RTL 2: Holpriger Start für Stephanie zu Guttenberg

Freitag, 08. Oktober 2010
Moderator Udo Nagel und Stephanie zu Guttenberg
Moderator Udo Nagel und Stephanie zu Guttenberg

Die kurzfristig von RTL 2 ins Programm gehobene Reihe "Tatort Internet - Schützt endlich unsere Kinder" kommt mit der ersten Folge auf einen Marktanteil von 7,7 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Gemessen am Senderschnitt im September von 5,8 Prozent ist das zwar ein guter Wert. Angesichts der großen Medienpräsenz zum Start am gestrigen Donnerstag jedoch eher enttäuschend. Sowohl "Bild" als auch "Stern" hatten in ihren Aufmachergeschichten über das Format berichtet. In "Tatort Internet" jagen Stephanie zu Guttenberg, die Frau des Verteidigungsministers, und der ehemalige Hamburger Innensenator Udo Nagel Pädophile. Doch in der jungen Zielgruppe interessierten sich gerade mal 950.000 Zuschauer für die Reihe, die auf einer amerikanischen Reihe namens "To Catch a Predator" basiert.

In Grünwald bei München dürften die Programmmacher enttäuscht sein, denn auch in der Gesamtbevölkerung tut sich "Tatort Internet" schwer und kommt nur auf 1,34 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 4,3 Prozent. Die Reihe soll eine Zäsur sein und den ersten Schritt hin zu einem qualitativ besseren Programm markieren, mit dem Senderchef Jochen Starke punkten will.

Die noch kommenden neun Folgen von "Tatort Internet" werden jeweils montags um 20.15 Uhr laufen.

Ob sich die Zahl der Zuschauer bei den kommenden Folgen steigern wird, ist fraglich. Denn an dem neuen Format von RTL 2 ist nichts gelungen. Hier dürfte der Sender qualitativ einen absoluten Tiefpunkt erreicht haben: Angefangen bei dem gestellt wirkenden Gespräch mit Frau zu Guttenberg über das Casting, die Sprecher und die Dramaturgie bis hin zur handwerklichen Umsetzung geht alles daneben, ganz zu schweigen vom Inhalt. Das dürfte selbst Zuschauern, die Trash gewohnt sind und öfter RTL 2 einschalten, nicht gefallen. Wie der Sender damit seinem selbst formulierten Anspruch, ein qualitativ besseres Programm auf die Beine zu stellen, gerecht werden will, bleibt ein Rätsel.

Der negative PR-Effekt ist sowohl für den Sender als auch für Frau zu Guttenberg enorm. Ob sich Werbekunden in einem dermaßen schlecht umgesetzten Format zu dem extrem sensiblen Thema Kindesmissbrauch gut aufgehoben fühlen? Bestimmt nicht. Zumal dieses breit verrissen  und negativ diskutiert wird, wie es aktuell bei "Tatort Internet"   beispielsweise auf Spiegel Online der Fall ist.

Ein Gutes hat die Pleite für RTL 2: schlechter geht es nicht mehr. Die Qualität kann sich also nur bessern. pap/ems
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