RTL setzt auf Comedy, deutsche Serien und mehr Vielfalt bei Real-Life-Formaten

Freitag, 09. Juli 2010
RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt
RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt

Bunte Bilder, schnelle Schnitte, überlauter Soundtrack und applaudierende Programmie-Journalisten: Das sind die sichersten Anzeichen für ein Programmscreening eines TV-Senders. Am Donnerstagabend war RTL an der Reihe. Deutschlands größter Privatsender richtet sich bei seiner Inhalteplanung für die TV-Saison 2010/2011 noch stärker nach gesellschaftlichen Trends und Bedürfnissen. So erweitern die Kölner ihre Humor- und Comedy-Formate gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten um zwei neue Serien („Bülent Ceylan Show", „Stars bei der Arbeit" mit Kaya Yanar und Paul Panzer). Außerdem gibt es 14 aktuelle Bühnenprogramme mehrerer Comedians. Und im Frühjahr 2011 geht das „Dschungelcamp" in die fünfte Runde. Auf der anderen Seite sehe man bei Real-Life-Formaten, die sich um menschliche Konflikte drehen, „eine Sättigungsgrenze erreicht", sagte RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt beim Programmscreening in Hamburg. Daher werde es hier künftig „eine größere Bandbreite von Formaten und Themen" geben. 2010/2011 neu bei RTL: „Rachs Restaurantschule" und „Verzeih mir", neben weiteren Folgen von Reihen wie „Jugendliebe", „Nachbarschaftsstreit", „Mein erstes Leben", „Ich kämpfe für Ihr Recht!" und „Die Versicherungsdetektive".

Außerdem stark gefragt: die deutsche Serie. „Sie holt gegenüber US-Formaten auf", sagt Schäferkordt. Ab Herbst hat RTL neue Staffeln von vier selbst produzierten deutschen Serien im Angebot („Doctor's Diary", „Countdown", „Lasko", „Alarm für Cobra 11") - laut Senderchefin „so viele wie schon lange nicht mehr". Im Showbereich freut sie sich über ein neues Format mit Günther Jauch, der - trotz seines künftigen ARD-Jobs - bei RTL die Eventshow „Alt gegen Jung - Das Duell der Generationen" präsentiert, neben „Wer wird Millionär?" und „5 gegen Jauch". Und Hape Kerkeling kehrt zurück („Hapes zauberhafte Weihnachten"); „Supertalent" und „DSDS" werden fortgesetzt. Zugleich will sich RTL auch bei den Shows mit mehr eigenen Ideen vom internationalen (Lizenz-) Markt emanzipieren.

Szene aus dem RTL-Eventmovie "Hindenburg"
Szene aus dem RTL-Eventmovie "Hindenburg"
Stichwort Eventmovies: Als Highlight des kommenden TV-Jahres sehen die Kölner ihren Zweiteiler „Hindenburg" - die bisher größte RTL-Eigenproduktion - sowie das Ost-West-Drama „Westflug". Die RTL-Informationssendungen gehen aus dem neuen digitalen Sendezentrum in Köln Deutz ab Herbst in frischem Design on Air. Im Sportbereich sieht sich RTL mit vier weiteren Boxkämpfen der Klitschko-Brüder und mit Formel 1 gut aufgestellt.

Daneben stehen übergeordnete Fragen auf Schäferkordts Agenda, etwa die Optimierung des Audience Flow sowie eine bessere Abstimmung der Programmierung mit den Sendern der RTL-Gruppe. Wie das funktionieren kann, zeigt sich bei der Showreihe „X Factor": Die zwei ersten Folgen laufen bei RTL, um die Bekanntheit zu pushen - dann übernimmt der Schwestersender Vox die Show. Außerdem hat Schäferkordt den Ehrgeiz, neben „Dr. House" und Co eine weitere US-Serie in der Primetime zu etablieren. Die Erfolgslatte liegt jedenfalls sehr hoch: Im 1. Halbjahr 2010 konnte RTL seinen Zuschauermarktanteil (gesamter Tag, 14/49) auf 17,8 Prozent steigern - gegenüber 16,7 Prozent im Vorjahreszeitraum. rp
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