Radikalumbau: Jalag streicht 70 Stellen und setzt auf freie Journalisten

Dienstag, 23. März 2010
Fährt harten Kurs: Jalag-Chef Jan Klage
Fährt harten Kurs: Jalag-Chef Jan Klage

Der Jahreszeiten Verlag (Jalag) in Hamburg leitet den größten Umbau seiner Geschichte ein. Kern ist die Neuorganisation der Redaktionen aller zehn Jalag-Magazine. Dabei streicht der Verlag alle nicht leitenden, schreibenden Redakteursstellen - und will stattdessen künftig auf freie Autoren und Grafiker zurückgreifen. Auch in Verlagsbereichen fallen Posten weg. Insgesamt streicht der Jalag voraussichtlich etwa 70 Stellen, das sind über 15 Prozent der bisher rund 420 Arbeitsplätze. Dies hat der Verlag heute seinen Mitarbeitern mitgeteilt. Künftig sollen zehn so genannte - angestellte - Blattmacherteams ihre jeweiligen Titel verantworten und gestalten. Sie bestehen jeweils aus Chefredakteur, Art Direktor, Textchef und Ressortleitern, teilweise mit Stellvertretern. Die Blattmacher werden von objektübergreifenden Servicegruppen ebenfalls angestellter Redakteure unterstützt: Ein Team („Geschäftsführende Redakteure") kümmert sich um redaktionsinterne Koordination, etwa die Honorarabwicklung. Diese Serviceredakteure und ihre Assistenten sind jeweils für zwei oder drei Titel zuständig. Die Produktionsredakteure im zweiten Team (Chefs vom Dienst) bleiben ihren Titeln zugeordnet. Bildredaktionen und Foto-Syndication des Jalag werden zu einem dritten Team zusammengefasst; die einzelnen Bildredakteure bleiben ebenfalls ihren Titeln zugeordnet. Der Verlag erhofft sich durch diese Maßnahmen einen besseren Workflow, eine effektivere Mehrfachverwertung von Inhalten sowie Synergien im Einkauf.

Schlussredaktionen und Grafikaufgaben werden an externe Dienstleister vergeben; dieses Outsourcing habe man im vergangenen Jahr getestet und für vorteilhaft befunden, so der Jalag. Die Texte, die die Blattmacher nicht selber schreiben, sollen künftig an freie Autoren vergeben werden; die Etats dafür werden erhöht. Man wolle "mit den besten kreativen journalistischen Köpfen für die jeweiligen Themen zusammenzuarbeiten", so der Verlag laut Presseinfo. Der Jalag gibt die zehn Titel „Für Sie", „Petra", „Vital", „Architektur & Wohnen", „Zuhause Wohnen", „Der Feinschmecker", „Merian", „Prinz", „Selber Machen" und „Country" heraus.

Umbauten gibt es zudem in den Verlagssparten: Die drei Marketingabteilungen (Frauenmagazine, Premium-/Special-Interest, „Prinz") werden zusammengelegt und sind künftig für alle Jalag-Titel zuständig. Auch in der Verwaltung (IT, Poststelle, Lager) wird umorganisiert und outgesourct. Für die ausscheidenden Mitarbeiter - auch betriebsbedingte Kündigungen soll es geben - soll ein Sozialplan erarbeitet werden. Ab Mitte dieses Jahres will der Jalag in den neuen Strukturen loslegen. Sie wurden entwickelt von einer Arbeitsgruppe aus Redakteuren und Geschäftsführung sowie der Unternehmensberatung Schmidt Grund und Partner in München.

Nach Schätzungen von HORIZONT.NET dürfte der Jalag durch seine Radikalkur pro Jahr einen höheren einstelligen Millionenbetrag einsparen. Doch laut Jan Pierre Klage, dem Sprecher der Geschäftsführung, sei dies "kein pures Sparprogramm, sondern eine Mischung aus notwendigen Kostensenkungen und Investitionen in neue Strukturen". Der Verlag müsse zwei Probleme zur gleichen Zeit bewältigen: den strukturellen Wandel der Medienwelt und die anhaltende wirtschaftliche Krise. "Wir kommen nicht umhin, die Kostenstruktur den sinkenden Erlösen anzupassen", so Klage und erklärt die Maßnahmen auch ganz grundsätzlich: "Der Verlag definiert seine Rolle neu. Wir übernehmen Produktion, Marketing und Vermarktung für hoch qualifizierten Journalismus in Wort und Bild." rp
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