"Rheinischer Merkur" wird zur Beilage in der "Zeit"

Dienstag, 21. September 2010
Zu liberal und unwirtschaftlich: Der Rheinische Merkur wird wohl verkauft
Zu liberal und unwirtschaftlich: Der Rheinische Merkur wird wohl verkauft

Der "Rheinischen Merkur" wird als Wochenzeitung eingestellt. Die Deutsche Bischofskonferenz bestätigt entsprechende Gerüchte. Abonnenten des "Merkur" sollen stattdessen spätestens ab 1. Januar 2011 die Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" mit einer sechsseitigen, christlichen Beilage erhalten. 
Chefredakteur Rutz bestätigt Verkauf
Chefredakteur Rutz bestätigt Verkauf
Laut Michael Rutz, Chefredakteur der katholischen Wochenzeitung, werden künftig noch eine Handvoll Redakteure für die Beilage tätig sein, die "Rheinischer Merkur Christ und Welt" heißen soll. Dies gab er in einem Interview mit dem Deutschlandradio bekannt. Derzeit arbeiten knapp 50 Mitarbeiter für das Blatt.

Träger des "Rheinschen Merkur" sind die deutschen Bistümer. Das Blatt mit Sitz in Koblenz war 1946 mit einer Auflage von 220.000 Stück gestartet und kommt in der IVW 2010/II auf 64.356 verkaufte Exemplare - 8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Aboauflage liegt bei 36.363 Stück. Der "Spiegel" berichtet von einer harten Aboauflage von lediglich 12.900 Abonnenten.

Der Titel war einigen Bischhöfen laut "Spiegel" zu liberal geworden. Insbesondere der Kölner Kardinal Joachim Meisner soll sich demnach immer wieder über die Berichterstattung geärgert haben. Das Erzbistum Köln ist einer der größten Geldgeber des "Rheinischen Merkur". Rund zwei Drittel gehören den nordrhein-westfälischen Bistümern. Die Bischofskonferenz selbst hält nur einen kleinen Anteil.

Der Verkauf wird jedoch nicht inhaltlich begründet, sondern mit der mangelnden wirtschaftlichen Perspektive. "Die Gesellschafter sehen sich gezwungen, in ihren Aktivitäten die ökonomische Balance zu halten und auf besonders zuschussträchtige Engagements zu verzichten", teilt die Bischofskonferenz mit. Der Titel sei laut Rutz "immer zuschussbedürftig" gewesen und habe zuletzt jährlich rund 2,5 Millionen Euro von der Bischofskonferenz erhalten. pap
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