SWR: Peter Boudgoust will in seiner zweiten Amtszeit Jugendkanal durchsetzen

Freitag, 10. Juni 2011
Bleibt weitere fünf Jahre im Amt: SWR-Intendant Peter Boudgoust
Bleibt weitere fünf Jahre im Amt: SWR-Intendant Peter Boudgoust


Peter Boudgoust bleibt Intendant des Südwestrundfunks. Rundfunk- und Verwaltungsrat des SWR haben den 56-Jährige für eine weitere Amtsperiode wiedergewählt. In seiner zweiten Amtszeit will Boudgoust vor allem wieder mehr junge Zuschauer für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gewinnen und gemeinsam mit dem ZDF einen öffentlich-rechtlichen Jugendkanal ins Leben rufen. Außerdem hat sich Boudgoust die Straffung der Strukturen des schwerfällig gewordenen Tankers SWR auf die Fahnen geschrieben. Boudgoust erhielt bei der gemeinsamen Sitzung von Rundfunk- und Verwaltungsrat 66 von 72 Stimmen. Damit bleibt der ARD einer ihrer profiliertesten und streitbarsten Intendanten erhalten, der seine Wiederwahl gleich für eine kleine Spitze in Richtung der privaten Konkurrenz nutzte: "Mit unseren Programmen bringen wir Menschen zusammen. Eben nicht mit klebrigen Süßstoff-Lockmitteln, sondern mit relevanten Angeboten zu relevanten Themen. Wir setzen auf Partnerschaft mit unseren Nutzern, geben Halt und Orientierung." In einer "zunehmend entsolidarisierten und von Egoismen geprägten Gesellschaft" bilde der SWR damit einen starken Gegenpol.

Da sich das junge Publikum trotzdem immer mehr von den Öffentlich-Rechtlichen Sendern abwendet und den süßen Verlockungen der Privatsender erliegt, wirbt der Intendant erneut um einen gemeinsamen öffentlich-rechtlichen Jugendkanal. Ihn treibe die Sorge um, "dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine ganze Altersgruppe dem Trash-Fernsehen und den Krawall-Shows der kommerziellen Programmanbieter überlasse". Boudgoust: "Wir müssen mithelfen, dass gerade junge Menschen aus allen Schichten ankommen in dieser Gesellschaft, dass sie sich nicht an falschen Erfolgsmustern orientieren. Deshalb braucht diese Gesellschaft einen öffentlich-rechtlichen Jugendkanal."

Dafür sucht Boudgoust den Schulterschluss mit dem ZDF. Allein könne die ARD einen Jugendkanal nicht auf die Beine stellen. "Gemeinsam mit dem ZDF wäre ein Jugendkanal morgen möglich. Hier will ich persönlich zu einem Ergebnis kommen in einer zweiten Amtszeit", bekräftigt der Intendant.

Ebenfalls auf der Boudgousts To-Do-Liste für die kommenden Jahre steht eine tiefgreifende Strukturreform des Südwestrundrunks. Die bestehenden Strukturen stammen noch aus der Zeit der Fusion von SWF und SDR im Jahr 1998 und würden den Sender "zunehmend ausbremsen". "Wir müssen darüber nachdenken dürfen, ob wir noch eine Fernsehdirektion, eine Hörfunkdirektion und zwei Landessenderdirektionen in den gegenwärtigen Zuschnitten brauchen mit einer komplizierten Arbeitsteilung, die viel Kraft im Getriebe verbraucht", gibt Boudgoust zu bedenken. Stattdessen schweben dem Intendanten übergreifende Programmeinheiten oder sogar ein zentraler Programmdirektor für alle Medien vor. Dafür müsste allerdings zunächst der Staatsvertrag entprechend geändert werden. Peter Boudgoust steht also viel Arbeit bevor. Seine zweite Amtszeit beginnt am 1. Mai 2012. dh
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