SPD-Medienholding profitiert vom Sparkurs der Tageszeitungen

Mittwoch, 25. Juni 2008
Will auf sinkende Auflagen reagieren: DDVG-Chef Jens Berendsen
Will auf sinkende Auflagen reagieren: DDVG-Chef Jens Berendsen

Private Finanzinvestoren müssten sich bei dieser Jahresbilanz wohl auch aus den Reihen der SPD die üblichen „Heuschrecken“-Vorwürfe anhören – doch die eigene SPD-Medienholding Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG) darf das: für die über ein Dutzend regionalen Zeitungsverlage, an denen die DDVG meist Minderheitsbeteiligungen hält, einen Sparkurs inklusive Ausgliederungen und Entlassungen einfordern, um die Gewinnabführung an die Parteikasse abermals zu steigern. In diesem Jahr wird die DDVG (für 2007) nach Steuern rund 8 Millionen Euro an die SPD überweisen, in den vergangenen Jahren waren es 7,7 Millionen (für 2006), davor 6,6 Millionen (für 2005) und 6 Millionen Euro (für 2004). „Das Ergebnis 2007 ist vor dem Hintergrund der sehr schwierigen Marktbedingungen mehr als respektabel“, resümierte Barbara Hendricks, seit Anfang dieses Jahres Schatzmeisterin der SPD, auf der Bilanzpressekonferenz der DDVG in Hamburg. Deren Geschäftsführer Jens Berendsen äußert sich konkreter – auch mit Blick in die Zukunft: „Die ungebrochen schwierige Marktsituation der Gattung Tageszeitung mit sinkenden Auflagen und Reichweiten sowie schrumpfendem Werbemarktanteil zwingt zu weiterem Cost-Management.“


SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks: Das Ergebnis 2007 ist vor dem Hintergrund der sehr schwierigen Marktbedingungen mehr als respektabel“
Davon konnte die DDVG bereits im Geschäftsjahr 2007 profitieren: Der Gewinn nach Steuern (Jahresüberschuss) stieg gegenüber dem operativen Vorjahresergebnis (16 Millionen Euro) um 7,5 Prozent auf 17,2 Millionen Euro. Ein Vergleich zum Jahresüberschuss 2006 (26,8 Millionen Euro) wäre wegen starker Sondereinflüsse irreführend: Damals schlugen etwa der Verkauf von 50 Prozent an der „Frankfurter Rundschau“ – an der die DDVG nun noch 40 Prozent hält – sowie die Aufstockung des Anteils an der Verlagsgesellschaft Madsack („Hannoversche Allgemeine“) auf 23,1 Prozent im Finanzergebnis zu Buche.

Das Betriebsergebnis (Ebitda) von 21,4 Millionen Euro (2006: 19,2) setzt sich vor allem zusammen aus dem Ergebnis der Medienbeteiligungen in Höhe von 23,2 Millionen Euro (2006: 20,6), dem Werbemittel-, Buch- und Papierhandel mit 1,3 Millionen Euro (2006: 0,9) und dem Druckereigeschäft mit 0,8 Millionen Euro (2006: 0,5) abzüglich den Aufwendungen in Höhe von 4,6 Millionen Euro (2006: 4,1). Dazu zählen auch Personalkosten – und die dürften in diesem Jahr weiter steigen: Seit Mai gönnt sich die DDVG-Holding in Hamburg mit Matthias Linnekugel einen dritten Geschäftsführer neben Jens Berendsen und Gerd Walter. Linnekugel leitete zuvor das Büro der langjährigen SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier, die mit ihrem Ausscheiden nun offenbar einen Vertrauten in der DDVG platziert hat.

In diesem Jahr rechnet die Holding mit weiter steigenden Erlösen aus ihren Medienbeteiligungen. Neben dem Kostensparen propagiert Berendsen „nachhaltige Investitionen in Wachstumsmärkte rund um die Kernkompetenz der Tageszeitungen“. Regionale Informationen, Zugang zu und Adressen aus den lokalen Märkten – so könnten Verlage neue Geschäftsfelder erschließen, sagt Berendsen: im Internet, mit mobilen Medien, per Direktverteilung und Postzustellung sowie mit dem Verkauf von Tickets, Büchern und DVDs. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom März dieses Jahres, das – aufgehängt an einem langjährigen Streit um SPD-Rundfunkbeteiligungen in Hessen – Medienbeteiligungen von Parteien grundsätzlich erlaubt hat, erwartet Hendricks, dass nun gegenteilige Landespressegesetze in Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Bayern „verfassungsgemäß geändert werden“, so die SPD-Schatzmeisterin: „Außerdem sollten nun alle Versuche der konservativen Parteien beendet sein, die über 140 Jahre alten Aktivitäten der SPD im Mediensektor zu diskreditieren.“
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