Ringier-Verlag mit ehrgeizigen Plänen

Mittwoch, 30. November 2005

Der Schweizer Verleger Michael Ringier rechnet nicht damit, dass es in Deutschland in absehbarer Zeit eine Gratiszeitung geben wird: "Einerseits ist der Launch eines solchen Titels in mindestens 15 Städten gleichzeitig sehr teuer. Andererseits wissen alle deutschen Verleger, dass man das Gratisthema sehr ernst nehmen muss", meint er im diesen Donnerstag erscheinenden Interview mit HORIZONT. Wer auf dem deutschen Markt eine Gratiszeitung starten möchte, habe in jeder Stadt mindestens zwei Konkurrenten. "Ich habe deshalb große Zweifel, ob Gratiszeitungen nach Deutschland kommen werden", so Michael Ringier. Der Ringier-Verlag selbst startet in Prag mit "24 hodin" seine erste Gratiszeitung und plant auch für den Schweizer Markt die Entwicklung eines solchen Produkts.

Zufrieden zeigt sich der Schweizer Verleger mit der Entwicklung des Debattenmagazins "Cicero". So liegt die Monatszeitschrift derzeit bei über 60 000 verkauften Exemplaren im Vertriebsmarkt. Auch der Anzeigenmarkt sei von dem Heftkonzept überzeugt: "Die Anzeigen werden bezahlt und zwar ohne großen Rabatt", so Ringier. Er rechne nicht damit, dass "Cicero" wie ursprünglich kalkuliert sechs bis sieben Jahre brauche, bis es Geld verdient. "So wie es aussieht, werden wir dieses Ziel sehr viel früher erreichen."

Auch eine Beteiligung am Kunst- und Kulturmagazin "Monopol", die der Spiegel-Verlag kürzlich für sich negativ entschieden hat, hält Ringier offensichtlich für denkbar. ",Monopol' ist sicherlich ein Objekt, das in seiner Positionierung gut zu ,Cicero' passen könnte", so Ringier.

Seinen Hauptfokus richtet das größte Schweizer Medienunternehmen im kommenden Jahr auf das Auslandsgeschäft. Derzeit liegt der Anteil des Auslandgeschäfts am Ringier-Gesamtumsatz bei 35 Prozent. "Ich gehe davon aus, dass der in den nächsten fünf bis acht Jahren auf etwa 50 Prozent steigen wird", meint Ringier.

Dabei hat der Verleger auch die Märkte China und Vietnam im Blick, wo das Schweizer Unternehmen bereits mit eigenen Produkten vertreten ist. Gerade in diesen für westliche Verlage schwierigen Märkten könnte die Unterstützung durch Ringiers neuen persönlichen Berater - Ex-Kanzler Gerhard Schröder - wichtige Impulse geben. nr

Das komplette Interview gibt es in der Ausgabe 48/2005, die am 1. Dezember erscheint

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