Rückzieher: Microsoft will kein Verlags-Bündnis gegen Google

Freitag, 04. Dezember 2009
Microsoft-Manager Satya Nadalla
Microsoft-Manager Satya Nadalla

Vor einigen Wochen schien Google im Streit mit den Verlegern in die Defensive zu geraten. Als Gerüchte die Runde machten, Microsoft könnte Medienhäuser dafür bezahlen, dass diese ihre Inhalte statt auf Google nur noch auf dem Microsoft-Suchportal Bing einstellen, da keimte bei den zuletzt häufig von "Enteignung" sprechenden Verlagsmanagern ein wenig Hoffnung auf. Doch aus der Allianz zwischen Microsoft und den Verlagen wird offenbar nichts. "Es gibt keine echten Absichten, an Inhalte zu kommen, die nicht mehr bei Google indexiert werden", zitiert die "Financial Times" Satya Nadalla, den Entwicklungschef von Microsofts Online-Sparte. Informationen bei Google fernzuhalten, um sie exklusiv auf Bing anzuzeigen, würde "langfristig keinen Vorteil" für Microsoft bieten, so Nadalla weiter.

Hintergrund ist der seit Monaten andauernde Streit zwischen Google und den Verlegern. So hatten unter anderem Hubert Burda und Springer-Chef Mathias Döpfer eine Beteiligung an den Umsätzen verlangt, die Google mit Werbung erzielt, die neben Verlagsinhalten platziert wird. Um das geistige Eigentum im Internet zu schützen, hatten die Verleger von der Politik auch ein Leistungsschutzrecht gefordert und die Hamburger Erklärung verabschiedet. Der Initiative, die am 8. Juni 2009 in Hamburg vorgestellt wurde, hatte zwischenzeitlich auch Viviane Reding, Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, ihre Unterstützung zugesagt.

Inzwischen hat aber auch Google reagiert und ist etwas auf die Verlage zugegangen. So ermöglicht der Suchriese neuerdings Content-Anbietern, den Zugriff auf ihre Inhalte über Google News zu begrenzen. Damit will Google die Verlage nach eigenen Angaben dabei unterstützen, kostenpflichtige Inhalte anzubieten, ohne sie auf der Aggregatorseite Google News zu sperren. Für jene Verlage, die ihre Inhalte trotzdem nicht auf Google News sehen wollen, wurde außerdem ein neues Tool eingeführt, dass die Sperrung erleichtern soll. In den USA hat der Suchmaschinenriese außerdem den Nachrichtendienst Fast Flip gestartet, bei dem Verlage an den Werbeerlösen beteiligt werden. mas
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