RTL-Chefin Schäferkordt zur Razzia: Kartellamt kannte Pläne

Montag, 14. Juni 2010
Schäferkordt  trifft Entscheidungen autonom
Schäferkordt trifft Entscheidungen autonom

RTL-Chefin Anke Schäferkordt zeigt sich überrascht über den Besuch des Kartellamtes am 19. Mai. Die Behörde ermittelt wegen des Verdachts auf Absprachen zwischen der Mediengruppe RTL Deutschland und Pro Sieben Sat 1 zur Verbreitung ihrer digitalen TV-Programme. "Wir finden das Vorgehen des Amtes erstaunlich, denn über alle größeren Projekte war und ist es informiert", sagt Schäferkordt im Interview mit der "Welt am Sonntag". Die Behörde geht unter anderem dem Verdacht nach, dass sich die beiden großen TV-Gruppen abgesprochen haben, ihre digitalen Free-TV-Programm nur noch verschlüsselt auszustrahlen.

Über den Übertragungsweg Kabel zeigt RTL die Programme seit 2006 verschlüsselt. "Wir haben das damals offiziell kommuniziert, und fünf Jahre später soll dieser Schritt nun generell infrage gestellt werden", kritisiert Schäferkordt. Auch zu den Plänen, die hochauflösenden TV-Kanäle RTL HD und Vox HD via Satellitenbetreiber Astra nur noch verschlüsselt auszustrahlen, hätten der Behörde Details vorgelegen.

Schäferkordt verwehrt sich gegen den Verdacht der Absprache: "Wir treffen unsere Entscheidungen autonom". Die Digitalisierung sei jedoch eine Herausforderung, die alle gleichermaßen treffe. In anderen Ländern sei die Verschlüsselung im TV schon gang und gäbe und eine Antwort auf die wachsende Gefahr der Piraterie."Wir wollen eben nicht, dass uns dasselbe passiert, wie der Musikindustrie", so Schäferkordt in der "WamS". pap
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