SPD-Medienholding macht Einstieg bei der FR von weiteren Sparmaßnahmen abhängig

Freitag, 12. März 2004

Ein Einstieg der SPD bei der finanziell in Bedrängnis geratenen "Frankfurter Rundschau" steht nach der gestern unterzeichneten Absichtserklärung wohl kurz bevor. Allerdings macht die Medienholding einen Einstieg von weiteren Sanierungseinschnitten abhängig: Die Rede ist von einem Stellenabbau in der Größenordnung von 200 Mitarbeitern, so dass dem Verlagshaus von derzeit 1200 nur noch 900 Beschäftigen erhalten blieben. DDVG-Sprecher Marco Althaus betont, dass die SPD-eigene Holding langfristig eine Minderheitsbeteiligung anstrebe.

Die überregionale Zeitung mit einer Auflage von rund 182.000 Exemplaren ist von der anhaltenden Anzeigenkrise stark getroffen. Vor einem knappen Jahr hatte das Land Hessen mit einer Bürgschaft einen Millionen-Kredit für die Zeitung abgesichert, um die Arbeitsplätze zu sichern. Die Zahl der Mitarbeiter wurde seit 2001 von 1650 auf weniger als 1200 verringert.

Die Gespräche zwischen DDVG, Verlag und den Banken sollen vier bis sechs Wochen dauern. Ziel sei es, mit einer Branchenlösung sowohl die Vielfalt der überregionalen Zeitungslandschaft, als auch die publizistische Tradition der "Rundschau" zu erhalten. Offenbar strebt die DDVG eine Mehrheitsbeteiligung bis 75 Prozent und eine Kapitalzufuhr von rund 30 Millionen Euro an. Aus dem Verkauf des Verlagsgeländes in der Frankfurter Innenstadt sollen nochmals 40 Millionen Euro erzielt werden - mit den dadurch erzielten 70 Millionen Euro wäre der mittelbare Kapitalbedarf des Verlagshaues sichergestellt.

Langfristiges Ziel der DDVG sei jedoch eine Minderheitsbeteiligung, wie es die strategische Grundausrichtung der DDVG vorschreibe. Althaus deutete an, dass ein weiterer Verlag als Partner gesucht werde: Präferenz habe "eine Lösung mit Leuten, die Tinte und Druckerschwärze im Blut haben", sagte er. "FR"-Verlagsgeschäftsführer Günter Kamissek hatte auch eine Beteiligung des Managements ins Gespräch gebracht. Bei diesem Modell hätte die "FR" in der Kapitalbeteiligungsgesellschaft 3i ebenfalls einen Partner in der Hinterhand, der das Management-Buy-out mittragen würde.

SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig Danielmeier sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der bisherige Eigentümer, die Karl-Gerold-Stiftung, solle auf jeden Fall an der Zeitung beteiligt bleiben. In der Parteiführung werde nicht die DDVG-Beteiligung, sondern ein möglicher Zusammenbruch der "Rundschau" als Problem gesehen, fügte Wettig Danielmeier hinzu. Die SPD ist über ihre Medienholding an 14 Verlagshäusern beteiligt, in denen unter anderem die "Westfälische Rundschau", die "Sächsische Zeitung" und die "Frankenpost" erscheinen. nr
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