Regiocast-Manager Fritsche: "DAB plus ist ein Marathonlauf"

Freitag, 29. Juli 2011
Florian Fritsche glaubt an den langfristigen Erfolg von DAB plus.
Florian Fritsche glaubt an den langfristigen Erfolg von DAB plus.

Am 1. August geht das neue Digitalradio DAB plus mit 14 bundesweit ausgestrahlten Programmen auf Sendung. Dazu gehören neben Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk auch Energy und der bisher online-basierte Fußball-Sender 90elf von Regiocast Digital. Florian Fritsche, Geschäftsführer Regiocast Digital, sieht durch DAB plus gute Chancen für mehr Innovation in der Radiobranche und betont besonders den Nutzen für Autofahrer. Der eigene Sender 90elf soll zu einer nationalen Marke aufgebaut werden. Wieso sollte DAB plus denn funktionieren, wenn DAB vor zehn Jahren nicht funktioniert hat? Was hat sich Ihrer Meinung nach geändert?
Dieses Mal haben wir den entscheidenden Vorteil, dass alle an einem Tisch sitzen: die öffentlich-rechtliche ARD, private Anbieter, die Landesmedienanstalten, die Gerätehersteller, das Bundesministerium für Wirtschaft. Wir wissen, dass das ganze Thema ein Marathonlauf ist, aber wir glauben an den Erfolg. Bis 2015 halten wir es für realistisch, 11 Millionen DAB plus-fähige Endgeräte im deutschen Markt zu haben.

Welche Vorteile sehen Sie in der digitalen Verbreitung besonders für 90elf?
Erstmal ist das für uns natürlich ein breiterer zusätzlicher Verbreitungsweg. Ich schiele dabei zugegebenermaßen ganz gewaltig auf's Auto, aber auch weiterhin auf mobile Endgeräte, die Hörer jetzt schon durch unsere Apps nutzen können, um 90elf zu empfangen. Der Nutzer will, dass 90elf überall funktioniert und das wollen wir ihm bieten.

Mit welcher Zielsetzung gehen Sie an DAB plus heran?
Wir sehen da zum einen den strategischen Aspekt. Radio funktioniert über UKW bisher nur regional, national nicht. DAB plus bietet die Möglichkeit, eine nationale Marke zu etablieren. In erster Linie wollen wir natürlich die Reichweite steigern. 90elf ist dabei das Zugpferd der Regiocast-Sender.

Trotzdem liegen größere Stolpersteine auf dem Weg, um DAB plus zu etablieren. Das größte Problem ist sicher, dass die Endgeräte noch nicht verbreitet sind. In Deutschland gibt es 350 Millionen UKW-Geräte und das Internet, aber DAB plus-fähige Geräte gibt es noch nicht. Unser Ziel ist es, die Leute in die Läden zu bringen beziehungsweise zu den Autoherstellern. Dann fehlen natürlich die Reichweiten, sprich: Das Problem der Refinanzierung stellt sich. Bei 90elf kommt der Sportwettenanbieter Tipico auf jeden Fall mit zu DAB plus. Und wie bei jedem neuen Verbreitungsweg fehlen natürlich belegbare Hörerzahlen.

Die Finanzierung ist ja auch ein Grund, weshalb die privaten Sender gegenüber DAB plus sehr zögerlich bis ablehnend reagieren.
Natürlich fällt den privaten Anbietern die Finanzierung nicht so leicht wie den öffentlich-rechtlichen, die 36 Millionen Euro für DAB plus zur Verfügung gestellt haben. Aber ich werfe vielen großen Anbietern schon eine gewisse Feigheit vor. Auch die Privaten könnten da mal etwas wagen. Der gesamten Branche würde mehr Innovation gut tun und dazu bietet DAB plus jetzt die Möglichkeit.

Viele Hörer wissen gar nichts von den Unterschieden zwischen analogem und digitalem Radio. Was für Maßnahmen werden getroffen, um DAB plus bekannter zu machen?
Zur IFA ab dem 2. September in Berlin wird eine nationale Gattungskampagne starten, die das Projektbüro Digitalradio organisiert. Diese wird vor allem auf den UKW-Sendern stattfinden. Unsere 90elf-Kampagne wird auf den Sendern von Regiocast geschaltet und wir werden Social Media-Aktionen starten. Dass Manni Breuckmann jetzt bei 90elf ist, soll das Ganze natürlich auch weiter pushen.
Interview: Anja Haufe
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