RTL-Chef Zeiler kündigt neue Sender an und möchte Geld von Plattformen

Freitag, 17. September 2010
Zeiler glaubt an mobiles Fernsehen
Zeiler glaubt an mobiles Fernsehen

Auf dem Management-Meeting von Bertelsmann hat RTL-Group-Chef Gerhard Zeiler die Strategie des TV-Konzerns für die kommenden Jahre vorgestellt. "Wir wissen, was wir zu tun haben. Wir haben eine Strategie dafür, wie unsere Industrie im Digitalen Zeitalter agieren kann", sagte er vor rund 600 Managern in Berlin. Dabei baut er auf zwei Säulen: Optimierung des Kerngeschäfts und die Entwicklung zukünftigen Wachstums.  Kerngeschäft:

RTL setzt auf starke Senderfamilien. "Wir haben noch nicht in jedem Land die finale Form der Familien erreicht", zitiert die RTL-Group-Mitarbeiterzeitschrift "Backstage" den CEO. "In den nächsten Jahren werden Sie mehrere neue Kanäle in den Ländern sehen, in denen wir tätig sind", kündigte er an. Dabei kann es sich sowohl um Nischensender handeln als auch um zweite Sender in Ländern, in denen der Konzern bislang nur mit einem Kanal tätig ist. Zum Beispiel hat RTL Televizija gerade eine Lizenz für RTL 2 erhalten. Auch in Deutschland  ist noch Platz für neue Sender. RTL-Deutschland-Chefin Anke Schäferkordt hatte erst kürzlich im Rahmen der IP Primetime angekündigt, Pläne für ein bis zwei Pay-TV-Sender in der Schublade zu haben. "So lange die Fragmentierung anhält, ist es besser, sich selbst zu fragmentieren, als von anderen fragmentiert zu werden", so Zeiler.

Kosten optimieren: RTL arbeitet weiter daran, die Kosten im Kerngeschäft zu optimieren. Das Krisenjahr 2009 habe die Anpassungsfähigkeit der Branche gezeigt, so Zeiler. Allein die RTL Group hat rund 371 Millionen Euro gespart. Nur ein Sender hatte infolge des massiven Kostensenkungsprogramms Marktanteilsverluste hinnehmen müssen. "Wenn die Erholung sich verstetigt, müssen wir wieder mehr in unser Programm investieren, wenn wir unser Performance-Niveau halten wollen." 

Wachstumsstrategie:

Neuer Umsatzstrom: "Das erste und meiner Meinung nach wichtigste Ziel ist es, einen zweiten starken Erlösstrom neben der Werbung zu etablieren", so Zeiler. Zwar erzielt die RTL Group bereits 40 Prozent ihres Umsatzes mit Geschäften abseits der Werbung. Aber die Abhängigkeit soll weiter sinken. Eine Möglichkeit sieht Zeiler in einer Änderung des Geschäftsmodells. Anders als in anderen Ländern bezahlen derzeit in Deutschland die Sender für die Einspeisung ins Kabel- oder Satellitennetz. Zeiler würde dies gerne umkehren. "Das ist ein vielversprechender Weg." Er will das Prinzip, dass die Plattformbetreiber die Sender bezahlen, in jedem Land durchsetzen. Vor allem mit HD sieht er eine Chance, das Modell zu verändern. Hierzulande kann RTL schon einen Teilerfolg verbuchen. Astras kostenpflichtiges Angebot HD+ beteiligt die Sender an den Erlösen.

Non-lineare TV-Angebote: Zeiler will die On-demand-Plattformen im Internet ausbauen. Zum einen könnten nationale Plattformen etabliert werden, die alle nationalen Sender zusammen betreiben. An einem solchen Modell arbeitet gerade auch die Mediengruppe RTL Deutschland gemeinsam mit Konkurrent Pro Sieben Sat 1. Die zweite Variante ist mit Plattformen dritter Parteien zu kooperieren, beispielsweise solchen wie Hulu. Diesen Weg geht Zeiler aber nur mit Einschränkungen: "Wir verkaufen die Programme nicht allein, sondern nur mit unseren Sendermarken. Wir machen nur Geschäfte, wenn die Anbieter Shop-in-Shop-Systeme akzeptieren", sagt der CEO. Außerdem müssten sie akzeptieren, dass die Werbevermarktung in den Händen der Sender bleibt.

Content: Die Produktionsfirmen sollen sich stärker entwickeln, beispielsweise Fremantle Media, die hinter dem weltweiten Erfolgsformat "Pop Idol" steht. Damit Fremantle seine herausragende Marktposition behaupten kann, müsse es weiter wachsen. "Das bedeutet auch zu investieren - vor allem in Talente und Formate." Das Management hat ambitionierte Ziele und will das Ergebnis bis 2015 verdoppeln.

Mobile TV: Zeiler sieht enormes Potenzial im mobilen Fernsehen. Er glaubt, dass dieses riesig werden wird. Die Gruppe hat bislang 40 iPhone- und iPad-Apps. "Und unsere ersten Live-TV-Apps zeigen, dass wir an der Spitze dieser Entwicklung stehen und stehen werden."

Diversifikationsgeschäft: Das Geschäftsfeld teilt sich iin vier Bereiche: Markenverwertung wie die Mobilfunkmarke M6 Mobile von Orange in Frankreich; Live Events wie die "American Idol Experience" in Florida; Home-Shopping und E-Comerce sowie Rechtehandel. "Eine weitere Kategorie die sehr interessant aussieht, ist die Spieleindustrie", ergänzt Zeiler.

All diese Ziele, um das Wachstum zu sichern, könnten jedoch nur erreicht werden, wenn die RTL Group weiter an ihren Regeln festhalte: Dezentralisierung, kein "Mißerfolgsvermeidungsdenken", Expansion in Märkte mit hohen Wachstumsraten sowie Investitionen in das bestehende Geschäft. pap
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