Radio Day: Gesellschaftlicher Wandel fordert Radiomacher heraus

Donnerstag, 07. Oktober 2010
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Die gesellschaftlichen Veränderungen stellen auch die Radiosender vor Herausforderungen. Die Menschen drehen sich im Hamsterrad und empfinden die permanente Erreichbarkeit und ständige Chance der Mediennutzung auch als Belastung. Sie suchen nach Ankern und Ruhepolen, aber auch nach Gemeinschaft. Wie Radio diese Entwicklungen für sich nutzen kann, haben Christian Wenger und Kerstin Ullrich in der Zukunftsstudie "Vision 2017" herausgearbeitet. Fünf große Trends bestimmen die aktuelle Zeit: Managing Dutility, das so genannte "Funktionieren im System". Die Menschen müssen sich immer mehr Verpflichtungen stellen, haben das Gefühl sich im Hamsterrad zu drehen. "Für Radio ist das vor allem eine Herausforderung", sagt Trendforscherin Ullrich, die wie Wegner für das Marktforschungsinstitut GIM arbeitet. Die Mediennutzung wird immer fragmentierter, auch die Zeit die die Menschen dafür aufwenden. Entsprechend muss Radio auf allen Wegen verfügbar sein und den Hörern die Möglichkeit geben, das Programm selbst zusammenzustellen. Die Entwicklung bietet auch Chancen: Die Sender haben mehr Möglichkeiten, Hörer zu erreichen als über das klassische UKW-Radio.

Living Substance ist der zweite große Trend. Er beschreibt eine Konzentration auf das Wesentliche. Die Menschen priorisieren immer stärker und organisieren auch ihr privates Leben stärker nach Effizienzkriterien. Viele sind angesichts der Informationsflut überlastet. Das klassische Radio kann hier Entlastung bieten, indem es in seiner klassischen linearen Funktion einfach als Lean-Back-Medium funktioniert. Zudem geben starke Radiomarken Orientierung.

Embedding Individuality nennen die Trendforscher die dritte große Veränderung: Zwar ist Globalisierung das große Thema, aber auf der Suche nach Verankerung, interessieren sich die Menschen wieder stärker für das Regionale. "Das ist das große Asset von Radiomarken", sagt Ullrich. Das Stichwort Individualisierung rückt wieder nach hinten, gesucht wird das Gemeinschaftserlebnis, wenn auch nur in unverbindlicher Form wie zum Beispiel beim Ansehen von Fußall-WM-Spielen. Radiostationen können solche Gemeinschaftserlebnisse organisieren. So veranstaltet SWR 3 gemeinsame Grillpartys.

Creating Liveholder Value steht an vierter Stelle. Es geht darum wieder mitzugestalten und zu partizipieren. "Soziale Werte boomen", sagt Wenger. Ein Ausdruck dafür sind die Massendemonstrationen gegen das Bahn-Projekt Stuttgart 21. Communitys können die Antwort der Radiosender auf diesen Trend sein.

Engaging in a sane society ist der letzte spürbare Veränderung. Die Menschen sind sich dessen bewusst, dass sie in dieser Welt noch lange leben müssen und haben daher ein Bedürfnis sie zu erhalten. Medien sind die "Watchdogs", die Aufdecker von Missständen. "Radio kann seine soziale Verantwortung ausspielen", sagt Ullrich. pap
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