SPD-Verlagsmanager stellt Personalkosten auf den Prüfstand

Mittwoch, 18. August 2010
Jens Berendsen
Jens Berendsen

Jens Berendsen schlägt Alarm. Der Geschäftsführer der SPD-Medienholding Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG) fordert einen „offenen Dialog" von Verlagen mit Betriebsräten und Gewerkschaften über die aus seiner Sicht „problematischen" Personalkosten vor dem Hintergrund drastisch gesunkener Umsätze. Bei der „Frankfurter Rundschau" stehen diese Gespräche bereits an. Da Produktion, Prozesse und Personalstärke bereits bis zur Schmerzgrenze „optimiert" - sprich: gesenkt - seien, müsse man nun die Personalkosten der Branche „strukturell auf den Prüfstand stellen", so Berendsen im Gespräch mit HORIZONT. Sonst würden die meisten Regionalverlage die kommenden vier Jahre kaum überleben. Zu dieser drastischen Aussage kommt er durch Modellrechnungen am Beispiel eines repräsentativen mittelständischen Zeitungsverlags. „Ein Verlag braucht etwa 10 Prozent Rendite, um aus eigener Kraft in die Zukunft investieren zu können. Auch die DDVG kann diese betriebswirtschaftlichen Gesetze nicht außer Kraft setzen", so Berendsen. Sein Vorstoß könnte bei den Sozialpolitikern seiner Gesellschafterin SPD dennoch für Aufruhr sorgen. Andererseits schüttet die DDVG in diesem Jahr rund 7,7 Millionen Euro an die Partei aus - und diese Geldquelle dürfte sie sich gerne erhalten wollen.

Staatliche Subventionen für Verlage - ob durch direkte Zahlungen, eine „Kultur-Flatrate" oder durch eine Teilhabe an der künftigen geräteunabhängigen Rundfunkgebühr, wie es der WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus fordert - schließt Berendsen zumindest nicht aus: „Viele Wege führen nach Rom. Am sympathischsten wäre es mir, wenn die Verlage es aus eigener Kraft schafften, sich für die Zukunft eine solide wirtschaftliche Basis zu erarbeiten." Mindestens so wichtig wie Kostendämpfung sind Berendsen drei parallele Offensivstrategien: Investitionen in Online- und Mobile-Medien, Aufbau von profitablem Drittgeschäft mit Nähe zu den regionalen Märkten sowie Stärkung der lokalen journalistischen Kompetenz.

Die DDVG in Hamburg ist an zehn Zeitungsverlagen (darunter „Frankfurter Rundschau", „Hannoversche Allgemeine", „Sächsische Zeitung", „Westfälische Rundschau") meist minderheitlich beteiligt. Hinzu kommen Mehrheits- und alleinige Anteile unter anderem an „Vorwärts", „Öko Test" sowie an Druckereien. 2009 erzielte die DDVG ein Betriebsergebnis (Ebitda) von 19,4 Millionen Euro, knapp 9 Prozent unter Vorjahr. Der Gewinn nach Steuern sank von 15,5 Millionen Euro (2008) auf 4,2 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Als Grund für den Rückgang nennt die DDVG „Darlehensverzichte gegenüber mehreren Beteiligungen". rp

Mehr zu Berendsens Vierpunkteplan zur Rettung regionaler Tageszeitungen lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 33/2010, die am Donnerstag, 19. August, erscheint.
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