Zeitung Magazin" erscheint diesen Freitag als Augmented Reality-Spezial. In Kooperation mit Metaio, einem Spezialisten für Augmented Reality (AR), wurde das Heft mit zusätzlichen multimedialen Inhalten angereichert, die erst auf dem Display eines Smartphones sichtbar werden. Redakteur Till Krause berichtet im Interview von der Produktion des Hefts und verrät, wie er selbst die Zukunftschancen für Augmented Reality einschätzt. Außerdem erklärt HORIZONT.NET die Technologie und unterzieht das "SZ-Magazin" dem Praxistest.

"Die Vorteile der Technologie sind bestechend"

Herr Krause, Sie waren maßgeblich an der AR-Ausgabe des "SZ-Magazin" beteiligt. Wie entstand die Idee, das gedruckte Heft mit Augmented Reality zu verknüpfen, und wie lange hat es gedauert, diese Idee umzusetzen?
Till Krause: Wir haben Anfang Juli mit der Planung begonnen. Zuerst wollten wir einfach nur Augmented Reality berichten. Ich hatte dann einen Termin bei Metaio hier in München, um zu sehen, was mittlerweile technisch möglich ist - und als Metaio gezeigt haben, wie gut sie gedruckte Photos digital zum Leben erwecken können, haben wir sofort gedacht: Warum sollten wir die Technologie nur beschreiben, wenn wir sie auch im Magazin zeigen können?

Welche Herausforderungen gab es bei der Produktion der AR-Ausgabe? Konnten Sie Ideen nicht umsetzen?
Wir konnten inhaltlich alles umsetzen, was wir umsetzen wollten – die Firma Metaio hat uns fantastisch unterstützt. Es war uns wichtig, zu zeigen, was mit der Technologie alles möglich ist: Optische Spielchen wie bei der Kolumne von Axel Hacke, Nutzwert für den Leser mit der Auflösung des Kreuzworträtsels, aber auch Zusatzinhalte wie in der Rubrik „Sagen Sie jetzt nichts“ mit Lena Meyer-Landrut. Wir hätten noch viele weitere Ideen gehabt, aber alles in diese Ausgabe zu packen war technisch nicht möglich, weil die Datenübertragung noch begrenzt ist. Außerdem haben wir sehr darauf geachtet, dass das Heft in sich stimmig ist und auch von Lesern ohne Smartphone verstanden werden kann. Deshalb gibt es online ein Video, sodass auch Nichtnutzer sehen können, welche Inhalte noch in dem Heft versteckt sind – wir wollen ja niemanden ausschließen.

Es hätte so schön sein können - aber ohne Update bleibt beim iPhone 3GS das Display leer
Es hätte so schön sein können - aber ohne Update bleibt beim iPhone 3GS das Display leer
Zusätzlich zum gedruckten Heft gibt es eine Art virtuellen Stadtführer, in dem Redakteure des Magazins ihre Lieblingsorte in München, Hamburg und Berlin verraten. Wie kam es zu diesem Extra?
Der Stadtführer war die Umsetzung der Idee, das AR-Spezial auch in die Welt draußen zu tragen, wo diese Technologie ja bereits existiert. Es gibt zum Beispiel Apps, die per GPS den aktuellen Standort bestimmen und dann anzeigen, wo die nächste U-Bahn-Station ist. Unsere Tipps sind quasi ein freundschaftliches Angebot an die Leser, wir sind dabei wie ein guter Freund, der einem die Stadt zeigt. Jeder kennt ja das Problem, man hat etwas über ein tolles Museum gelesen, fährt dann irgendwann in die betreffende Stadt und der Artikel liegt noch zuhause. Mit dieser Funktion tragen wir dem Leser die Information nach – unabhängig vom gedruckten Magazin.

Können Sie sich vorstellen, dass es in Zukunft noch mehr AR-Angebote im SZ-Magazin geben wird?
Wir werden erstmal schauen, wie die aktuelle Ausgabe bei den Lesern ankommt, aber wir können uns gut vorstellen, auch künftig AR zu nutzen. Es wäre zum Beispiel möglich, den Stadtführer noch auf andere Städte auszuweiten. Die Vorteile der Technologie sind so bestechend – ich glaube, dass wir mit AR erst am Anfang stehen und sich das alles noch weiterentwickeln wird. Mit dem aktuellen SZ-Magazin hat der Leser die Möglichkeit, das Heft zu lesen und gleichzeitig zusätzliche Informationen im Internet abzurufen. Dann könnte eine Richtung sein, in die sich Printjournalismus entwickeln könnte. Ich finde diese Kombination aus gedrucktem Magazin, Online-Erweiterungen und Nutzwert sehr schön – wenn man einmal damit angefangen hat, will man nicht mehr damit aufhören.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Augmented Reality genau funktioniert und warum der HORIZONT.NET-Praxistest an der Technik scheiterte.

Was ist Augmented Reality?

Der Begriff Augmented Reality kann mit erweiterte Realität übersetzt werden. Durch diese Technologie können zusätzliche Informationen in die reale Umwelt integriert werden. So kann man auf dem Smartphone-Display Dinge sehen, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Einige Apps erkennen mithilfe von GPS den Standort des Nutzers und zeigen ihm Sehenswürdigkeiten oder Cafés in der Umgebung mit zusätzlichen Informationen wie historischen Daten oder Öffnungszeiten an. Auch Marketingabteilungen nutzen bereits Augmented Reality, aktuell bedient sich Audi der Technologie: Auf Youtube stellt das Unternehmen einen Autokalender vor – in dem die Autos fehlen. Erst ein iPhone mit installierter App blendet die Fahrzeuge in die Umgebung ein. Bei der aktuellen Ausgabe des "SZ-Magazins" wird das gedruckte Produkt mit Videos, Animationen und Nutzwert wie der Lösung des Kreuzworträtsels angereichert.

Wie funktioniert Augmented Reality?

Zunächst benötigt man ein Smartphone, das mit Internet und Kamera ausgestattet ist. Außerdem muss man sich ein kostenloses Programm aus dem App-Store von Apple oder im Android Market herunterladen. Im Fall der multimedialen Ausgabe des "SZ-Magazins" nennt sich das Programm Junaio, ähnliche AR-Apps sind Layar oder Wikitude. Junaio bietet zur "SZ Magazin"-Ausgabe von Freitag zwei Kanäle: Mit "Süddeutsche Zeitung Magazin" lassen sich die zusätzlichen Inhalte aus dem Heft abrufen. Öffnet man die entsprechende App und richtet dann das Smartphone auf die gekennzeichneten Seiten im Magazin, bekommt man auf dem Display die "versteckten" Informationen angezeigt. Um den Stadtführer zu nutzen, reicht es, das Smartphone mit dem Kanal "SZ-Magazin Lieblingsorte" irgendwo auf die Umgebung zu richten, sofern man sich in München, Hamburg oder Berlin befindet.

Sandra Maischberger auf dem Cover der Augmented-Reality-Ausgabe des "SZ-Magazins"
Sandra Maischberger auf dem Cover der Augmented-Reality-Ausgabe des "SZ-Magazins"
Der Praxistest: Bei uns bleibt das Heft leblos

"Dieses Heft lebt", so das Versprechen des "SZ-Magazins" am heutigen Freitag. Um den Seiten Leben einzuhauchen, braucht es zunächst ein Smartphone – und das kostenlose Programm Junaio, die jedoch im App-Store schnell gefunden und heruntergeladen ist. Der Praxistest scheitert dennoch an der Technik: Auf beiden in der Redaktion vorhandenen iPhones erscheint eine Fehlermeldung. Anscheinend fehlt das Update auf das Betriebssystems iOS4, ohne das Junaio den Kanal "Süddeutsche Zeitung Magazin" nicht öffnen kann. Mit diesem Update wäre das AR-Spezial auch mit dem iPhone 3GS zu lesen – allerdings verliert das Telefon mit der überarbeiteten Software an Geschwindigkeit. Ein Smartphone mit Android-Betriebssystem haben wir leider nicht zur Hand. Deshalb gibt es heute in der HORIZONT.NET-Redaktion leider nur das gedruckte Heft zu sehen, ganz ohne Augmented Reality.

Auf Nachfrage erklärt Marc Baumann aus der Onlineredaktion des "SZ Magazins", dass es technisch nicht möglich war, das AR-Spezial auf allen Smartphones zugänglich zu machen. Das Problem ist, dass erst mit der Software-Version iOS4 Bilder in Echtzeit von der Kamera übertragen werden können, ein Feature, das für die AR-Ausgabe unbedingt nötig ist. Demnach muss auf dem iPhone 3GS ein Update auf das Betriebssystem des iPhone 4 installiert werden, damit die Zusätze im Heft sichtbar werden. Ein Schlupfloch für das 3er-Modell gebe es nicht, bedauert Baumann. "Es ist natürlich schade, wenn man etwas hat, das nicht alle Leser nutzen können." Trotzdem wollte die Redaktion das Heft unbedingt umsetzen, um die Technologie zu zeigen, auch wenn damit einige Leser vom Zusatzerlebnis ausgeschlossen werden. sw
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