SWR und Medienaufsicht starten Forschungsprojekt zum digitalen Hörfunk

Dienstag, 08. Juli 2008

Zu einer ungewöhnlichen Kooperation haben sich der Südwestrundfunk (SWR), Medienaufsicht und private Radiosender in Baden-Württemberg zusammengefunden: Gemeinsam wollen sie ergründen, wie Radioprogramme in der digitalen Zukunft ihr Publikum finden. Zu diesem Zweck haben der SWR und die Landesanstalt für Kommunikation (LFK) in Stuttgart eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Sie bildet den Rahmen für das gemeinsames Pilotprojekt Radio Plus. Mit dem Testprojekt wollen die Sender gemeinsam mit der LFK Informationen über die Entwicklung der Mediennutzung für die weitere Planung des digitalen Hörfunks erhalten. SWR-Intendant Peter Boudgoust sieht in der Kooperation mit den privaten Veranstaltern einen wichtigen Schritt für die Zusammenarbeit in der Weiterentwicklung der Gattung Radio. Boudgoust: "Es geht uns um die Zukunft des Radios und um das Radio der Zukunft. Die Konkurrenz im journalistischen Bereich darf ein abgestimmtes Vorgehen bei der Erschließung neuer technischer Wege und Möglichkeiten nicht ausschließen. Wo es gemeinsame Fragen an die Zukunft des Radios gibt, können sie auch gemeinsam gestellt werden."

Für den Präsidenten der Landesanstalt für Kommunikation (LFK) Thomas Langheinrich bietet das Projekt gleichermaßen für private Veranstalter wie auch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk die Chance, neue Erkenntnisse über Bedarf und Nutzung von Digitalradio zu gewinnen: "Es macht wenig Sinn, nur am grünen Tisch über digitales Radio zu sprechen. Um in Zukunft in der digitalen Welt überleben zu können, muss sich Radio neu erfinden. Das Projekt kann wichtige Erkenntnisse über zukünftige Geschäftsmodelle in der digitalen Welt liefern."

Das Projekt wird parallel zu einer repräsentativen Studie von LFK und SWR-Medienforschung realisiert, die erstmals 2008 durchgeführt wird und einen ersten Orientierungsrahmen liefern kann. In den nächsten Monaten werden mit Fallstudien bestimmte Nutzungssituationen für Radio getestet. So soll untersucht werden, wie mobile Radionutzung stattfinden kann, aber auch, wie Radioprogramme für das Publikum zuhause attraktiv gestaltet werden können.

Gleichzeitig sollen die neuen digitalen Zusatzdienste auf ihre Benutzerfreundlichkeit hin analysiert werden. Dazu erhalten jeweils zielgruppenaffine geschlossene Benutzergruppen für eine bestimmte Zeit Testgeräte und hören spezielle Radioprogramme, für die digitale Zusatzinformationen und -features zur Verfügung stehen und abgerufen werden können. Anschließend werden die Testpersonen über ihr Nutzerverhalten befragt. Die Medienforschung von LFK und SWR wertet die Ergebnisse aus. Diese sollen bei einem Kongress zum "Radio der Zukunft" nach Abschluss des Versuchs der Öffentlichkeit vorgestellt werden. dh



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