RTL fordert Einstellung der Digitalkanäle von ARD und ZDF

Freitag, 06. Januar 2012
Die digitalen Sender von ARD und ZDF stehen weiter in der Kritik
Die digitalen Sender von ARD und ZDF stehen weiter in der Kritik

RTL gießt neues Öl in den Streit um die Digitalkanäle von ARD und ZDF. "Die Einstellung der vier Digitalkanäle von ARD und ZDF ist überfällig", fordert Tobias Schmid, Leiter Medienpolitik der Mediengruppe RTL Deutschland im Gespräch mit dem "Handelsblatt". Die Digitalsender Eins Festival, Eins Extra, ZDF Info und ZDF Kultur würden seit Jahren keine keine Aktzeptanz finden und auf Marktanteile zwischen 0 und 0,1 Prozent kommen, begründet der Chef-Lobbyist von RTL seinen Vorstoß.

Etwas absurd mutet dagegen ein anderes Argument von Schmid an: Die Digitalsender seien lediglich ein trojanisches Pferd, um die Expansion der Öffentlich-Rechtlichen im Internet voranzutreiben: "ARD und ZDF versenden in ihren Digitalkanälen Inhalte vor allem, um sie danach im Netz nutzen zu dürfen. Das ist ebenso absurd wie durchsichtig", so Schmid. ARD und ZDF müssen bei Beiträgen im Internet sicherstellen, dass ein sogenannter "Sendungsbezug" besteht, sich Inhalte im Internet also auf eine zuvor gezeigte Sendung beziehen.

Auch das vor allem vom ZDF ins Feld geführte Argument, mit digitalen Sendern wie ZDF Neo ein jüngeres Publikum zu erreichen, lässt Schmid nicht gelten: "Es gibt in Summe keinen Zuwachs von jungem Publikum. Das ist empirisch anhand von ZDF und ZDF Neo nachweisbar", sagt Schmid.

Das ZDF sieht seine digitalen Ableger dagegen als Teil seines gesetzlichen Auftrages: "Die Länder haben uns beauftragt, derartige Programme anzubieten. Darüber können wir uns doch nicht einfach hinwegsetzen", zitiert das "Handelsblatt" einen Vertrauten des scheidenden ZDF-Intendanten Markus Schächter. RTL-Mann Schmid sieht jetzt die Poltik am Zug: "Die Politik weiß, dass die Kanäle seit Jahren keine Akzeptanz finden, und es liegt allein bei ihr, die Konsequenz daraus zu ziehen", argumentiert Schmid. Seiner Meinung nach sollte sich das ZDF an der BBC ein Beispiel nehmen, die sich im Internet und im Programm eine Selbstbeschränkung auferlegt hat. "Schon jetzt droht sich das ZDF zu verzetteln. Die Gefahr eines Auftragsversagens besteht."

Bereits seit Wochen tobt eine Diskussion über die digitalen Ableger von ARD und ZDF. Auch mehrere Poltiker, darunter der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, Kurt Beck, hatten eine Einstellung der Sender gefordert. dh
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