RTL-Unterhaltungschef Sänger stellt DSDS in Frage / Entwicklungsoffensive geplant

Montag, 15. April 2013
Die aktuelle Staffel von DSDS läuft so schlecht wie keine zuvor
Die aktuelle Staffel von DSDS läuft so schlecht wie keine zuvor


So langsam scheint die Quotenentwicklung von RTL in Köln doch nicht mehr als normal angesehen zu werden. Angesichts rückläufiger Zuschauerzahlen bei langlaufenden Formaten, kündigt RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger im "Spiegel" eine "Entwicklungsoffensive" an. Das Flaggschiff-Format "Deutschland sucht den Superstar" soll überarbeitet werden. "DSDS" hatte in der aktuellen Staffel, in der neben Dieter Bohlen auch Tom und Bill Kaulitz von Tokio Hotel in der Jury saßen, die schlechtesten Quoten seit Jahren. "Aufgrund des Lebenszyklus des Formats reicht es nach zehn Jahren nicht mehr, an kleinen Rädchen zu drehen. Wir müssen drastischer sein, am großen Rad drehen", sagte Sänger dem "Spiegel". RTL sei in Gesprächen mit allen Beteiligten. Produziert wird "DSDS" ebenso wie "Das Supertalent" von Grundy LE. Erst Mitte März hatte RTL angekündigt 2014 die 11. Staffel produzieren zu wollen. Doch die Entscheidung steht wohl doch noch nicht fest. Sänger schließt laut "Spiegel" nicht aus, dass "DSDS", das auch international sehr erfolgreich ist, durch ein neues Showformat ersetzt werden könnte.

RTL musste in den letzten anderthalb Jahren mehrere Rückschläge hinnehmen. "Das Supertalent" konnte trotz Juror Thomas Gottschalk nicht an frühere Erfolge anknüpfen. Quotengaranten wie "Wer wird Millionär?" mit Günther Jauch sind in die Jahre gekommen. Gleiches gilt für "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" - die Daily Soap, die in der wichtigen Access Time die Zuschauer für die Primetime anliefern muss, und die durch "Berlin Tag & Nacht" auf RTL 2 unter Druck geraten ist. Auch Hauptabend-Formate wie "Rach, der Restauranttester" und "Raus aus den Schulden" laufen schlechter. RTL hat sich viele Jahre auf die Langläufer verlassen. Ersatz ist jedoch nicht in Sicht.

Sänger sieht trotzdem keinen Grund zur Beunruhigung: "Die Lage ist nicht dramatisch. Aber die Lernkurve muss wieder steiler werden. Wir müssen mutiger, risikofreudiger, schneller werden", sagt er dem Magazin.

Handlungsdruck besteht jedoch durchaus. Im März kam RTL bei den 14- bis 49-Jährigen auf einen Marktanteil von nur noch 14,8 Prozent. Im Gesamtjahr 2012 lag der Marktanteil noch bei 15,9 Prozent - und damit schon deutlich schlechter als 2011, als der Sender noch auf satte 18,4 Prozent kam.

Die Probleme muss nun neben Sänger vor allem RTL-Neu-Geschäftsführer Frank Hoffmann lösen, der seit Februar an der Spitze des Senders steht und die Aufgaben von RTL-Group-Co-CEO und Bertelsmann-TV-Vorstand Anke Schäferkordt übernommen hat.

Die Diskussion dürfte für Hoffmann, der zuvor Geschäftsführer von Vox war, und Schäferkordt zur Unzeit kommen. Bertelsmann will Anteile der RTL Group verkaufen. Deren Ergebnis hängt jedoch zum Großteil von der Mediengruppe RTL Deutschland ab und diese wiederum vom Flaggschiff RTL. pap
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