Rückzug: Sat 1-Chef Andreas Bartl übergibt Geschäftsführung an Stellvertreter Kosack

Mittwoch, 28. September 2011
Andreas Bartl führte Sat 1 seit Januar 2010
Andreas Bartl führte Sat 1 seit Januar 2010

"Als ich Sat 1 übernommen habe, habe ich versprochen, ein bestelltes Haus zu übergeben. Ich habe den Eindruck, es ist so weit." Mit diesen Worten kündigt Sat-1-Geschäftsführer Andreas Bartl im Gespräch mit der "FAZ" seinen Rückzug zum 4. Oktober an. Einen Nachfolger gibt es auch schon: Es wird Bartls Stellvertreter, Fiction-Chef Joachim Kosack.

Bartl - im "Hauptberuf" eigentlich Vorstand German-Free-TV bei Pro Sieben Sat 1 - hatte den Sender mit dem Ball seit Januar 2010 interimistisch geführt. Sein damaliges Antrittsprogramm: "Sat 1 braucht mehr starke Programmmarken, Sat 1 muss attraktiver werden, Sat 1 hat ein unheimliches Potenzial, das wir auf die Straße bringen werden." Dieses ehrgeizige Programm schien noch in diesem Frühjahr nicht erfüllt, denn im März hatte Bartl angekündigt, den Sender "zu alten Stärken" zurückführen zu wollen. Entweder sieht Bartl dies nun als erfüllt an - oder er will die Versuche zur Quotensteigerung jemand anderem zur Aufgabe machen. Daran soll sich nun der 46-jährige Kosack versuchen, seit April dieses Jahres Co-Geschäftsführer von Sat 1. Sein Nachfolger als Fiction-Chef wird Jochen Ketschau, bislang Vice President Deutsche Fiction bei Sat 1.

Im Interview mit der "FAZ" prophezeit der scheidende Senderchef Sat 1 eine rosige Zukunft: "Und es tut sich sehr viel bei Sat 1: Wir haben gerade vier neue Serien bestellt, die 2012 ins Programm kommen sollen." Es handele sich dabei um eine Arztserie mit dem Arbeitstitel "Heller & Hansen", zwei Krimiserien mit den vorläufigen Namen "Familie undercover" und "Salt and Pepper" sowie die Comedysendung "Es kommt noch dicker". Mit diesen Formaten, so glaubt Bartl, könne Sat 1 an die Quotenerfolge von "Danni Lowinski" und "Der letzte Bulle" anknüpfen - beauftragt hatte diese Sendungen sein jetziger Nachfolger Kosack. Besonders den schwächelnden Montagabend dürfte Bartl im Blick haben.

Die verlorene Champions League werde man durch Eigenproduktionen, andere Sportarten und Event-Programme ersetzen, kündigt Bartl an. "Kurz, die Programmpipeline ist gut gefüllt." Auch den Gesamtkonzern sieht Bartl gut aufgestellt und hob in diesem Zusammenhang besonders den Frauensender Sixx hervor: "Der kleine Sender Sixx macht im Moment besonders viel Spaß, weil er unheimlich gut wächst. Die Geschäftsführerin Katja Hofem-Best macht einen phantastischen Job." Der Erfolg des Spartensenders habe das Unternehmen in dem Glauben bestärkt, mit speziell ausgerichteten Kanälen Erfolge erzielen zu können. Den Start eines Seniorensenders der Programmgruppe Pro Sieben Sat 1 terminierte Bartl auf das zweite Halbjahr 2012.

Auch angesichts der Herausforderungen des digitalen Zeitalters und steigendem Investitionsdruck bestätigte Bartl die Marschroute von P7S1-Chef Thomas Ebeling, 2012 zu einem Rekordjahr zu machen: "Marktanteile mit viel Geld hinzubekommen ist nicht schwer. Das aber mit Effizienz zu koppeln, wie wir das tun, darin besteht die Kunst." Die Sendergruppe solle zudem "das Kreativzentrum des deutschen Fernsehens" sein. ire
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