RTL-Chefin Schäferkordt hält am Sparkurs fest

Freitag, 16. Juli 2010
Anke Schäferkordt
Anke Schäferkordt

RTL stellt sich trotz seiner zuletzt positiven Bilanz im TV-Markt auf schwierige Zeiten ein. Zwar hat der Kölner Sender in der Zuschauergunst im 1. Halbjahr 2010 erneut zugelegt und beim Marktanteil die Marke von 17,8 Prozent erreicht. Geschäftsführerin Anke Schäferkordt glaubt gleichwohl nicht daran, dass der Sender kurzfristig davon auch finanziell profitieren kann. „Die schnellen Steigerungen im Zuschauermarkt lassen sich sicherlich nicht sofort eins zu eins im Werbemarkt umsetzen“, erklärt Schäferkordt im Interview mit HORIZONT.NET. Am Sparkurs des Senders will sie daher festhalten. „Ich glaube, alle – sogar die öffentlich-rechtlichen Kollegen – haben eingesehen, dass sich die Branche dauerhaft auf eine niedrigere Kostenbasis einstellen muss“, so Schäferkordt. Kein Sender werde im Werbemarkt die Rückgänge des vergangenen Jahres schnell kompensieren können.

Das komplette Interview mit Anke Schäferkordt lesen Sie auf den folgenden Seiten.


Seit 2008 haben Sie RTLs Halbjahres-Marktanteil von 15,6 über 16,7 in 2009 auf in diesem Jahr sogar 17,8 Prozent gesteigert – und gleichzeitig 190 Millionen Euro gespart. Wollen Sie sich mit diesem Zauberkunststück für Ihre Show „Supertalent“ empfehlen?

Anke Schäferkordt
Anke Schäferkordt
Anke Schäferkordt: Ich kann definitiv nicht zaubern. Wir haben an Stellen gespart, wo es der Zuschauer möglichst kaum bemerkt, zum Beispiel mit mehr Wiederholungen in Randzonen, etwa früh morgens oder am späten Abend. Außerdem haben wir gemeinsam mit den Produzenten die Produktionsabläufe verbessert und damit Kosten gesenkt. Wir haben weniger Einmal-Eventshows produziert und auch die Zusammenarbeit innerhalb unserer Sendergruppe weiter intensiviert. Ganz wichtig ist bei alledem aber, dass wir in die Programmentwicklung und in unsere starken Marken in der Prime-Time investiert haben und diese auch weiterhin schützen werden, indem wir unsere Ressourcen primär dorthin lenken, wo es die Zuschauer merken: in unser Programm.

Haben Sie nun keine Baustellen mehr?

Schäferkordt: Doch – das ist wie beim Hausbau. Kaum sind Sie in einer Ecke fertig, müssen Sie an einer anderen Stelle wieder nachbessern. Wir sind nie zufrieden. So möchten wir in einzelnen Zeitschienen in der Prime-Time, etwa am Mittwochabend, unseren Marktanteil, obwohl wir auch dort vorn liegen, wieder steigern und bestimmte Genres unseres Programms um neue Formate ergänzen, etwa die Real-Life-Formate.

Aber ist es nicht ziemlich unrealistisch, jetzt noch mehr Marktanteil anzustreben?

Schäferkordt: Es wäre sicherlich vermessen, bei nun fast 18 Prozent Marktanteil weiter von substanziellen Wachstumszielen zu reden. Um es sportlich auszudrücken: Wir sind jetzt eher in einer Verteidigungsposition und wollen den erreichten Vorsprung erhalten.



Geht denn der Sparkurs weiter?

Schäferkordt: Ich glaube, alle – sogar die öffentlich-rechtlichen Kollegen – haben eingesehen, dass sich die Branche dauerhaft auf eine niedrigere Kostenbasis einstellen muss. Kein Sender wird im Werbemarkt die Rückgänge des vergangenen Jahres schnell kompensieren können. Und die Umsätze der Rekordjahre um 2000 werden erst recht kaum zurückkommen. Wir bei RTL werden weiterhin darauf achten, effizient zu arbeiten und gleichzeitig jede Chance nutzen, gezielt in unsere Zukunft zu investieren.

Werden Sie denn wenigstens den jüngsten Zuwachs Ihrer Zuschauermarktanteile äquivalent im Werbemarkt monetarisieren können?

Schäferkordt: Die schnellen Steigerungen im Zuschauermarkt lassen sich sicherlich nicht sofort eins zu eins im Werbemarkt umsetzen. Gerade die Unsicherheiten in der Werbekrise führen zum Zeitverzug. Ich halte RTL im Werbemarkt daher weiterhin für deutlich unterbewertet.

Apropos Werbemarkt: Es scheint, dass Ihr Vermarkter IP und Ihre Wettbewerber von Pro Sieben Sat 1 in den Verhandlungen mit den Media-Agenturen nun standhafter bleiben als früher. Was ist geschehen? Haben Sie beide sich einmal tief in die Augen geschaut?

Schäferkordt: Ich kenne die Verhandlungsführung der Kollegen in München nicht, sondern stelle nur fest: Bei der Brutto-Netto-Schere und den Tausendkontaktpreisen ist für alle Sender irgendwann eine Grenze erreicht. Vielleicht ist das der Hintergrund Ihrer Beobachtung. Unsere Haltung ist dabei nicht neu: Im Mittelpunkt steht für uns die Werthaltigkeit des Mediums TV.

Die großen Media-Agenturen haben sich für dieses Jahr entsprechend Ihrer Rabattstaffeln auf bestimmte Werbevolumina festgelegt. Fragt sich nur, ob sie ihre Commitments einhalten – und was passiert, wenn nicht. Fordern Sie dann am Jahresende Nachzahlungen?

Schäferkordt: Warten wir es ab. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass sowohl Agenturen als auch Kunden ihre Vereinbarungen bei uns einhalten. Es gibt im Moment auch keinerlei Anzeichen, daran zu zweifeln.
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