SWR3-Moderatoren Zeus und Wirbitzky: „Wir würden niemals einfach das Micro aufmachen und loslabern“

Donnerstag, 15. September 2011
Sascha Zeus (l.) und Michael Wirbitzky machen die „Beste Morningshow“ (Foto: SWR)
Sascha Zeus (l.) und Michael Wirbitzky machen die „Beste Morningshow“ (Foto: SWR)

Vergangene Woche haben die SWR3-Moderatoren Michael Wirbitzky und Sascha Zeus den Deutschen Radiopreis in der Kategorie „Beste Morningshow“ erhalten. Im Interview mit HORIZONT.NET sprechen die beiden Preisträger darüber, wie sich die Sendung in den vergangenen 15 Jahren verändert hat und welche Rolle Social Media heute spielt. Sie haben vergangene Woche den Deutschen Radiopreis für die „Beste Morningshow“ bekommen. Sie sagten, wenn Sie ihn noch später bekommen hätten, wäre er schon für das Lebenswerk gewesen. Seit wann sind Sie bei SWR 3?

Sascha Zeus: Ich bin 1987 zum Vorgängersender SWF 3 gekommen, Michael ein Jahr später.

Die „SWR 3 Morningshow“ moderieren Sie seit 15 Jahren. Wie hat sich die Sendung in dieser Zeit verändert?

Michael Wirbitzky: Insgesamt ist die Show sehr viel schneller geworden, das ganze Tempo und die Taktung haben angezogen. So wie sich der Filmschnitt verändert hat, so ist das auch bei uns. Es gibt mehr Jingles und Musikeinsatz und wir sind viel dichter dran an den Leuten. Wir greifen mehr Tagesbefindlichkeiten auf: Worüber reden die Menschen? Wo sind sie gerade? Putzen sie sich die Zähne? Trinken sie Kaffee?

Wie finden Sie heraus, wie die Tagesbefindlichkeiten gerade so sind?

Zeus: Wir bekommen sehr viele Mails. Das Feedback in den letzten Jahren ist viel größer geworden. Dadurch haben wir herausgefunden, was die Menschen zu welcher Zeit machen, was sie gerne hören und worüber sie gerne lachen. Dem versucht man gerecht zu werden.

Wirbitzky: Als wir beide beim Vorläufer SWF3 angefangen haben, war der einzige Kommunikationsweg für den Hörer eine Postkarte. Das ist noch gar nicht so lange her. Heute können die Leute twittern, mailen und ständig anrufen.

In den 80er Jahren gab es wirklich noch keine Telefon-Hotline?

Wirbitzky: Die Nummer 07221 2011 gibt es in der Tat schon ewig. Aber es war nur eine Leitung, die geschaltet war. Wenn man an den Charts teilnehmen wollte, und über die Hits abstimmen, dann musste man eine Postkarte schreiben.

Zeus: Der schnelle Kontakt heute ist besonders toll, wenn man ein bestimmtes Thema hat. Aus dem Feedback heraus lässt es sich um weitere Aspekt ergänzen. Das ist eine sehr gute Möglichkeit, um gutes Radio zu machen.

Und die negativen Facetten?

Wirbitzky: Man darf nicht sehr dünnhäutig sein. Auf den modernen Kommunikationswegen werden alle Höflichkeitsregeln außer Acht gelassen. Wir bekommen Mails, in einem Ton, den ich nicht wiedergeben möchte. Die sind, ich sag es mal so: Unter aller Sau. Es ist Fluch und Segen zugleich.

Zeus: Das Lob und die Anregungen überwiegen allerdings bei weitem.

Wie oft haben Sie die Show schon runderneuert?

Wirbitzky: Eine unserer Tugenden ist sicher, dass wir uns immer wieder neu erfinden. Wie ist der Musikanteil? Wie ist der Wortanteil? Sind wir thematisch noch gut aufgestellt? Muss unsere Musik jünger oder älter sein? Sind wir manchmal zu laut oder zu leise? Gemeinsam mit der Redaktion sind wir in einem ständigen Prozess des Hinterfragens und Erneuerns.

Zeus: Das muss man auch tun. Wir holen ab und an alte Gags raus, die wir vor 15 Jahren geschrieben und aufgenommen haben. Heute denken wir: Das ist zu lang, die Pointe stimmt nicht. Deshalb ist es so wichtig, sich zu hinterfragen.

Wirbitzky: Die Sachen bilden oft den Zeitgeist ab und der ändert sich.

Sie treten in zwei Rollen auf. Michael Wirbitzky ist der Smarte, Sascha Zeus der Tappige. Das nehme ich gerade nicht wahr.

Zeus: Die Sendung ist vorbei. Wenn wir in der Show beide gleich schlau wären, gäbe es keine Fallhöhe und wäre auch nicht lustig.

Wirbitzky: Niemand hält Sascha Zeus im wahren Leben für einen Trottel, trotzdem haben die Hörer Gefallen an unserem Rollenspiel. Alle großen Komikerduos funktionieren durch den Unterschied in der Optik oder im Charakter. Es geht über ein sich Necken. Das ist Humor. Sascha hat übrigens die deutlich höheren Sympathiewerte, weil er das Opfer ist.

Wie entstehen Ihre Gags?

Zeus: Vieles entsteht situativ. Sogar ganze Figuren können dabei herauskommen wie Peter Gedöns zum Beispiel. Wir mussten ein Musikteasing machen, die Musik nur anzusagen, war uns zuwenig. Also haben wir einen Anrufer erfunden, diesen miesepetrigen Peter Gedöns.

Trotzdem bereiten Sie Ihre Moderationen stets vor. Warum?

Wirbitzky: Wir würden niemals einfach nur das Micro aufmachen und loslabern. Das ist unprofessionell und geht ins Nirwana. Ich finde man merkt es sofort. Da wird geredet ohne Punkt und Komma und der dramaturgische Bogen fehlt.

Zeus: Wir wissen, wo die Pointe ist. Manchmal reicht die Zeit nicht, um uns detailliert abzusprechen, aber da hilft dann das lange Zusammenarbeiten. Wir wissen, wo unser Gespräch hinführen muss.

Sie haben viele Figuren erfunden. Welche sind ihre persönlichen Lieblinge?

Zeus: Peter Gedöns. Wir hatten auf der letzten Tour verschiedene Figuren. Aber wir haben auch das Rollenspiel auf die Bühne gebracht und uns über ganz alltägliche Sachen unterhalten. Das war wie Stand-up zu zweit und hat sehr viel Spaß gemacht.

Wirbitzky: Meine Lieblingsfigur ist Kathrin Vierthaler. Sascha als bayerische Wuchtbrumme unserer Bühnenshow. Da schmeißen sich die Menschen immer wieder weg und ich mich auch. Interview: pap
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