Radio NRW: Wildern von TV-Sendern im regionalen Werbemarkt verhindern

Mittwoch, 14. März 2012
Udo Becker
Udo Becker

Mit Radio NRW hat sich nun auch einer der größten privaten Radioanbieter in die Diskussion über regionalisierte TV-Werbung eingeschaltet. Der Sender aus Oberhausen sieht erhebliche Gefahren für die publizistische Vielfalt auf regionaler Ebene und fordert die Medienpolitik zum Handeln auf. "Der NRW-Lokalfunk ist neben den Umsätzen, die radio NRW aus der nationalen Werbung generiert, wesentlich von den Erträgen des lokalen und regionalen Werbegeschäfts abhängig", sagt Radio-NRW-Geschäftsführer Udo Becker. "Bei einem Eingriff nationaler TV-Stationen in diesen so wichtigen Markt wäre die publizistische Vielfalt, zu der der Lokalfunk in NRW seit über 20 Jahren erfolgreich beiträgt, erheblich in Gefahr." Zudem sei regionalisierte TV-Werbung nicht mit dem Landesmediengesetz von NRW vereinbar. "Da es sich nicht um einen NRW-spezifischen Sachverhalt handelt, drängt sich eine Regelung im Rundfunkstaatsvertrag im Interesse der Meinungs- und Angebotsvielfalt auf", fordert Becker.

Hintergrund der Mahnung von Radio NRW: Der TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 will nach einem erfolgeichen Testlauf in Baden-Württemberg regionalisierte Werbung in die deutschen Kabelnetze einspeisen. Damit würde TV-Werbung auch für ausschließlich regional tätige Unternehmen wie zum Beispiel Möbelhäuser oder kleinere Brauereien attarktiv, die bislang ausschließlich auf regionale Werbung in Tageszeitungen und Radiosendern setzen. Entsprechend alarmiert reagieren Zeitungsverlage und Radiosender.

"Bereits 1986 hat das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass regionale/lokale Werbung nationaler Fernsehsender den Bestand und die Funktionsfähigkeit der Presse gefährden kann. Dies trifft auch auf den Hörfunk zu", mahnt Radio-NRW-Chef Becker. "Unser Ziel muss deshalb sein zu verhindern, dass nationale TV-Anbieter im regionalen/lokalen Werbemarkt wildern ohne dem Zuschauer ein entsprechendes Programmumfeld zu bieten." dh
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