RTL Group: Wie Schäferkordt und de Posch den Konzern voranbringen wollen

Donnerstag, 23. August 2012
Früher Konkurrenten, jetzt Kollegen: Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch
Früher Konkurrenten, jetzt Kollegen: Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch

Erster öffentlicher Auftritt von Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch in Luxemburg bei der Präsentation der Halbjahreszahlen der RTL Group. Die beiden Co-CEOs, die die Geschichte von Europas größtem TV-Konzern seit Mitte April lenken, haben in den vergangenen Wochen die Strategie der Gruppe überprüft. In friedlicher Eintracht saßen die beiden Nachfolger von Gerhard Zeiler nun auf dem Podium. „In Deutschland waren wir Konkurrenten. Nun mögen wir es sehr, zusammenzuarbeiten", sagte die für das wichtige Deutschlandgeschäft verantwortliche Schäferkordt über ihren neuen Kollegen, der bis 2008 noch CEO des RTL-Konkurrenten Pro Sieben Sat 1 war. „Wir hatten einen guten Start. Das Organisatorische ist das eine, der persönliche Kontakt das andere", ergänzte de Posch, in dessen Zuständigkeit das Internationale Business und der Produktionsarm Fremantle fallen.

In den kommenden Jahren wird der Fokus der Co-CEOs auf drei Feldern liegen: Im Mittelpunkt stehen das Kerngeschäft, Inhalte und der Ausbau des digitalen Business.

Kerngeschäft Lineares Fernsehen

Das Kerngeschäft Lineares TV wollen Schäferkordt und de Posch unter anderem durch den Launch neuer Sender stärken. Sie gehen davon aus, dass der Großteil der Nutzung auch mittelfristig auf das  lineare Fernsehen entfallen wird. Aktuell werden 96 Prozent linear gesehen, nur 4 Prozent auf anderen Wegen wie IPTV oder Mobile. Bis 2015 erwarten die beiden einen Anstieg der non-linearen Nutzung auf 10 Prozent.

Zuletzt hat die RTL Group in Deutschland RTL Nitro auf den Markt gebracht. Ende 2012 soll der französische Sender 6ter starten. Im wettbewerbsintensiven indischen Markt, in dem RTL bislang nicht vertreten ist, will die Gruppe den Kanal Big-RTL Thrill mit dem Partner Reliance starten.
Zudem sollen künftig auch Distributionserlöse eine Rolle spielen. Vor allem im deutschen Markt, wo die Sender nun über den Umweg HD auch Umsatzbeteiligungen von den Satelliten- und Kabelnetzbetreibern erhalten. Die Mediengruppe RTL Deutschland hat sich vor einigen Wochen mit der Kabel Deutschland auf ein solches Modell geeinigt. „Wir werden aber weiter Verbreitungsgebühren zahlen", sagte Schäferkordt mit Blick auf ARD und ZDF, die diese Kosten einsparen wollen. Mittelfristig sollen die Erlöse aus der Distribution diejenigen aus der Verbreitung jedoch übersteigen.

Content

Im Mittelpunkt der Content-Strategie steht der Produktionsarm Fremantle, der nach der Mediengruppe RTL Deutschland das zweitgrößte Profitcenter der Gruppe ist. Fremantle, an deren Spitze seit 1. Juli  Cécile Frot-Coutaz steht, soll weiterhin Formate erfinden, die weltweit funktionieren wie „Pop Idol" und „God Talent" - hierzulande „Deutschland sucht den Superstar" und „Das Supertalent". Zudem soll die Gruppe aber auch andere Felder auf- und ausbauen. Dazu gehören der Bereich Kids Entertainment, Gaming und Online-Ableger.

So hat Fremantle angekündigt, zwei Youtube-Kanäle in Deutschland zu launchen. Laut de Posch wird der eine Krimis bringen, der andere heißt „Berlin Heartbeat". Auch mit den amerikanischen Plattformen Netflix und Hulu wird Fremantle kooperieren und so die Inhalte aus der Gruppe weiter verbreiten.

Digital

Die Online-Angebote der Gruppe entwickeln sich in hohem Tempo. In Deutschland sind die Video-Views im 1. Halbjahr um 40 Prozent gestiegen. Die Inhalte werden über Portale wie RTLnow.de, Clipfish und Voxnow.de vertrieben. „Wir müssen sichern, dass wir die Rechte für alle Plattformen haben", sagt Schäferkordt. Zudem müssten die Zuschauerzahlen auch auf allen Plattformen messbar sein. In Deutschland arbeitet die AGF auf Hochtouren an einer solchen Konvergenzwährung.

„Wir müssen das Onlineportfolio weiter ausbauen", weiß auch de Posch. Neben den Senderseiten geht es dabei auch um Ableger wie die Rezeptdatenbank Kochbar.de von Vox oder die Netzathleten. Auch Portale abseits des klassischen Geschäfts sind interessant. Seiten wie Gutscheine.de oder den eigenen Ticketshop RTLTickets. „Wir nutzen unsere Mediapower, um solche Services anzuschieben", sagt de Posch. Der Co-CEO geht davon aus, dass die Gruppe gut aufgestellt ist für die Zukunft. pap
Meist gelesen
stats