Relaunch: HORIZONT präsentiert die neue "GQ" / Chefredakteur Redondo-Vega im Interview

Mittwoch, 11. August 2010
José Redondo-Vega
José Redondo-Vega

Rund vier Monate nachdem José Redondo-Vega die Chefredaktion beim Männermagazin „GQ" (Condé Nast) übernommen hat, präsentiert er das Heft ab der September-Ausgabe (EVT 12. August) in komplett neuer Struktur und Optik. Eine tiefgründigere Ansprache der Herren hat er sich vorgenommen, getreu dem neuen Claim „Mehr Themen. Mehr Anspruch. Mehr Mann." „Der heutige Leser fordert eine intelligente Ansprache und erwartet, dass Themen mehr in die Tiefe gehen", so der Chefredakteur. Statt bislang fünf gibt es künftig acht Ressorts, diese heißen „Gentlemen", „Business", „Home", „Mobil", „Coach", „Style", „Care" und „Agenda" und stehen für verschiedene Lebensbereiche. Neu ist auch die flexible Themenzuordnung: Ein Artikel über eine Modemarke beispielsweise muss künftig nicht mehr im Fashion-Ressort stehen, je nach Storytelling und Schwerpunkt könnte er auch im Business- oder Reportageteil zu finden sein.

Den Heftauftakt macht die Rubrik „Gentlemen", die relevante Männer des Monats vorstellt. In der Startausgabe sind das Ex-ZDF-Moderator Steffen Seibert und Arnold Schwarzenegger. Fester Bestandteil sind  außerdem die Seiten „Einer, den wir vermissen", die einen berühmten Verstorbenen porträtiert, und „Mein Vater", wo die Söhne berühmter Männer von ihrem Leben berichten. Mit insgesamt sieben Kolumnen will sich das Magazin außerdem meinungsstärker präsentieren.

Erhalten bleiben die Kernthemen Mode und Stil sowie männliche Pflege. Gleichzeitig will „GQ" das Image abstreifen, primär eine Männermodezeitschrift zu sein. „Ich bedaure, dass wir oft darauf reduziert werden", so Redondo-Vega. „Dabei sparen wir nichts aus. Im Gegenteil, wir erweitern." Eine Erweiterung etwa ist die „Fakebook-Page", die auf der letzten Heftseite steht und die die fiktive Facebook-Seite einer lebenden Bekanntheit zeigt.

Optisch soll das Layout großzügiger und aufgeräumter wirken. Große Interviews und Fotostrecken bleiben erhalten. Eine neue Serifenschrift soll zudem für eine bessere Lesbarkeit sorgen. Weitere optische Veränderungen betreffen die Titelseite: Statt wie bisher vorwiegend Männer, zieren künftig nur noch Frauen das Cover. „Es ist belegt, dass Frauen auf dem Cover von Männermagazinen die Verkäufe deutlich mehr ankurbeln als Männer", begründet Redondo-Vega.

Auflagenziele - „GQ" verkaufte im 2. Quartal 123.561 Exemplare (minus 8,3 Prozent) - hat er sich mit dem Relaunch nicht gesetzt: „Ich möchte erreichen, dass „GQ" relevanter wird. Erfahrungsgemäß verkauft sich Relevanz gut." Der Relaunch, der mit einem Rebrush der Website GQ.com einhergeht, wird von einer TV-, Print- und Onlinekampagne begleitet (Bruttowerbespendings: 1 Million Euro). se

Hier geht es zum Interview mit Chefredakteur mit José Redondo-Vega 



Angenommen Sie möchten einem unentschlossenen Käufer klar machen, warum er zur "GQ" greifen soll. Was sagen Sie?

Redondo-Vega:
Er soll sie kaufen, weil die neue „GQ" zeigt, was uns Männer interessiert. Es ist ein Magazin, das Lebensstil verkörpert und mit Meinungsstärke, Humor, Aktualität und großem journalistischen Anspruch unterhält und informiert.

Der neue Claim lautet: „Mehr Themen. Mehr Anspruch. Mehr Mann." Mangelte es „GQ" bislang an inhaltlicher Vielfalt und Niveau?

Redondo-Vega:
Überhaupt nicht. Der Titel hatte nie ein Image- oder Positionierungsproblem. Aber hin und wieder muss man sich fragen: Passt das Heftkonzept noch in die Zeit? Die Art zu kommunizieren hat sich durch die technischen Weiterentwicklungen gewandelt, der Ton in der Gesellschaft ist ernster geworden und die Ansprüche der Männer sind andere als vor ein paar Jahren.

Der Mann von heute tickt also anders. Was will er lesen?

Redondo-Vega:
Er fordert eine intelligente Ansprache und erwartet, dass Themen mehr in die Tiefe gehen. „GQ" ist kein Lifestyle-, sondern ein Lebensstil-Magazin. Darauf lege ich Wert, weil „Lifestyle" eine 90er Jahre Attitüde transportiert, die sehr sinnfrei, hedonistisch und materialistisch ein Höher, Weiter, Besser propagiert. Lebensstil ist deutlich mehr als das: Es geht um Haltungen, die sich durch viele Lebensbereiche ziehen und die wir in den Ressorts aufgreifen.

Das heißt?

Redondo-Vega: Wenn wir über wertvolle Autos, Anzüge, und Uhren berichten, dann weil das zum Lebensstil des modernen Mannes gehört. Man braucht dem Leser keine Karotte vor die Nase halten nach dem Motto: „Schau, das ist eine Welt, die du nicht erreichst."

Es gibt künftig acht statt fünf Ressorts. Welche Idee steckt dahinter?

Redondo-Vega:
Wir haben eine komplett neue Heftstruktur geschaffen. Es gibt keine strikte thematische Trennung - die Ressorts sind an den Lebenswelten der Leser orientiert. Uns ist es wichtig, dem Leser eine klare Führung zu geben und einen guten Lesefluss zu schaffen. Das war ein Manko des bisherigen Heftaufbaus, der sehr vom amerikanischen Vorbild geprägt war und die relevanten, großen Geschichten in den hinteren Teil gebündelt hat. Die zentralen Geschichten sind nun in dem Ressort angesiedelt, in das sie am besten passen. Wir sind zudem deutlich meinungsstärker geworden, nicht zuletzt durch unsere sieben neuen Kolumnen.

In jedem Ressort könnte bald etwas über Mode stehen. Das führt eher zu Verwirrung als zu mehr Klarheit.

Redondo-Vega:
Nein, weil wir in männlichen Lebenswelten denken. Wir haben neulich eine Geschichte über Armani gemacht, der in Dubai ein Hotel eröffnet hat. Dieser Artikel könnte künftig im Moderessort stehen, wenn der Schwerpunkt auf Armani als Modemarke liegt. Oder im Business-Ressort, wenn wir die wirtschaftlichen Aspekte herausstellen oder im Mobil-Ressort, wenn wir daraus eine Reportage produzieren. Das Konzept erlaubt viel größere Flexibilität.

Ist die Themenvielfalt eine Notwendigkeit der Zeit? Es gibt eine Reihe neuer Special-Interest-Titel, wie „Beef" und „Business Punk", deren Themen Sie als Generalist nun besser abdecken müssen.

Redondo-Vega: Die Vielfalt, die „GQ" jetzt hat, ist keine Reaktion auf den Special-Interest-Trend. Unser breites Themenspektrum war schon vorher ein USP. Für uns stand die Überlegung im Mittelpunkt, wie wir vorhandene Stärken betonen und das abbilden, was Männer wirklich beschäftigt.

Dennoch ist es nicht abwegig, dass Ihnen durch die SI-Titel Käufer abhanden kommen.

Redondo-Vega: Als Blattmacher muss man zuerst das eigene Produkt im Blick haben, daran glauben und weniger nach rechts und links schauen. Die Special-Interest-Titel sind keine Konkurrenz zu „GQ", weil sie ganz anders positioniert sind.

Andererseits haben Sie mit „GQ Care" im Juni erstmals ein Stand-alone in den Handel gebracht - ein Schritt in Richtung einer weiteren Spezialisierung.

Redondo-Vega:
„GQ Care" erscheint einmal pro Jahr und ist damit kein klassischer SI-Titel, sondern eine Line Extension, die sich logisch in unseren Marken- und Themenkosmos einfügt. Daneben gibt es die Sonderhefte „GQ Style" und „GQ Uhren", womit unsere Kernkompetenzen abgedeckt sind.

GQ" kämpft mit leicht sinkender Auflage, kommt im 2. Quartal bei minus 8 Prozent auf 123.561 verkaufte Hefte. Welche Auflagenziele haben Sie sich gesetzt?

Redondo-Vega: Es gab keine Vorgaben. Ich möchte erreichen, dass „GQ" relevanter wird. Und erfahrungsgemäß verkauft sich Relevanz auch gut. Interview: se

Meist gelesen
stats