Ranking: Geschäft der Internetagenturen brummt

Donnerstag, 22. April 2010
"Nicht größenwahnsinnig werden": Michael Bassier
"Nicht größenwahnsinnig werden": Michael Bassier

Die Internetagenturen trotzen der Krise: Um durchschnittlich 6,4 Prozent steigerten die im Internetagentur-Ranking (vormals New Media Service Ranking) vertretenen Dienstleister ihren Honorarumsatz, 5,4 Prozent mehr Festangestellte verzeichneten die Digitalspezialisten im Jahr 2009. Größte Agentur bleibt T-Systems Multimedia Solutions, gefolgt von Pixelpark und Plan.Net. Überzeugt schon die Bilanz, imponiert der Ausblick ins Jahr 2010 noch mehr: Um satte 14 Prozent wollen die Agenturen in diesem Jahr ihren Honorarumsatz steigern, insgesamt wird mit einem durchschnittlichen Mitarbeiterzuwachs von 11,8 Prozent gerechnet. Keine Frage - bei den Internetagenturen brummt das Geschäft, verglichen mit den PR- oder Werbeagenturen. Gleichwohl gibt es viel Bewegung unter den Top 10: Sapient Nitro, 2009 noch als Sapient gelistet, klettert vom 6. auf den 4. Rang, Euroweb vom 9. auf den 6., Bassier, Bergmann & Kindler vom 10. auf den 9. und Neue Digitale/Razorfish vom 12. auf den 10. Platz. Syzygy, im vergangenen Jahr noch auf Platz 4, rutscht eine Stelle nach hinten.

"Keine reinen Digitaldienstleister": Horst Wagner
"Keine reinen Digitaldienstleister": Horst Wagner
Mit der imponierenden Bilanz im Rücken - zum Vergleich: die PR-Agenturen meldeten in der vergangenen Woche ein durchschnittliches Minus beim Honorarvolumen von 3,4 Prozent (Horizont 15/2010) - stellen vor allen Dingen die Top-Player der digitalen Wirtschaft das tradierte Machtgefüge innerhalb der Kommunikationsdienstleister lautstark infrage. Zugleich fordern sie von ihren Auftraggebern "angemessene", sprich bessere Vergütung von Beratungs- und Umsetzungsleistungen. Die größte Herausforderung ist für Horst Wagner, das "Paradigma Digitaldienstleister loszuwerden. Wir entwickeln Kommunikations- und Businesslösungen." Der Vorstandsvorsitzende von Pixelpark, nach T-Systems Multimedia Solutions auch in diesem Jahr die Nummer 2 im Ranking, sieht sich "sehr häufig im Wettbewerb mit den Network-Agenturen" und hat mit Pixelpark "auch schon einige Etats gewonnen." Ähnliche Positionen vertreten auch Michael Frank, Chef der Plan.Net-Gruppe, und Marco Seiler, CEO von Syzygy (siehe Umfrage).

Michael Bassier, Chef der auf Platz 9 gelisteten Agentur Bassier, Bergmann & Kindler, versucht die Meinungen seiner Kollegen zurecht zu rücken: "Digitale Kommunikation bekommt jetzt den Stellenwert, den es verdient hat. Für Agenturen, die lange im Schatten der Klassik gestanden haben, kann das leicht verleiten, gierig zu werden und den ganzen Kuchen haben zu wollen. Doch wer alles macht, macht letztlich nichts richtig. Digital ist nicht die Eierlegende Wollmichsau. Genauso wenig, wie es die Klassik je war." Die größte Herausforderung im Jahr 2010 sei deshalb nicht etwa, den Werbeagenturen Geschäft und Renommee streitig zu machen, sondern "nicht größenwahnsinnig zu werden". 

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Das Ranking der 60 größten Digital-Agenturen können Sie sich hier als PDF downloaden: 

Top_60_Internetranking.pdf

Lesen Sie auf den folgenden Seiten, was Peter Klingenburg (T-Systems Multimedia Solutions), Harald Zulauf (Media Consulta), Michael Frank (Plan.net), Horst Wagner (Pixelpark), Marco Seiler (Syzygy) und Michael Bassier (BB&K) zum Abschneiden Ihrer Agenturen sagen. Ab Seite 8 finden Sie außerdem weitere Charts zum Digitalranking.


Peter Klingenburg
Peter Klingenburg

Peter Klingenburg, Geschäftsführer T-Systems Multimedia Solutions

Rechnen Sie für 2010 mit einem Umsatzwachstum?
Ja, wir rechnen mit weiterem Wachstum.

Wenn ja, in welchen Bereichen?
Wir werden in unseren klassischen Bereichen wie E-Commerce, Portale, Consulting oder Web-IT-Management, aber auch mit Innovations- und Web-2.0-Themen wachsen.

Was sind die größten Herausforderungen für die Digitaldienstleister in diesem Jahr?
Wachsende Unternehmen brauchen neue Mitarbeiter. Genug gute neue Leute an Bord zu holen, wird auch in diesem Jahr eine unserer großen Herausforderungen sein. Außerdem werden wir auch weiterhin die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf unseren Markt beobachten müssen. Ein sehr gutes 2009 lässt uns optimistisch in die Zukunft schauen. Alerdings wollen wir auch nicht übermütig werden...

Sind Digitaldienstleister in der Lage, klassischen Agenturen (Werbung, PR, Media) Geschäft streitig zu machen?
Auf jeden Fall. Wir spüren seit einiger Zeit, dass sich Budgets in den Online-Bereich verschieben. Insbesondere Aktivitäten iim Bereich Social Media folgen neuen Regeln. Wenn neue Kompetenzen gefragt sind, verteilen sich Märkte neu.

Harald Zulauf, CEO Media Consulta

Harald Zulauf
Harald Zulauf
Im Ranking der Internetagenturen hat Media Consulta Interactive im vergangenen Jahr einen großen Satz nach vorne gemacht (von Platz 102 auf Platz 40). Was sind die Ursachen für diesen Großen Sprung?
Harald Zulauf: Media Consulta setzt ja auf einen ausgewogenen Mix aus institutionellen Kunden und Markenkunden. Diese Geschäftspolitik hat uns gegenüber der Krise wesentlich unempfindlicher gemacht - einen Geschäftseinbruch konnten wir nicht registrieren. Insbesondere der Interactive Anteil wächst bei internationalen Etats, von denen wir einige Wichtige gewonnen haben, da die Bedeutung von Social Media weiter zunimmt.

Rechnen Sie für 2010 mit einem Umsatzwachstum?
Wir haben uns auch für 2010 ein zweistelliges Umsatzwachstum im Interactive-Bereich vorgenommen.  und die Eindrücke des ersten Quartals lassen uns das ganz optimistisch sehen. Derzeit stocken wir planmäßig kräftig Personal auf - auch um unsere Angebote um ein paar Spezialdisziplinen erweitern zu können (Animation, SEO, etc.).

Wenn ja, in welchen Bereichen?
Neben Kunden im institutionellen Bereich wollen wir auch verstärkt Markenkunden gewinnen. Es ist jetzt schon deutlich, dass der Bereich Social Media / Web 2.0, also der Dialog und die Interaktion mit dem Konsumenten 2010 ein sehr stark wachsender Bereich ist. Media Consulta kann hier sowohl von PR- wie von Marketingseite professionell unterstützen, national aber auch international in über 30 Sprachen. Und diese Leistungen werden wir verstärkt auch international operierenden Markenkunden anbieten.

Was sind die größten Herausforderungen für die Digitaldienstleister in diesem Jahr?
Wie in allen Bereichen leiden auch die Digitaldienstleister noch unter den Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise. Unternehmen sparen noch immer an ihren Kommunikationsetats. Wir glauben, dass die größten Herausforderung dieses Jahres nicht so sehr bei den Digitaldienstleistern selbst liegen, sondern bei deren Kunden. Denn Social Media ist in erster Linie ja kein technisches oder konzeptionelles Problem, sondern ein institutionelles. So allmählich beginnt man Clue Train ernst zu nehmen und muss passende Antworten finden, wie Unternehmenskommunikation und Marketing auf die neue Macht des Konsumenten reagieren sollen. Ein höchst spannender Prozess ist da in Gang und wir als Digitaldienstleister sind die Lotsen.

Sind Digitaldienstleister in der Lage, klassischen Agenturen (Werbung, PR, Media) Geschäft streitig zu machen? Oder stellt sich diese Frage angesichts konvergenter Medien und integrierte Kampagnen gar nicht mehr?
Nach unserer Erfahrung wünschen die Kunden alle Dienste aus einer Hand. Die meisten unserer Interactive-Etats sind integrierte Etats. Das wird auch in Zukunft so bleiben.
Dass sich einige Budgets vom "klassischen" Geschäft Richtung Digitaldienstleister verlagern, ist ja kein Geheimnis, sondern trägt lediglich dem Anteil der Interaktiv-Medien am täglichen Medienkonsum Rechnung. Jedoch wird der sinnvolle Kommunikationsmix immer der entscheidende Faktor für den Erfolg einer Kampagne bleiben - und Media Consulta hat sich für solche integrierten Kampagnen optimal aufgestellt.

Michael Frank, Geschäftsführer Plan.Net

Michael Frank
Michael Frank
Rechnen Sie für 2010 mit einem Umsatzwachstum?
Michael Frank: Wir gehen ganz sicher von Wachstum aus. Wir konnten zum Ende 2009 und in den ersten Monaten 2010 relevante und grosse Etats gewinnen und bauen zudem unser Bestandskundengeschäft durch neue Leistungsbereiche aus. Somit rechne ich mit einem klar zweistelligen Umsatzwachstum für das laufende Geschäftsjahr.

Wenn ja, in welchen Bereichen?
Das Wachstum wird sich bei uns auf mehrere Bereiche aufgliedern: im Website/Portalbusiness sind wir führender Marktplayer und konnten langfristige Kundenauftraege generieren - eie Grundlage fuer Wachstum. Im Media- und Performancebereich haben wir aktuell unique Technologien im Einsatz und haben hierdurch einiges Neugeschäft gewonnen. Im Mobile-Bereich macht sich unsere langfristige Auseinandersetzung mit dem Thema bezahlt und schafft positive, monetäre Entwicklungen. Und last but not least arbeiten wir bereits seit ein paar Monaten an Umsetzungen fuer Tablets (iPad/wePad, etc.) - letztlich sicher das Innovations- und somit gegebenenfalls auch Wachstumsthema 2010.

Was sind die größten Herausforderungen für die Digitaldienstleister in diesem Jahr?
Die Qualität und die mittlerweile sehr hohen Anforderungen unserer Kunden auch konsequent zu bedienen. Denn die Herausforderung ist es für uns im digitalen Bereich, alle technologischen und inhaltlichen Entwicklungen, die sich fast im 12 Monatsrhythmus ändern, anzunehmen und schnell zu beherrschen - und sie dann in bewertbares Business zu wandeln.

Zudem muessen wir erreichen, dass dieses hochwertige Know-how und Spezial-, weil Innovationswissen, auch adäquat bezahlt wird. Einen Trend der negativen Preisschraube gilt es also mit Souveraenität entgegen zu wirken. Zudem sollte der mediale Preisverfall der letzten 2 Jahre einen Boden gefunden haben - aktuell positive Entwicklungen bestätigen das.

Sind Digitaldienstleister in der Lage, klassischen Agenturen (Werbung, PR, Media) Geschäft streitig zu machen?
Absolut, mmehr denn je und mit größter Relevanz. Denn mittlerweile sind fast alle kommunikativen Anwendungen digital und alle Zukunftsentwicklungen gehen in digitale Richtungen. Das wir als Plan.Net Marken digital führen koennen, deutlich näher am "Puls der Zukunft" sind und somit Leadaufgaben nicht nur beanspruchen sondern auch leisten können, haben wir eindeutig bestätigt. Und somit geht es letztlich nicht um das Streitigmachen von Geschäft, sondern darum, Kunden und deren Marken die besten und integriertesten Lösungen zu bieten.

Horst Wagner, CEO Pixelpark

"Keine reinen Digitaldienstleister": Horst Wagner
"Keine reinen Digitaldienstleister": Horst Wagner
Pixelpark ist neben Syzygy einer der wenigen großen Digitaldienstleister, dessen Umsatz in 2009 zurückgegangen ist. Warum?
Horst Wagner:
Dirk Kedrowitsch und ich haben die Führung des Unternehmens im Herbst 2008 übernommen. Daraufhin haben wir uns von unprofitablen Geschäftseinheiten getrennt. Dieses hatte zwar eine Reduktion der Umsätze, aber auch eine Steigerung der Erträge zur Folge.


Rechnen Sie für 2010 mit einem Umsatzwachstum?
Zwischen 4 und 7 Prozent im Kerngeschäft. Unter unser Führung ist der Ertrag wichtiger als der Umsatz!

Wenn ja, in welchen Bereichen?
Kommukation, E-Commerce, Mobile und Social-Media.
Was sind die größten Herausforderungen für die Digitaldienstleister in diesem Jahr?
Das Paradigma Digitaldienstleister loszuwerden. Wir entwickeln Kommunikations- und Businesslösungen. 

Sind Digitaldienstleister in der Lage, klassischen Agenturen (Werbung, PR, Media) Geschäft streitig zu machen?
Gibt es noch klassische Agenturen? :-) Spaß beiseite. Wir bilden schon seit acht Jahren den kompletten Kommunikationsmix ab. Wir stehen sehr häufig im Wettbewerb mit Network-Agenturen und haben auch schon einige Etats gewonnen. Man sollte vielleicht nicht vergessen, dass wir mittlerweile in Deutschland so groß sind, wie S&J zu besten Zeiten.

Marco Seiler, CEO Syzygy

Marco Seiler
Marco Seiler
Syzygy ist einer der wenigen großen Digitaldienstleister, dessen Umsatz in 2009 zurückgegangen ist. Warum?
Marco Seiler: Unsere Automobilkunden haben auf Grund der Wirtschaftskrise in Europa ihre Ausgaben für Marketing-Kommunikation um rund 50 Prozent reduziert. Das hatte auch Auswirkungen auf die Spendings für digitale Kommunikation. Zudem hat Google Provisionen für Agenturen im Suchmaschinenmarketing 2009 gestrichen. Nichtsdestotrotz sind wir mit unseren Ergebnissen zufrieden.


Rechnen Sie für 2010 mit einem Umsatzwachstum?
Das Geschäft belebt sich und auch die New Business Anfragen nehmen zu. Wir sind zuversichtlich, wachsen zu können.

Wenn ja, in welchen Bereichen?
Unser Online-Media-Geschäft entwickelt sich hervorragend. Performance Marketing boomt, ist klar abgegrenzt und schreit nach kompetenten Spezialagenturen.


Was sind die größten Herausforderungen für die Digitaldienstleister in diesem Jahr?
Sich als konzeptioneller Generalist zu empfehlen, der die Probleme von großen Marken in der Vermarktung ihrer Produkte zu Zeiten der Digitalen Dekade am besten löst.

Sind Digitaldienstleister in der Lage, klassischen Agenturen (Werbung, PR, Media) Geschäft streitig zu machen?
Das ist kein Wunschdenken, sondern Realität - siehe Horizont 15/2010:  Die Leitidee der Jägermeister on Ice-Kampagne wurde von unserer Tochter Hi-ReS! entwickelt und vom ganzen Agentur-Pool aufgegriffen. Gleiches geschieht für eine europäische Kampagne für einen Automobilkunden.

Michael Bassier, Geschäftsführender Gesellschafter, Bassier, Bergmann & Kindler

Rechnen Sie für 2010 mit einem Umsatzwachstum?
Michael Bassier: 2010 wird das Jahr des qualitativen Wachstums. Die Branche wird sicherlich moderat wachsen, aber das wird nur wenig darüber aussagen, wie zukunftsfähig eine Agentur ist.

Wenn ja, in welchen Bereichen?
Wer kann, der wächst im Bereich Mobile. Aber es werden nur diejenigen zulegen, die intelligente, kundenorientierte Lösungen entwickeln. Bunte Bilder reichen einfach nicht mehr aus, außer vielleicht man arbeitet für Prinzessin Lillifee.

Was sind die größten Herausforderungen für die Digitaldienstleister in diesem Jahr?
Nicht größenwahnsinnig zu werden. Digitale Kommunikation bekommt jetzt den Stellenwert, den es verdient hat. Für Agenturen, die lange im Schatten der Klassik gestanden haben, kann das leicht verleiten, gierig zu werden und den ganzen Kuchen haben zu wollen. Doch wer alles macht, macht letztlich nichts richtig. Digital ist nicht die Eierlegende Wollmichsau. Genauso wenig, wie es die Klassik je war.

Sind  Digitaldienstleister in der Lage, klassischen Agenturen (Werbung, PR,
Media) Geschäft streitig zu machen?
Allein die Frage macht deutlich, das wir aus der Krise nichts gelernt haben. Wer sich um das Geschäft kloppt, der verschwendet seine Energie - auf Kosten des Kunden. Der Kunde denkt nicht in Kanälen, sondern in Zielen. Und die Aufgabe der Agentur muss es sein, sich in die Problemstellungen des Kunden hineinzuversetzen, um ihm letztlich die optimale Lösung zu bieten. Auch wenn das bedeutet, etwas vom Kuchen abgeben zu müssen. Dienstleister sind keine Haie. Und wenn sie es sind, dann haben sie ihren Job nicht verstanden.

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Die größten Digital-Agenturen im Bereich Werbung

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Die am schnellsten wachsenden Digital-Agenturen

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Die Agenturen mit der höchsten Azubi-Quote 

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